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    Bad Königshofen

    Damit das Verlegen von Hausanschlüssen schneller geht

    Die 50 Zentimeter langen Plastikrohre werden angeschraubt und dann in die Erde gebracht. So kann mit wenig Aufwand und ohne Aufgraben schnell gearbeitet werden.
    Die 50 Zentimeter langen Plastikrohre werden angeschraubt und dann in die Erde gebracht. So kann mit wenig Aufwand und ohne Aufgraben schnell gearbeitet werden. Foto: Hanns Friedrich

    Diplom-Ingenieur Peter Wieczorek aus Bad Königshofen ist ein Tüftler. Er hat in den vergangenen Jahren bereits einige Ideen umgesetzt. So im Jahre 2006 mit einer Anlage zur Hydrothermalen Carbonisierung (HTC), die aus verschiedener Biomasse wie Laub, Stroh, Klärschlamm oder Gärrest Kohle produziert: "Wir sind immer an dem Thema drangeblieben, haben geforscht, verbessert."

    2016 kam die Zusammenarbeit mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig bei einem EU-Forschungsprojekt. Das vorgegebene Thema war die Reinhaltung von Wasser und Abwasser. "Horizon 2020 INCOVER" nannte sich das Projekt. An Incover sind 15 Partner aus verschiedenen Ländern der EU beteiligt. Der Vorteil der neuen Anlage: Sie ist in einem Container untergebracht und kann mühelos zum jeweiligen Einsatzort transportiert werden (wir berichteten).

    Gerät kann unter der Erde eingesetzt werden

    Nun befasst sich der Geschäftsführer der Firma Renergie Systeme in Bad Königshofen mit einem weiteren Thema. Vor einigen Tagen fanden dazu Versuche auf einer Wiese nahe Bad Königshofen statt. Um was geht es? Peter Wieczorek nennt die in den kommenden Jahren ansteigende Zahl der Hausanschlüsse für das schnelle Internet durch Glasfaserkabel.

    Normalerweise muss sowohl vor als auch im Grundstück aufgegraben werden, um das Kabel zu verlegen. Dies möchte man vermeiden. So kam der Bad Königshofener Tüftler auf die Idee, ein Gerät zu entwickeln, das unter der Erde eingesetzt werden kann.

    Pressbohrung auf neue Art und Weise

    "Diese sogenannte Pressbohrung ist nichts Neues", gibt Wieczorek zu, allerdings gehe seine Methode neue Wege. Normalerweise erfolgt unterirdisch eine Bohrung, die dann auf dem Rückweg das Leerrohr einführt. „Bei meinem System ist es so, dass wir gleich ein Leerrohr einbringen und zwar mit dem Bohrkopf, in das dann die entsprechenden Kabel gelegt werden können.“ Dies geschieht in einer Tiefe zwischen 40 und 50 Zentimetern.

    Die 50 Zentimeter langen Plastikrohre werden angeschraubt und dann in die Erde gebracht. So kann mit wenig Aufwand und ohne Aufgraben schnell gearbeitet werden.
    Die 50 Zentimeter langen Plastikrohre werden angeschraubt und dann in die Erde gebracht. So kann mit wenig Aufwand und ohne Aufgraben schnell gearbeitet werden. Foto: Hanns Friedrich

    Zurzeit können Plastikrohre mit einem Innendurchmesser von 25 Millimeter verlegt werden. Diese Rohre haben jeweils eine Länge von 50 Zentimetern und werden Meter für Meter aneinander geschraubt und dann in die Erde geschoben. Wieczorekts Anlage kann aber auch „konventionell“ eine Pilotbohrung mit Stahlgestänge setzen und beim Zurückziehen aufweiten und ein Leerrohr einfügen.

    Versuchsbohrungen erfolgten bereits

    Der Diplom-Ingenieur zeigt auf die Spitze, eine Art Meißel, die sich in die Erde bohrt. Der Vorteil: Sie ist mit einem Sender ausgestattet. Damit kann Peter Wieczorek über ein Ortungsgerät genau den Weg verfolgen und eventuelle Korrekturen vornehmen. Diese Möglichkeit sei ein großer Vorteil gegenüber Erdraketen.

    So ging es bei den Versuchen darum, inwieweit man diese Bohrung geradeaus hinbekommt und dann aber auch, ob man eventuell einen Bogen „fahren kann“. Es könnte ja sein, dass Wurzelwerk oder ein Baum ein Hindernis darstellt, das man dann umgehen kann. Das alles ist eine Zeitersparnis, da das Aufgraben ebenso entfällt, wie das Zurückziehen des Gestänges und Einziehen des Leerrohres. „Wir können mit unserem Gerät sogar im Keller installieren und aus dem Keller zum Anschlusspunkt in der Straße bohren“, erläutert der Tüftler.

    Fünf statt zwei verlegter Hausanschlüsse sind am Tag möglich

    Beim Versuch auf einer Wiese bei Bad Königshofen zeigt sich, dass innerhalb kürzester Zeit das Gerät einsatzbereit ist. Noch einmal werden die Kontakte zum Sender überprüft, der Meißel entsprechend ausgerichtet, die Stromversorgung über ein Aggregat angeschlossen und schon ist die Hydraulik einsatzklar.

    Der Bohrkopf schiebt sich Zentimeter für Zentimeter in die Erde und nimmt ein Plastikrohr mit. Innerhalb einer Stunde sind so rund zehn Meter geschafft. Umgerechnet bedeutet dies, dass bei einem realen Einsatz bis zu fünf Hausanschlüsse pro Tag erledigt werden könnten: „Drei mehr als normalerweise“. Also eine enorme Zeitersparnis.

    Für den Einsatz des Gerätes muss eine Grube ausgebaggert werden, die den Maßen angepasst ist. Dann kann man es einrichten, den Bohrkopf einstellen und los legen.
    Für den Einsatz des Gerätes muss eine Grube ausgebaggert werden, die den Maßen angepasst ist. Dann kann man es einrichten, den Bohrkopf einstellen und los legen. Foto: Hanns Friedrich

    Prototyp wurde innerhalb eines Jahres gebaut

    Gefragt nach der Zeitspanne zwischen Idee und Entwicklung sagt Peter Wieczorek, dass hier die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit eingeflossen seien, sodass der Prototyp innerhalb eines Jahres gebaut werden konnte: „Wir haben damit ein kompaktes Gerät mit sehr gutem Handling, damit sind unsere Kunden auf Baustellen sehr schnell.“

    Interesse sei bereits vorhanden, sagt der Ingenieur und verweist auf die Zeiteinsparung beim Verlegen durch seine Erfindung. Nachdem die derzeitigen Probeläufe gut verlaufen sind, könnte das Gerät sehr bald offiziell vorgestellt werden.

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