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    Großbardorf

    Der Wald im „Hotspot des Klimawandels“

    Mit dem Gemeindetraktor in den Wald: Eine Waldbegehung in Großbardorf machte Probleme und Chancen deutlich. Foto: Herbert Geßner

    Zu einer Führung durch den Großbardorfer Gemeindewald waren alle Interessenten eingeladen. Revierleiter Herbert Geßner und Abteilungsleiter Wilhelm Schmalen, beide vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), sowie Bürgermeister Josef Demar fuhren mit den Teilnehmern per Traktor durch den Wald zu besonders interessanten Abteilungen.

    Wie erleben Menschen den Wald, was ist ihnen wichtig? Dieser Frage ging Schmalen nach. Laut einer Umfrage der Technischen Universität München genießen die Menschen gute Luft und Ruhe, schätzen den Erholungswert und die Vielfalt an Bäumen, Kräutern und Tieren, halten aber auch die Rolle des Waldes beim Klimaschutz und als Lebensraum für Insekten für wichtig. Wald ist aber auch Lieferant von Rohstoffen für Holzprodukte und für die Gemeinden ein positiver oder negativer Kostenfaktor, wurde festgestellt.

    Nicht alles genau planbar

    Dass man bei der Waldbewirtschaftung nicht alles genau planen kann, obwohl es natürlich festgelegte Hiebsätze und anstehende Pflegearbeiten gibt, davon konnten sich die Teilnehmer überzeugen. Wie Geßner erläuterte, machen Trockenschäden und Schädlinge auch vor dem Großbardorfer Wald nicht Halt. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 stieg die globale Temperatur um 0.9 Grad, in Unterfranken jedoch um 2 Grad. Ein "Hotspot des Klimawandels" wird Unterfranken bereits genannt.

    Für 2019 erwartet Revierleiter Herbert Geßner 100 Prozent Schadholz. Vom Borkenkäfer befallene Fichten müssen schnell abtransportiert werden. Foto: Herbert Geßner

    Das bedeutet in der Praxis in Großbardorf, dass der Holzeinschlag 2018 zu 71 Prozent aus Käferholz bestand und dass in diesem Jahr wahrscheinlich 100 Prozent Schadholz anfällt. "Die Gemeinde betreibt intensive Borkenkäferbekämpfung, seit Sommer 2018 gab es vier Harvester-Durchgänge", berichtete Geßner. Der nächste Einsatz ist im August geplant. Das Holz wurde zügig durch Holzkäufer abgefahren, käfertaugliches Restholz wurde gehäckselt. Parallel dazu wurden Kahlflächen aufgeforstet, in den letzten zwei Jahren wurden 12.550 Pflanzen gesetzt.

    Waldumbau ohne Fichte

    Die Teilnehmer erfuhren, wie der Wald nach und nach in einen klimatoleranteren Mischwald umgebaut wird, was Unterpflanzungen sind und warum Brombeeren und Himbeeren als Konkurrenzpflanzen im lichten Wald bekämpft werden. Dass die Fichte hier keine Zukunft hat, wurde klar und dass die Douglasie den Mischwald ergänzen kann. Die Douglasie habe sich bewährt, bisher gab es keine Probleme mit Trockenheit und Borkenkäfern, berichtete Geßner. Schwierigkeiten gibt es mit den Eschen, wie an einer Abteilung gezeigt wurde. Das Eschentriebsterben hat zu Ausfällen geführt.

    Bewusstsein schärfen

    Nach der Rundfahrt gab es einen Ausklang mit Brotzeit und Getränken am Feuerwehrhaus, wo noch lange diskutiert wurde. Bürgermeister Demar bedankte sich bei den Forstleuten für die spannende Führung und bei den jugendlichen Teilnehmern für ihr Durchhaltevermögen. Man müsse das Bewusstsein schärfen für die derzeitigen Probleme des Waldes, sich den Problemen stellen und alles dafür tun, um den Nachkommen einen intakten, stabilen Wald zu hinterlassen, so Demar.

    Ein Teilnehmer gab zu bedenken, dass die Menschen am Klimawandel nicht ganz unschuldig seien und dass man mit einem umweltfreundlicheren Lebensstil einen kleinen Teil zum Schutz der Natur beitragen könnte. Demar bedankte sich beim AELF für die engagierte Betreuung, besonders beim Revierleiter Geßner, der den Großbardorfer Wald schon seit 30 Jahren mit viel Herzblut bewirtschaftet.

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