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    Hausen

    Der Herr vom Hillenberg geht in Pension

    Der Hillenberg und seine jungen Besucher aus einer ungewohnten Perspektive.  Foto: Eckhard Heise

    Eigentlich ist das Zeltlager des Landkreises auf dem Hillenberg  ohne ihn nicht denkbar. Über 30 Jahre war er für das Feriencamp oberhalb von Roth verantwortlich und hat zumindest rechnerisch wahrscheinlich jedes Kind aus dem Landkreis schon einmal in seiner Obhut gehabt. Doch nun heißt es auch für ihn Abschied zu nehmen: Zum letzten Mal war Ekkehard Schmitt - zumindest als Verantwortlicher des  Amts für Jugend und Familie - für die Ferienfreizeit zuständig, noch in diesem Jahr geht er in den Ruhestand.

    Vom Zeltlager wechselt Ekkehard Schmitt in die Pension. Über 30 Jahre leitete der Beamte die Ferienfreizeit des Landkreises. Foto: Eckhard Heise

    "Für immer Kult" ist in diesem Jahr das Motto des Kinder-Zeltlagers. Das klingt schon etwas nach Abschied, doch ganz wird er sich sicherlich nicht gleich zurückziehen, "in irgendeiner Form werde ich weiter dabei sein". Außerdem hat er in Sachen Nachfolge in der Vergangenheit schon vorgearbeitet und erzählt, dass seine Tochter Sybilla und Schwiegersohn Thomas Peter auch schon seit über 30 Jahren mit von der Partie sind, erst als Kinder und Teilnehmer, später dann als Betreuer. "Es deutet sich an, dass der Nachfolger aus dem näheren Umfeld kommen könnte", formuliert er schmunzelnd.

    Schmitt: Zeit mit den Kindern nicht missen

    So kommt der Ausstieg nicht abrupt, denn die Zeit mit den Kindern möchte er trotz der Strapazen nicht missen.   "Der Umgang mit den Kindern hat mir viel gegeben". Es sei sehr aufschlussreich gewesen, in die Welt seiner Schützlinge einzutauchen und zu erleben, wie sich die Kinder außerhalb ihrer sonstigen sozialen Umgebung "öffnen". Auf der anderen Seite steht die enorme Belastung – allein schon physisch. "An mehr als drei Stunden Schlaf in der Nacht – wenn überhaupt – ist kaum zu denken", sagt er. Wenn die drei Wochen mit den drei Gruppen herum sind, heißt es erst einmal zwei Tage durchschlafen.

    Das Motto ist bunt an die Wand gemalt. Die Kinder wollen auch beim Zeltlager beschäftigt sein. Foto: Eckhard Heise

    Genauso strapaziös ist aber die Last der Verantwortung, erinnert er sich an einige besonders schlimme Vorfälle.  Einmal habe es einen so heftigen Sturm gegeben, dass sämtliche  Zelte weggeflogen und Bäume umgestürzt sind. Den Kindern sei nichts passiert, weil die frühzeitig im Gästehaus in Sicherheit gebracht worden sind. "Die Kinder fanden das aufregend, uns war allerdings ziemlich mulmig zu Mute".

    Nachtwanderung: Plötzlich fehlte ein Kind

    Ebenfalls nur ungern erinnert sich Schmitt daran, wie ein Kind einmal verschwunden ist. "Das war bei einer  Nachtwanderung. Als wir im Lager ankamen, fehlte plötzlich ein Kind". Vergeblich suchte er mit den anderen Betreuern den Wald ab. Sie dachten auch schon daran, einen Suchtrupp der Polizei anzufordern. "Auf jeden Fall mussten die Eltern nach der vergeblichen Suche informiert werden". Die wohnten in Roth. Als er den Vater mitten in der Nacht aus dem Bett holte, erklärte der, dass der Vermisste in seinem Zimmer schlafe. Auf den Gedanken, die Verantwortlichen des Camps zu informieren, war er nicht gekommen.

    Stellvertretender Landrat Josef Demar (2. von rechts) schaut bei den Ferienfreizeiten stets einmal vorbei. Foto: Eckhard Heise

    Zum Glück habe es auch noch keine schlimmen Verletzungen gegeben, nur einmal einen Wespenstich. Jedoch stellte sich heraus, dass das Kind allergisch reagiert, weil plötzlich der Arm auf Oberschenkelgröße anschwoll. "Ich wusste gar nicht, dass mein alter VW-Bus 200 fahren kann", erinnert er sich an die Fahrt zum Arzt.

    Bundesverdienstkreuz für die Betreuer

    Eine große Hilfe seien stets die Betreuer. Inzwischen könne er auf einen festen Stamm bauen, der teilweise schon viele Jahre dabei sei und auf den er sich bedingungslos verlassen kann. "Zwischen uns herrscht eine Atmosphäre des Vertrauens, und es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen". Er habe größte Achtung vor ihnen, schließlich nehmen sie sich eine Woche Urlaub, um ehrenamtlich mitzuhelfen. "Die sollten eigentlich das Bundesverdienstkreuz bekommen".

    Auf die Betreuer muss sich Schmitt verlassen können. Foto: Eckhard Heise

    Etwa 35 Betreuer und zehn Küchenhelfer brauche er für die drei Wochen. Die meisten sind eine Woche da und wechseln dann mit der neuen Belegung. In den drei aufeinanderfolgenden Wochen kommen rund 350 Kinder in das Lager. Seit fast einem Jahrzehnt gibt es dabei das "Indoor-Zelten" mit rund 50 Kindern der Sechs- bis Siebenjährigen in festen Unterkünften, während die Älteren in zehn großen Zelten übernachten.

    Landrat Steigerwald: Fahren Sie hoch, es ist alles da!

    Das Ganze musste aber erst einmal aufgebaut werden. Schmitt erinnert sich noch, als er 1984 in den Dienst des Landkreises trat und der damalige Landrat Steigerwald ihn darauf aufmerksam machte, dass der etwa sechs Jahre zuvor angelegte Jugendzeltplatz zu seinem Aufgabengebiet gehört. "Fahren Sie mal hoch und schauen sich das Ganze an. Es ist alles da", seien die Worte seines neuen Chefs gewesen. "Was ich vorfand, war eine Munitionskiste mit zwölf Schüsseln, ebenso vielen Tellern und verbogenen Löffeln".

    Ansage vor dem Lagerfeuer: Die Kinder sind gespannt, was ihr Lagerleiter zu sagen hat. Foto: Eckhard Heise

    Im Laufe der Jahre wurde die Unterkunft modernisiert, vor ein paar Jahren wurde ein Holzofen aufgestellt und ein zweiter Gruppenraum angebaut. Aber nach wie vor herrscht drangvolle Enge – Schmitts Feldbett steht eingepfercht in einem Abstellraum zwischen Werkzeug, Küchenutensilien, Kühltruhe und Faxgerät. Doch wenn er sich die Anfänge vor Augen hält, meint er: "Wir haben jetzt optimale Verhältnisse" und inzwischen werde der Zeltplatz auch gern von Gruppen teilweise von weit außerhalb des Landkreises angemietet.

    So denkt Schmitt, dass er im Laufe der Zeit eine gute funktionierende Einrichtung und Struktur für die Ferienfreizeit aufgebaut hat. Und er glaubt, dass er das Ganze in gute Hände geben kann - "aber wie gesagt, auf irgendeine Weise bin ich ja noch dabei".

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