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    Bad Neustadt

    Chancen durch Umstellung auf Bio

    Insgesamt fünf Bäckermeister, drei davon aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld aus Familienbetrieben, und einen Müller aus Rhön-Grabfeld zog es zur Infoveranstaltung der Ökomodellregion rund um das Thema "Bio-Bäcker werden". Um den Interessierten Frage und Antwort stehen zu können, hatte Projektmanagerin Corinna Ullrich Thomas Wolz, selbst Bio-Bäcker aus Greßthal, sowie Wolfgang Hager von der Ökokontrollstelle ABCERT eingeladen.

    Vor dem Einstieg in die Thematik gab Ullrich einen Überblick zum bayerischen Landesprogramm "Bio-Regio-Bayern 2020", welches den Öko-Landbau voranbringen soll. Dazu gibt es bayernweit derzeit zwölf, künftig 15 weitere Ökomodellregionen, die sich um ökologisch landwirtschaftliche Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Bewusstseinsbildung kümmern. Der Erfolg dieses Programmes sei nicht zuletzt auch von der Verarbeitung und dem Absatz ökologischer Produkte abhängig, nicht nur von der Umstellung der Landwirtschaft. Dazu müsse sich auch für die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung eingesetzt werden. So könne man als Bio-Bäcker, meint Ann-Kathrin Paar, Projektmanagerin der Ökomodellregion Oberes Werntal, die die Veranstaltung ebenfalls begleitete, schon innerhalb der Kommunikation mit dem Kunden auf Wertschöpfungsketten hinweisen. Auch Führungen durch die Bäckerei könnten eine Idee sein, um das Bewusstsein zu stärken oder als Nebeneffekt vielleicht sogar den ein oder anderen wieder für das Handwerk zu begeistern. Denn auch an diesem Nachmittag wurde wieder über die für die Bäcker sehr schwierige Situation durch den Fachkräftemangel diskutiert.

    An sich sei das Angebot ökologischer Erzeuger in der Region Rhön-Grabfeld bereits gut, so Ullrich, von Hühnerfreiland- über Milchkuhhaltung bis hin zu Brauereien mit Bio-Verarbeitung. Woran es jedoch definitiv mangele, seien Bio-Bäcker. Trotz der Förderrichtlinie, die die Betriebe bei der Umstellung unterstützt, fehle es vielen Bäckern noch an der Überzeugung, dass Bio auch bei den Kunden ankommen wird. Die Angst, langjährige Kunden aufgrund von erhöhten Preisen durch ein Bio-Angebot zu verlieren, werde durch die Konkurrenz mit den großen Bäckereiketten und Discountertheken noch verschärft. Eine Rechtfertigung für die höheren Preise sei die Qualität der Produkte, in denen die Folgen für die Umwelt mitbedacht sind.

    Von seinen Erfolgen berichtete Thomas Wolz, der seinen Betrieb seit 2008 zum Teil auf Bio umgestellt hat. So sind seine Brote und einige Brötchensorten immer aus biologischen Rohstoffen. Er warnt vor einer voreiligen Komplettumstellung, wirbt aber für eine Annäherung an Bio durch ein Mischangebot. Er selbst fahre mit diesem Angebot seit Jahren gut. Er schärfe das Bewusstsein für Bio-Produkte durch Verkauf, Kommunikation und kleine Verkostungen. Große Änderungen im Betrieb verlange eine Umstellung nicht, erklärt Wolz. Wichtig sei nur eine klare Trennung der konventionellen von den biologischen Rohstoffen in der Lagerung sowie zeitlich in der Verarbeitung. Jedoch brauche man keine getrennten Lagerräume oder Arbeitsbereiche. Eine Zwischenreinigung sei, ob Bioprodukt oder nicht, sowieso immer durchzuführen.

    Auditor Wolfgang Hager von der ABCERT AG möchte die Angst vor der Zertifizierung und regelmäßigen Kontrollen nehmen.  Um sich mit Bio auszeichnen zu dürfen, bedarf es mindestens dem EU-Bio-Siegel, welches im Vergleich zu anderen die geringsten Richtlinien stellt. Nachdem ein Betrieb in einer Erstkontrolle aufgenommen und zertifiziert wurde, folgt einmal im Jahr eine Regelkontrolle, die der Bäckerei zwei Wochen zuvor angekündigt wird.

    Abschließend wiesen die beiden Projektmanagerinnen Ullrich und Paar nochmals darauf hin, dass die Umstellung auf Bio viele weitere Chancen bieten könne, die sich nicht nur auf den Verkauf im Laden beschränken – zum Beispiel bei der Belieferung von Hotels, Bio- und Hofläden sowie Gemeinschaftsverpflegungen.

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    Bearbeitet von Pressemitteilung

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