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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Die Ohrwürmer des Wirtschaftswunders

    Diese drei Musiker sind seit langem ein eingespieltes Team und wissen, was ihren Zuhörern gefällt. Tenor Sebastian Köchig (links), Sopranistin Miriam Möckl und Pianist Michael Lörcher im Hofgarten des Schlundhauses Bad Königshofen. Foto: Silke Kurzai

    Endlich ging es wieder aufwärts. Das war das vorherrschende Gefühl Anfang der 50er Jahre in Deutschland, als der so gern als Wunder bezeichnete wirtschaftliche Aufschwung den Leuten die langvermisste Sicherheit und das Vertrauen wiedergab und sie hoffnungsvoller in die Zukunft blicken ließ. Mit ihren musikalischen Reminiszenzen holten die Aschaffenburger Sopranistin Miriam Möckl, der Nürnberger Tenor Sebastian Köchig sowie der Pianist Michael Lörcher, Dozent an der der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen, die Stimmung der Zeit in den vollbesetzen Hofgarten des Schlundhauses.

    Schlager aus der Jugendzeit

    Es waren nicht nur, aber zumeist ältere Semester unter den rund 100 Zuhörern und die freuten sich spürbar auf die Schlager und Filmmelodien ihrer Jugendzeit. Die drei Ausführenden sind dem Königshöfer Publikum seit langem wohlvertraut. Jedes Jahr begeistern sie aufs Neue mit ihren Arrangements, Ohrwürmern, die mitreißend sind und gute Laune verschaffen. Das war auch an diesem Freitagabend nicht anders.

    Sehnsucht nach Italien

    Neben dem Optimismus, der damals vorsichtig Einzug hielt, war es vor allem die Sehnsucht nach fernen Ländern, die die Menschen erfüllte. Traumziel Nummer eins war dabei Italien, zum ersten Mal wurde damals für viele eine Reise ans Mittelmeer sogar mit dem eigenen Auto möglich. Peter Alexander, Vico Torriani, Mario Lanza besangen das italienische Flair, nach dem sich ganz Deutschland sehnte.

    Freddy Quinn und Hans Albers dagegen holten mit ihren Seemannsliedern die große weite Welt in die Wohnzimmer. Wobei, wie Sebastian Köchig seinem Publikum augenzwinkernd verriet, „La Paloma“ ein Song sei, der schon Ende des 19. Jahrhunderts entstand, aber eben in den 50er Jahren genau den Geschmack der deutschen Zuhörerschaft traf.

    Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe

    Das galt auch für Melina Mercouris „Ein Schiff wird kommen“ und Nana Mouskouris „Weiße Rosen aus Athen“ oder Catharina Valente, die mit ihrem Song „Ganz Paris träumt von der Liebe“ die Herzen höher schlagen ließ. Trotzdem waren es nicht nur die Lieder von Fernweh und Liebe, die die Sehnsüchte der Zeit bestimmten. Es ging oft auch erstaunlich witzig zu. Schönes Beispiel dafür ist Bill Ramsey, der als GI nach Deutschland kam und hier heimisch wurde. Wer kennt nicht sein Lied „Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe“ oder die Geschichte der krimisüchtigen Mimi Ähnlich erheiternd war der Badewannentango, mit dem Peter Alexander die Zuhörer zum Lachen brachte.

    Besucher sangen leise mit

    Alle diese Songs und mehr trugen Miriam Möckl und Sebastian Köchig mit viel Temperament und Mimik gekonnt vor. Michael Lörcher war wie immer ein perfekter Begleiter am Klavier. Die Besucher, man spürte es, waren häufig versucht, wenigstens leise mit einzustimmen: Ohrwürmer eben. Bereitwillig ließen sich alle im Hofgarten um etliche Jahrzehnte zurückversetzen: Die drei Musiker hatten mit ihrem Programm auch diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Mit dem schmetternden Chianti Lied wurden die Zuhörer schließlich in die laue Sommernacht entlassen.

    skz

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