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    Saal

    Die Busse der Zukunft: klein, preisgünstig und oft unterwegs

    Elektrobusse wie die Nessi könnten den öffentlichen Nahverkehr in Rhön-Grabfeld vorwärtsbringen. Das ist ein Vorschlag im neuen ÖPNV-Allianz-Konzept beschreibt. Foto: Hubert Herbert

    Die Auftragslage war klar: Völlig frei von finanziellen Überlegungen sollte die Arbeitsgruppe der Grabfeldallianz  nach den Vorstellungen von Landrat Thomas Habermann das Projekt angehen und Vorschläge erarbeiten, wie die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrsim Grabfeld aussehen könnte. Was dabei herausgekommen ist, das präsentierte Sprecher Jürgen Heusinger im Beisein des Landrats bei der Lenkungsgruppen-Sitzung am Mittwochnachmittag in Saal. Als Basis diente der Gruppe die Ergebnisse einer Umfrage zum Themaunter Einwohnern von Grabfeldgemeinden.   

    Zum Einsatz kommen sollen eine Reihe von möglichst elektrisch betriebenen Neun-Sitzer-Busse, die  auf sieben Routen verkehren. Dabei gibt es den Vorschlag, Bad Neustadt als Elektromodellstadt durch einen Feldversuch mit Elektro-oder Hybridbussen einzubeziehen. Kristallisationspunkt für alle Routen ist die Tuchbleiche in Bad Königshofen, von wo aus dann andere Räume wie Bad Neustadt, Schweinfurt und Thüringen bedient werden. Die Fahrer sollten in Vollzeitstellen fest angestellt sein.

    Als besonders wichtig erachtete die Arbeitsgruppe mit Marlene Rudloff, Daniela Hauke, Silvia Schmitt, Stephan Helmrich, Jürgen Heusinger und Wolfgang Seifert auch eine Rufbereitschaft am Wochenende und eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit. Noch weiter in die Zukunft gerichtet ist der Vorschlag, eine Grabfeld-App zu erstellen, in der man eingibt, wann man von wo wohin fahren möchte. Die Verkehrsbetriebe könnten dann Routen zusammenstellen, die ein Bus dann anfährt. Natürlich müssen aber auch die Schulbuslinien erhalten bleiben.   

    Erste Ergebnisse werden bis Ende 2020 erwartet

    Landrat Thomas Habermann zeigte sich sehr zufrieden mit der Arbeit des Arbeitskreises. Sie liefere wertvolle Hinweise, wie es einmal werden soll. Das sei nur mit großer Bürgerbeteiligung zu machen. An der Umfrage hatten sich immerhin 440 Personen beteiligt. Allerdings betonte Habermann auch, dass man esnicht bei der reinen Bedarfsermittlung belassen dürfe. Ein Fortschritt sei nur zu erzielen über attraktive Angebote. Die auszuarbeiten wird jetzt die Sache des auf Dienstleistungen im öffentlichen Nahverkehr spezialisierten Planungsbüros kobra aus Kassel sein. Das alles soll in  Zusammenarbeit mit der Allianz-Arbeitsgruppe und dem Landkreis- ÖPNV-Beauftragten Ronald Ziegler passieren. Mit ersten Ergebnissen rechnet Habermann bis Ende 2020. Dies ist dann auch der Zeitpunkt, zu dem die meisten Bus-Konzessionen auslaufen, wie Ziegler ergänzte.

    Die Ergebnisse der Umfrage und der Beratungen des Arbeitskreises ÖPNV der Grabfeld-Allianz übergab Allianz-Sprecher Jürgen Heusinger bei der Lenkungsgruppensitzung an Landrat Thomas Habermann im Beisein von Stephan Helmrich (links), Wolfgang Seifert und Ronald Ziegler (rechts) sowie Projektmanagerin Silvia Schmitt. Foto: Regina Vossenkaul

    Welche Auswirkungen das alles mit sich bringen wird, darüber lässt sich jetzt nur spekulieren. Habermann jedenfalls ist der festen Überzeugung, dass sich der ÖPNV schon aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung mit mehr älteren und mobilen Menschen deutlich wandeln wird. Es gehe hier auch um das Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse. Um München herum gebe es beispielsweise ein dichtes und eng getaktetes Netz zu relativ günstigen Preisen.

    Das Grabfeld ist ideal zur Umsetzung des Modellprojekts 

    Danach müsse auch für den ländlichen Raum eine Verdichtung des Netzes mit engerer Vertaktung von kleineren Fahrzeugen möglich sein, so Habermann. "Ein großer Bus, der mit 25 Litern Diesel leer durch die Gegend fährt, muss uns doch auf den Keks gehen." Um dies zu ändern, bedürfe es aber der staatlichen Finanzhilfe, betonte  der Landrat und erinnerte an den Vorschlag von Ministerpräsident Markus Söder, ein Jahresticket für 365 Euro anzubieten. Das mache aber nur dann Sinn, wenn das Angebot entsprechend attraktiv gestaltet ist und deutlich mehr Einwohner als jetzt dazu animiere, es anzunehmen. Das Projekt könne jedenfalls nirgendwo so gut umgesetzt werden wie im Grabfeld.