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    Bad Neustadt

    Die 3000 Spione der DDR

    Steter Mahner des Unrechts in der einstigen DDR. Helmut Müller-Enbergs bei seinem Vortrag im Rhön-Gymnasium. Foto: Stefan Kritzer

    Geschichten über Spione aus dem wahren Leben sind meist weit weniger spektakulär als die von James Bond und Konsorten. Nicht jedoch, wenn Helmut Müller-Enbergs sie erzählt. Und diese Geschichten sind nicht aus der Feder eines Autors entstanden, sondern aus der Diktatur der einstigen Deutschen Demokratischen Republik. Die hatte nicht weniger als 3000 Spione, vornehmlich beim Klassenfeind Bundesrepublik untergebracht. Was die dort ausspionierten, erzählte Müller-Enbergs detailreich und spannend vor Zehntklässlern des Rhön-Gymnasiums.

    Die Erinnerung ist wichtig

    Ein kleines Jubiläum galt es eigentlich zu feiern. Doch Helmut Müller-Enbergs ist die Sache, sprich, die Darstellung der Geschichte der DDR und die Erinnerung daran viel zu wichtig, um unbedeutende Jubiläen zu begehen. Zum 20. Mal kam der Politikwissenschaftler und Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin zu einem Vortrag ins Rhön-Gymnasium, wo er von Lehrer Hartmut Brunner begrüßt wurde. Ein Dankeschön gab es auch für die Freunde und Förderer des Rhön-Gymnasiums, die Vorträge Müller-Enbergs in der Schule ermöglichen. Der Vortrag dient als Vorbereitung auf die baldige Berlinfahrt der 10. Jahrgangsstufe.

    Helmut Müller-Enbergs, Jahrgang 1960, wird nicht müde, auf das Unrechtsregime der DDR knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall aufmerksam zu machen, die Erinnerung daran wach zu halten und vor allem junge Leute davon zu überzeugen, dass eine Diktatur immer die falsche Staatsform ist. An Beispielen, warum er dieser Meinung ist, mangelt es Müller-Enbergs nicht. Seit Jahrzehnten durchforstet der die erhaltenen Stasi-Unterlagen und deckt Fälle auf, die längst die Geschichtsbücher füllen. Eine solche Geschichte hatte er auch mit ins Rhön-Gymnasium gebracht.

    Der doppelte "Eberhard"

    Müller-Enbergs nennt ihn "Eberhard". Einen Mann zu Zeiten der DDR. Ohne Familie, aber richtig intelligent und geschickt. Die DDR suchte einen Doppelgänger für ihren Eberhard in der Bundesrepublik. Als dieser gefunden wurde, fand der Doppelgänger bald eine schöne Frau, was bei dem durchaus bescheidenen Aussehen des Hilfsarbeiters nicht wirklich einfach war, und einen schönen neuen gut dotierten Job in der DDR. Also ging dieser dorthin und Eberhard nahm seinen Platz in der Bundesrepublik ein. Ohne dass der Doppelgänger davon etwas wusste.

    Eberhard machte in Hamburg bald Karriere, wurde Referent des Vizepräsidenten einer internationalen Spedition, die unter anderem für Waffentransporte zwischen der USA und Europa zuständig war. Eberhard war ein Spion der DDR. Alles, was er in der Spedition erfuhr, und das war sehr viel, spionierte Eberhard aus. Bis sein Doppelgänger zurück in die Bundesrepublik wollte und der Schwindel aufflog. Doch selbst dann zogen nicht die Polizei und der Verfassungsschutz der Bundesrepublik die Fäden bei der Aufklärung des Skandals, sondern Eberhard.

    Helmut Müller-Enbergs stellte im Detail dar, wie perfide und ausgefuchst die DDR ihre Spione in Deutschland aufstellte. "Eine solche Geschichte wie die von Eberhard, kann man sich gar nicht ausdenken", sagte er. Die Schülerinnen und Schüler staunten ob der Geschichte Eberhards und weiterer DDR-Spione in Westdeutschland. Müller-Enbergs freute sich, seine Zuhörer wieder einmal mit der jüngeren Geschichte Deutschlands gefesselt zu haben. Ziemlich sicher wird er auch zu einem 21. Vortrag bald wieder im Rhön-Gymnasium zu Gast sein.

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