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    Würzburg

    Coronavirus: Preh und andere Firmen stoppen Reisen nach China

    Das Coronavirus hat Deutschland erreicht. Ein Mann aus Oberbayern infizierte sich bei einer Fortbildung in seiner Firma. Wie reagieren Unternehmen aus Unterfranken?
    Menschen auf einem Markt in Fuyang in der zentralchinesischen Provinz Anhui tragen Mundschutz, während sie Dekoration für das Neujahrsfest kaufen. Foto: dpa

    Nun gibt es auch in Deutschland den ersten Fall mit dem neuartigen Coronavirus, das sich von der chinesischen Provinz Hubei aus verbreitet. Der 33-jährige Patient aus dem oberbayerischen Landkreis Starnberg infizierte sich offenbar an seinem Arbeitsplatz. Während einer Fortbildung beim Automobilzulieferer Webasto steckte er sich bei einer Kollegin aus China an. Auch in Unterfranken arbeiten viele Unternehmen mit Partnern aus China zusammen, haben dort Mitarbeiter im Einsatz oder unterhalten dort eigene Standorte. Wie reagieren sie auf die verschärfte Situation?

    s.Oliver will Mitarbeiter schützen 

    "Die Unternehmensführung hat entschieden, bis auf Weiteres alle Reisen nach China und Hongkong zurückzustellen", sagt eine Sprecherin des Modeunternehmens s.Oliver mit Hauptsitz in Rottendorf (Lkr. Würzburg). Man wolle mit der Vorsichtsmaßnahme die Mitarbeiter schützen. Die Unternehmensgruppe hat in China Standorte in Hangzhou und in Hongkong und arbeitet dort mit vielen Lieferanten zusammen. Die Mitarbeiter an den asiatischen Standorten seien angewiesen worden, die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu berücksichtigen, so die s.Oliver-Sprecherin. 

    Preh: Bis auf weiteres werden alle Geschäftsreisen nach Asien eingestellt

    Die Geschäftsführung des Autozulieferers Preh hat ebenfalls die Entscheidung getroffen, bis auf Weiteres alle Geschäftsreisen nach und aus Asien einzustellen, teilt Pressesprecher Ronald Schaare mit. Die chinesische Joyson-Group ist seit 2012 alleiniger Eigentümer des Unternehmens in Bad Neustadt (Lkr. Rhön Grabfeld). Preh folgt damit präventiv einer Empfehlung des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dieses rät allen Bundesbürgern und auch Unternehmen, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu vermeiden. Derzeit gebe es wegen der laufenden Feiertagswoche zum Chinesischen Neujahr ohnehin keine Dienstreisen von Preh-Mitarbeitern nach China, so Schaare weiter. 

    Büro des Autozulieferers Schaeffler in Wuhan nicht besetzt

    Auch der fränkische Autozulieferer Schaeffler hat bereits in der vergangenen Woche seinen 89 000 Mitarbeitern Dienstreisen von und nach China verboten. Der Reisestopp gelte zunächst bis zum 15. Februar. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Herzogenaurach sowie eine Niederlassung in Schweinfurt hat, betreibt in China zehn Werke, auch in der besonders stark betroffenen Millionenstadt Wuhan.

    „Wir haben ein kleines Büro in Wuhan mit sechs lokalen Mitarbeitern. Diese sind derzeit aufgrund des chinesischen Neujahrsfests nicht im Büro“, sagt Unternehmenssprecher Axel Lüdeke. Den Kollegen in China wurden Präventionsmaßnahmen genannt, wie sich eine Ansteckung mit dem Virus vermeiden lässt, so der Unternehmenssprecher. Dazu zählen dieselben Tipps wie sie auch zur Vermeidung einer Influenza-Infektion gelten: also zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen. Alle Mitarbeiter des Unternehmens, die aus China zurückreisen, wurden aufgefordert, zunächst ein paar Tage von zu Hause aus zu arbeiten.

    Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken für Mitarbeiter

    Der Automobilzulieferer ZF, ebenfalls mit einem Standort in Schweinfurt, hat 40 Werke in China mit 14 000 Mitarbeitern. Dort ruht in der Neujahrsfest-Woche die Produktion. Derzeit gebe es zwar keine Geschäftsreisen nach China, sagt ein Konzernsprecher, doch „in einem weltweit tätigen Unternehmen gibt es immer Austausch“. Der Kontakt zu den chinesischen Werken erfolge derzeit über Telefon- und Videokonferenzen. Den Mitarbeitern vor Ort wurden Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.

    Auch Brose Fahrzeugteile und der Druckmaschinenehersteller Koenig und Bauer, zwei der größten Arbeitgeber in Würzburg, reagieren auf den Coronavirus, indem sie vorerst Dienstreisen nach China streichen. Dasselbe gilt für den Sonnenschutzhersteller Warema aus Marktheidenfeld. 

    Würzburger Student im Auslandssemester in China

    Noch keinen akuten Handlungsbedarf sieht man in Sachen Coronavirus an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Die Hochschule pflegt vielfältige Kontakte nach China. Unter anderem gibt es einen Austausch der Medizinischen Fakultät mit einer Klinik in Wuhan, dem Zentrum des Krankheitsausbruches. Derzeit hielten sich aber keine Mediziner aus Würzburg in China auf, sagte Uni-Sprecherin Esther Knemeyer am Dienstag.

    Ein Student aus Würzburg verbringt derzeit ein Semester in China, rund 800 Kilometer von Wuhan entfernt. Das Internationale Büro der Uni hat ihn am Dienstag zur Sicherheit kontaktiert. Die Würzburger Sinologen pflegen einen Austausch mit einer Hochschule in Peking - allerdings während der Sommermonate. Man werde die Entwicklung in den nächsten Monaten beobachten, sagt Knemeyer. Aus China sind derzeit rund 240 Studierende an der Uni eingeschrieben. Die meisten sind bereits zum Wintersemester nach Würzburg gekommen, weit vor dem Ausbruch des Virus.

    Vieler chinesische Aussteller und Besucher bei Nürnberger Spielwarenmesse 

    Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Mittwoch begonnen hat, ist das Coronavirus ebenfalls ein Thema. Es werden dort nicht nur 360 chinesische Aussteller erwartet, sondern auch viele Besucher aus China. Im vergangenen Jahr waren es fast 1500. Man sei im Austausch mit dem Gesundheitsamt und haben präventiv die Zahl der der Desinfektionsspender auf der Messe erhöht, so die Veranstalter. 

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