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    Bad Neustadt

    Die wundervolle Zeit am Meininger Theater

    Siggi Seuß, Autor der Theater-Serie "Zeit der Wunder", präsentiert das im Meininger Verlag Resch erschienene Buch im Englischen Garten vor dem Meininger Staatstheater. Foto: Ralph W. Meyer

    Zeit der Wunder – ein großes Wort, das Siggi Seuß als Titel für sein Buch über die Jahre 1990 bis 2001 am Meininger Theater gewählt hat. Es ist die Zeit der Intendanten Ulrich Burkhardt und Christine Mielitz. Zeiten des Aufbruchs, wie es in er Unterzeile heißt, waren es aber auf jeden Fall. Jahre, die Siggi Seuß als Journalist begleitet hat. Wie der heutige Intendant Ansgar Haag im Vorwort schreibt, ist kein Journalist über die Jahre hinweg dem Theater näher gekommen.

    Für Seuß, der seit der Wende bis heute kontinuierlich über das Theater im benachbarten Thüringen berichtet, ist dieses Buch so etwas wie eine Abschlussarbeit. Klingt endgültig, ist es aber nicht. Natürlich will Seuß auch weiterhin als Rezensent über neue Inszenierungen berichten. Nur diesen intensiven Blick hinter die Kulissen, für den Seuß bekannt ist, den wird er nicht mehr tun. Da hofft der inzwischen 68-jährige Journalist auf jüngere Kollegen.

    Ab 2015 unterwegs

    So wie er es eben getan hat, als er sich ab 2015 auf den Weg zu Theatermenschen machte, die in der Zeit nach der Wende, in der Zeit des Aufbruchs, am Meininger Theater tätig waren. Die diese Zeit miterlebt haben und sie für eine gewisse Zeit mitgestalteten. Was Seuß bekommen hat, sind 21 Porträts von Menschen, die ihren ganz persönlichen Blick auf die damaligen Jahre präsentieren.

    Zwei Jahre lang war der Autor dafür unterwegs. Die Ergebnisse seiner Gespräche veröffentlichte er unter anderem nach und nach als Serie in der Main-Post. Jetzt hat Siggi Seuß alle 21 Reportagen in seinem Buch „Zeit der Wunder“ zusammengefasst. Einmalige Dokumente der Meininger Theatergeschichte, die aus den Erfahrungen der Mitarbeiter des Hauses in der Nachwendezeit entstanden sind, wie Ansgar Haag findet.

    Wohin der Weg führte

    Und nicht nur das. Neben all dem, was die 21 Frauen und Männer aus ihrer eigenen Zeit am Theater erzählen, ist es genauso interessant zu sehen, wohin sie ihre Karrieren verschlagen haben. Da ist beispielsweise der junge Mann, der sein erstes Engagement in Meiningen antrat und inzwischen als Dortmunder Tatort-Kommissar bekannt ist. Aber auch der Regisseur, der jetzt als Museumswärter im Hygienischen Museum Dresden damit beschäftigt ist, das Richtige im richtigen Moment zu tun. Die ehemalige Intendantin Christine Mielitz kommt ebenso zu Wort, wie die damalige Meininger Stammschaupielerin, die 2015 ihre Theaterlaufbahn als Souffleuse beendete.

    Es waren bewegte Jahre, die die Reportagen von Seuß widerspiegeln. Ob es eine Zeit der Wunder war, muss jeder für sich selbst bewerten. Wunderbar ist auf jeden Fall, dass wir dieses Theater in nächster Nachbarschaft in Meiningen haben. Und dass uns Siggi Seuß die Arbeit dort näher gebracht hat – oft mit viel Herzblut, manchmal auch mit eher wässriger Tinte, wie er selber sagt.

    Zeit der Wunder, Siggi Seuß, Verlag Resch, Meiningen, 136 Seiten, gebunden, 17.80 Euro  

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