• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Die Glosse: WLAN auf dem Kreuzberg

    Der Kreuzberg ist ein Hotspot. Nicht nur für durstige Seelen, sondern auch für Smartphone-Nutzer. Eine ausbaufähige Entwicklung nimmt ihren Lauf.
    Ein Glaskrug macht noch kein Glasfaser: Aber das WLAN hat Einzug gehalten auf dem Kreuzberg. Foto: Gerhard Fischer

    "Na endlich!", denkt sich der Rhönkauz. Das Jahr 2019 ist rum! Viel zu heiß im Sommer war es, viel zu trocken dazu und dann dieser ewige Nebel seit Ende Oktober! Wer braucht solche Jahre? Und dann diese ganzen seltsamen Neuigkeiten, die sich so ereignet haben! Mit ins neue Jahr genommen hat der Rhönkauz die Meldung, dass der Landkreis für teures Geld sämtliche Kreisstraßen hat überprüfen lassen, um eine fast schon wissenschaftlich fundierte Liste des Sanierungsbedarfs zu erhalten.

    Die schlimmsten Schlaglöcher

    Dabei hätte es der Landkreis doch viel billiger haben können. Wenn einer den Zustand der Straßen in Rhön-Grabfeld kennt, dann der scheidende Landratsfahrer Herbert Rösch. Der weiß doch am besten, wo die schlimmsten Schlaglöcher die Federung malträtieren. Auf dem kurzen Dienstweg wäre die Prioritätenliste praktisch honorarfrei geritzt!  

    Mächtige Bauten

    Was hat sich der Rhönkauz noch so gemerkt? Ja, das mit dem riesengroßen weißen Quader, der seit 2019 das Erkennungszeichen der Stadt ist. Das Hochregallager von Kunert Wellpappe ist wirklich beeindruckend in seiner gewaltigen Schlichtheit. Damit hätte man wahrscheinlich auch das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld einhausen können wie einen Sarkophag.

    Aber der Rhönkauz will keine geschmacklosen Bilder im Innern der Leserinnen und Leser provozieren. Er freut sich vielmehr, dass es jetzt offenbar auch auf dem Kloster Kreuzberg WLAN gibt.  Das heißt natürlich, dass es für versprengte Wallfahrer keine Ausrede gibt à la "Schatz, freilich wollte ich eher zurück sein, aber das Handy hatte im Empfangsloch keine Uhrzeit mehr angezeigt".  

    Eine Halbe, wenn der Papst twittert

    Mit WLAN wird die Kreuzberg-Gastronomie sogleich noch viel weiter in die Zukunft katapultiert, was den zukunftsweisenden Glaskrügen bisher nicht wirklich gelang. Menschen, die dem Rhönkauz bisher nicht sonderlich fromm aufgefallen sind, kommen plötzlich mit der Idee, im Gastraum bei einer Halben die neueste Twitterbotschaft des Papstes zu verfolgen, weil ja jetzt Internet-Empfang ist.       

    Gar träumen sie schon von einer Kreuzberg-App, mittels derer man sich einen Sitzplatz im bevorzugten Saal sichern kann. Hat nebenan schon ein schwitzender Mountainbiker gebucht, kann man noch rechtzeitig und nasenschonend umbuchen. Eine zusätzliche Webcam könnte auch Rückmeldung geben, ob die Schlange an der Biertheke gerade klein genug ist, um sich erneut für die flüssige Labsal anzustellen. Wahrscheinlich können Smartphones irgendwann noch den Alkoholspiegel messen und ordern automatisch ein Taxi.     

    Zweifel bleiben

    Der Rhönkauz weiß nicht, was er von all dem modernen Zeugs oben auf dem heiligen Berg der Franken halten soll. Jetzt, wo alle Welt die drahtlose Kommunikation sucht, fällt dem Rhönkauz wieder ein: Früher haben die Menschen solche Berge aufgesucht, um einen direkten Draht zum Herrgott zu bekommen.   

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!