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    Bischofsheim

    Burkard Hose und sein Engagement für eine gerechtere Welt

    Burkhard Hose las in Bischofsheim aus seinem Buch "Seid laut!" und kam mit den Besuchern ins Gespräch. Foto: Marion Eckert

    "Es gibt Momente, in denen man die Stille hören kann". Solch einen Moment hat Burkhard Hose, Würzburger Studentenpfarrer der katholischen Hochschulgemeinde, bei einem Auftritt von Eva Fahidi, einer Überlebenden der Shoah erlebt. Sie sprach über das Grauen, das sie als 18-Jährige in Auschwitz erlebte und die Gleichgültigkeit, die sie damals erfahren habe. Damals sei ihm klar geworden, dass die Verbrechen der NS-Zeit nicht nur Geschichtsbuchwissen sind, sondern etwas mit ihm selbst und der Gegenwart zu tun haben. "Die Gleichgültigkeit und das Wegschauen von Nachbarn hat mindestens so tiefe Narben hinterlassen wie offene Ablehnung und Hass."

    Mit diesen Gedanken stieg Hose im Bischofsheimer Kardinal-Döpfner-Haus in einen Vortrags- und Diskussionsabend ein. Anhand von ausgewählten Textstellen aus seinem neuen Buch "Seid laut" sprach er über seine Motivation, für ein politisch engagiertes Christentum einzutreten. Dazu zählen eben die Begegnungen mit Überlebenden der Shoa, positive und mutmachende Erfahrungen mit engagierten Studierenden und die Begegnung mit Geflüchteten.

    Eindrucksvolles Schweigen

    Zunächst habe ihm der Titel "Seid laut" gar nicht gefallen, gebe es doch schon genug laute Stimmen, die mit viel Geräusch auf populistische Weise auf sich aufmerksam machen, während sich viele Menschen, die eine Vorliebe für leise Töne haben, zurückgezogen haben. Laut werden versteht Hose im Sinne von deutlich werden und das könne dann auch schweigend geschehen. Beeindruckt habe ihn Emma González, die Schülerin, die vor einem Jahr das Schulmassaker in Parkland, Florida, überlebte und gemeinsam mit Mitschülern , auf die Straße ging und sich für ein Land ohne Waffen einsetzte. Ihre Rede vor Hunderttausend Menschen habe sie mit einem sechsminütigen Schweigen begonnen, solange wie der Amoklauf an der Highschool dauerte.

    Sie ist für Hose ein Beispiel für viele junge Menschen, die über ihre eigenen Probleme hinausgehen, die Visionen für eine bessere Welt haben und sich dafür auch einsetzen. Solche jungen Menschen erlebe er auch Tag für Tag in der Würzburger katholischen Hochschulgemeinde. So erzählte er von "Lukas" und seinen Kollegen, die sich gegen die Abschiebung eines im Rollstuhl sitzenden jungen Afghanen wehrten. Er berichtete von zwei jungen Leuten, die bei der Seenotrettung von Flüchtenden aktiv sind. Als sie in der Hochschulgemeinde zu Gast waren und von ihren Erlebnissen berichteten, habe Ministerpräsident Markus Söder von "Asyltourismus" gesprochen. Die Verzweiflung und das Unverständnis der jungen Menschen war für Hose erschütternd. "Wenn du tote Menschen aus dem Wasser ziehst und dann solche Sätze hörst, das passt nicht zusammen." Es sei völlig absurd darüber zu diskutieren, ob Menschen, die ertrinken, gerettet werden dürfen oder nicht.

    Die Frage nach dem Eigentlichen

    Hose sieht es als seine Aufgabe, junge Menschen zu motivieren, nicht wegzuschauen, sondern sich für mehr Menschlichkeit und die Vision von einem besseren Leben einzusetzen. Er erlebe viele engagierte junge Menschen, viel engagierter noch als vor zehn Jahre, nehme aber auch eine zunehmende Verzweiflung wahr. So sprach nach der Veranstaltung in Bischofsheim eine junge Frau den Tränen nahe mit Hose und fragte, warum sie denn die einzige junge Frau Anfang 20 bei dieser Lesung in Bischofsheim war.

    Pfarrer Manfred Endres (links), Christiane Bolz (Pfarrgemeinderätin) und Alexander Reiß (Vorsitzender Pfarrgemeinderat) dankten Burkhard Hose (zweiter von rechts) für den Vortrag und die Lesung aus seinem Buch "Seid laut!" Foto: Marion Eckert

    Für seine Haltung erntet Hose nicht nur Lob. Immer wieder werde er gefragt, ob er denn für "das Eigentliche" noch Zeit habe. Solche Kritiker frage er gerne, was denn "das Eigentliche" sei? Oft höre er dann: Gottesdienste feiern und sich um das Seelenheil der Menschen kümmern. Er erwidere, um was anders als das Seelenheil gehe es denn bei Menschen, die vor Krieg fliehen und ihre Heimat verlassen und nun Angst vor Abschiebung haben.

    Der Einsatz für mehr Humanität habe nichts mit Naivität zu tun, stellte Hose klar. Sicherlich habe er auch keinen goldenen Weg, aber er müsse als Christ die Stimme gegen soziale Ungerechtigkeit erheben, sich für einen gemeinsamen Dialog und gegen machtorientierte Meinungsmache einsetzen. So stehe er auch auf gegen eine Politik, die christliche Werte instrumentalisiere.

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