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    Mellrichstadt

    Der große Waschtag: Das war früher Schwerstarbeit

    Rudolf Mauder baute verschiedene Stationen mit unterschiedlichen Geräten auf, an denen die Schulkinder das Wäsche waschen früherer Zeiten ausprobieren konnten, aufmerksam beäugt von den Senioren des Niklasheimes. Foto: Brigitte Gbureck

    Zunächst kamen am Montagmorgen Lehrerin Christine Baierle mit ihrer Klasse 3a der Malbach-Grundschule und dann die Senioren des Niklasheimes in den Fronhof, wo sie ein Waschtag der besonderen Art erwartete. Museumschef Rudolf Mauder wollte den Schülern erzählen, wie das früher so war und die Senioren sollten beobachten, ob er alles richtig macht.

    Heute geht das Waschen mit der Waschmaschine per Knopfdruck, wussten einige Schüler, und mit dem Wäschetrockner geht alles sehr schnell. Wäsche waschen war früher die mühevollste Arbeit der Hausfrau, begann Rudolf Mauder. Dazu brauchte es zunächst mal Wasser, das wurde mit Eimern vom Brunnen geholt. Es musste vielleicht fünfmal hin und fünfmal zurückgegangen werden, bis die Wäscherin genügend Wasser hatte, da legte sie locker mal zwei Kilometer zurück, davon die Hälfte mit schweren Eimern. Das durften die Kinder gleich mal zu zweien nachvollziehen, damit nichts überschwappt, und den großen Waschkessel füllen. Von unten wurde dann der Kessel angeschürt. Ein Mädchen durfte das Ganze anzünden und schon stieg weißer Rauch aus dem Ofenrohr.

    Schon am Sonntag nach dem Mittagessen hat seine Mutter gesagt: „In der kommenden Woche habe ich große Wäsche“, fuhr Rudolf Mauder fort, er musste zwei Körbe mit Holz machen, die Mutter hat angefangen, die Wäsche zu sortieren in weiße und Kochwäsche, in bunte Wäsche und in Wollsachen. Ein weiteres „Häufle“ war die Arbeitskleidung des Vaters. Am Sonntagabend wurde die weiße Kochwäsche in den Waschkessel gelegt, Wasser und Waschpulver waren schon drin, der Schmutz konnte über Nacht schon aufweichen. „Gut geweicht ist halb gewaschen“, hieß damals ein Spruch.

    Am nächsten Tag in aller Frühe hat die Mutter als allererstes den Waschkessel angeschürt und immer wieder nach dem Feuer geschaut. Das Wasser war kochend heiß. Wie die Wäsche aus der heißen Lauge herausgeholt wurde, führte Rudolf Mauder mit einer Holzzange praktisch vor. Die Wäsche wurde auf einen Waschtisch gelegt, Wasser daneben gestellt, und dann wurde mit Wasser und Bürste die Wäsche bearbeitet, jedes einzelne Wäschestück. Dabei ging (früher) der ganze Vormittag drauf.

    Als er ein kleiner Bub war, erinnerte er sich, hatten sie keine Waschküche. Die Mutter musste im Freien die Wäsche waschen. Im Winter hat sie als erstes den Schnee weggekehrt und den Christbaum klein geschnitten und sich auf das Reisig gestellt. Dann hat sie die Wäsche gebürstet. Für ihn war das unheimlich interessant. Er hat zugeschaut, wie Schneesternchen auf die Wäsche gefallen sind, das sei richtig aufregend gewessen. Dann hat er Mutters Hände angeschaut. Sie konnte die Bürste gar nicht mehr richtig halten, weil die Hände blau und rot vor Kälte waren. Später gab es ein Waschbrett, das erst durch die Flüchtlingsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg hierher kam. Der Vater hatte dann einen Wäschestampfer zur Erleichterung mitgebracht, es war aber immer noch anstrengend.

    Mittagessen gab es an solchen Tagen keines. Als er aus der Schule kam, musste er erst mal die Wäsche stampfen, während die Mutter das Essen aus Resten der letzten Tage zubereitet hat, alles kam in einen Topf, habe fürchterlich ausgeschaut, aber trotzdem brauchbar geschmeckt. Später kam eine Handwaschmaschine zum Einsatz, die Wäsche wurde in eine Trommel gelegt und die Maschine von Hand gedreht.

    Im Fronhof wurden jetzt erst mal Stationen aufgebaut, damit die Kinder die vorher erzählten Schritte nachvollziehen konnten. So zum Spaß war das ja ganz amüsant, was früher schweißtreibende Arbeit war.

    Irgendwann war die Wäsche sauber, dann musste sie ausgewrungen werden, auch das war wieder eine Schinderei. Aus einem Museum hatte Rudolf Mauer eine fast antike Wäschepresse stehen, die nun mit nasser Wäsche gefüllt wurde. Zwei Mädels drehten eifrig, bis das Wasser raus plätscherte. Die Kinder waren begeistert. Mit ihrer Lehrerin hängten sie dann die Wäschestücke auf die Leine. Eine Seniorin macht darauf aufmerksam, dass die Wäsche eigentlich noch einmal hätte gespült werden müssen.

    Die Wäsche musste dann aber noch gebügelt werden. Ein ganz kleines Eisen wurde auf den Herd gestellt, bis es heiß wurde. Später gab es ein Bolzenbügeleisen, das innen einen heißen Bolzen hatte, der vorher auf der Herdplatte lag. Schließlich kam auch ein Bügeleisen zum Einsatz, das mit Holzkohle gefüllt wurde.

    Waschen war früher jedenfalls schwere körperliche Arbeit, die Hausfrau war fast eine Woche lang nur mit der Wäsche beschäftigt. Am Abend des Waschtages saß die Mutter am Küchentisch, hat den Kopf hängen lassen und die Hände auf dem Tisch liegen. „Kinder, geht heute mal allein ins Bett, ich bin so müde“, sagte Rudolfs Mutter damals. Heute hat sich unser Leben grundlegend geändert, fasste er es an diesem Vormittag zusammen. Christine Baierle bedankte sich dafür, dass die Klasse so viel gezeigt bekommen habe. „Danke, Herr Mauder“, riefen sie wie aus einem Mund. Rudolf Mauder dankte auch den Zaungästen aus dem Niklasheim, die alles genau verfolgt und sich auch an vieles erinnert hatten.

    Auch das Wassertragen war sehr anstrengend und erforderte Geschicklichkeit. Foto: Brigitte Gbureck
    Die Wäscheschleuder kann schon fast antik bezeichnet werden. Zwei Mädels legten sich mächtig ins Zeug, um das Wasser raus zu pressen. Foto: Brigitte Gbureck

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