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    Da lacht sogar Winnetou

    Der Mellrichstädter Maler Peter Klier entdeckt den Romanautor Karl May neu. Mit Witz, Charme und Esprit haucht er in seinen Karikaturen den alten Helden neues Leben ein.
    Romanhelden einmal ganz anders: Peter Klier hat sich den Figuren von Karl May auf seine Weise angenommen.
    Romanhelden einmal ganz anders: Peter Klier hat sich den Figuren von Karl May auf seine Weise angenommen. Foto: Stefan Kritzer

    Mit Abenteuerromanen im Wilden Westen wie in der Wüste wurde er berühmt, seine Liebesgeschichten fesseln bis heute viele Leser landauf, landab. Doch mit zwei Roman- und späteren Filmfiguren verbindet man Karl May besonders: mit dem Apachenhäuptling Winnetou und seinem schlagkräftigen Freund Old Shatterhand. Im nächsten Jahr jährt sich der Todestag Karl Mays zum 100. Mal. Für den Maler Peter Klier die Gelegenheit, zahlreiche Szenen aus den Romanen einmal ganz anders zu interpretieren. Dass er damit zur Renaissance des Dichters einen nicht unerheblichen Beitrag leistet, das war dem Mellrichstädter vorher nicht klar.

    Die Freundschaft Peter Kliers zu Siegfried C. Augustin, einem ausgewiesenen Karl-May-Experten, hat das neue Buch erst möglich gemacht. Als Augustin sah, wie Peter Klier auf seine ganz eigene, zeichnende wie malende Weise Opern interpretiert, da wusste er, dass dies auch mal einen ganz anderen Blick auf die Romane Karl Mays ermöglichen würde. Und in der Tat, Peter Klier machte sich ans Werk, malte, zeichnete und vollendete vor kurzem sein 111. Bild – oder, wie er es formuliert, Blitzlicht – über alle möglichen Romanhelden, über Winnetou und Old Shatterhand, über Hadschi Halef Omar und den Schut und viele, viele Szenen mehr.

    Alle Bilder, oder vielmehr Karikaturen, sind im neuen Buch „Da lacht sogar Winnetou“ von Peter Klier erschienen, das der renommierte Karl-May-Verlag in Bamberg, für den Siegfried C. Augustin arbeitet, herausgegeben hat. „Die Aufgabe hat mich gereizt“, sagt Peter Klier und lacht. Natürlich, er lacht und seine Bilder im neuen Buch lachen auch. Denn, und da bleibt sich Klier treu, ernst gemeint sind die Zeichnungen und Bilder nur selten. Wie schon im satirischen Opernführer „Im 3. Akt sind alle tot“ sitzt auch hier der Schalk auf der Schulter des Zeichners. Mit Witz, Charme und viel Esprit hat Peter Klier den Helden der Romane Karl Mays neues Leben eingehaucht. Und damit zur Wiederentdeckung eines in den vergangenen Jahren doch recht vergessenen Autors beigetragen.

    Der Karl-May-Verlag nimmt seit einiger Zeit eine Wiederentdeckung der Karl-May-Werke und eine vermehrte Nachfrage nach den Büchern wahr. Woran das liegt, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Schließlich waren Bücher wie „Der Schatz im Silbersee“ oder „Old Firehand“, „Durch die Wüste“ wie auch die dreibändige Saga „Winnetou“ zuletzt in der Literaturszene eher belächelt worden. Dazu trägt bei, dass May die Romane aus der Ferne geschrieben hat, ohne je im Wilden Westen gewesen zu sein. Besonders in diesen Wochen ist solcherlei Schreiberei ja schwer in Verruf geraten. Doch letztlich sind es Tugenden wie Freundschaft und Treue, wie der Sieg des Guten über das Böse, die heute wieder gefragt sind.

    Genau weiß derzeit aber noch niemand, warum Karl May in dieser Zeit wieder eine Renaissance erfährt. „Man kann das auch als Erwachsener noch lesen“, ist Peter Klier überzeugt. „Soll ich Ihnen mal einen Band seiner weniger bekannten Bücher ausleihen?“ Kliers neues Buch, das unlängst im Karl-May-Verlag erschienen ist, trägt dazu bei, sich wieder mit den berühmt gewordenen Figuren zu beschäftigen.

    Wie schon im Opernbuch wird jede Karikatur in Peter Kliers neuem Werk mit einem Vierzeiler versehen, der im Versmaß erläutert, was da auf dem Bild zu sehen ist. Natürlich hat Siegfried C. Augustin, der Karl-May-Kenner, diese Vierzeiler geschrieben. Und das Buch ist der Auftakt zur weiteren Karl-May-Rezeption des Peter Klier. Derzeit arbeitet der Künstler an einem Bilderzyklus, natürlich auch über Karl May. Dieser wird ab 11. März 2012 in der Kreisgalerie zu sehen sein, bevor die Bilder auf große Reise durch Deutschland und in die österreichische Hauptstadt Wien gehen.

    Doch bis dahin gibt es noch viele Szenen aus Karl-May-Büchern zu bearbeiten. „Am liebsten sind mir gar nicht Winnetou und Old Shatterhand“, sagt Peter Klier. „Mit denen habe ich schon in meiner Jugend nicht viel anfangen können.“ Viel lieber liest er die Liebesgeschichten des Romanautors, Geschichten, die heute kaum noch jemand kennt. „Aber die sind schön“, schwärmt Peter Klier und lacht.

    Das neue Buch: Peter Klier und Siegfried C. Augustin „Da lacht sogar Winnetou“. Ein Führer durch Karl Mays Werke in 111 Blitzlichtern. Bamberg, Karl-May-Verlag 2011, 9,95 Euro

    Männerfreundschaft a la Peter Klier: Winnetou und Old Shatterhand. Dazu schrieb Siegfried C. Augustin den Vierzeiler:„Als Blutsbrüder da halfen siefast jedem, der nach Hilfe schrie.Man fasste Gibson, Parranoh,nur bei Santer war's nicht so!“
    Männerfreundschaft a la Peter Klier: Winnetou und Old Shatterhand. Dazu schrieb Siegfried C. Augustin den Vierzeiler:„Als Blutsbrüder da halfen siefast jedem, der nach Hilfe schrie.Man fasste Gibson, Parranoh,nur bei Santer war's nicht so!“ Foto: Zeichnung: Peter Klier
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    Von unserem Mitarbeiter Stefan Kritzer

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