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    OSTHEIM

    Drei Jahrhunderte Lust auf Bier

    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So ist es auch beim Jubiläumsfest zum 300-jährigen Bestehen der Brauerei Streck in Ostheim an diesem Wochenende.

    Seit zehn Generationen ist die älteste Brauerei des Landkreises im Familienbesitz, aktueller Chef ist Axel Kochinki. Der hatte wenige Tage vor dem großen Festwochenende insbesondere seine Rotarier-Freunde in die Brauerei eingeladen. Nicht nur Spenden an die Rotarier-Clubs in Meiningen, Schmalkalden und Bad Kissingen wurden übergeben. Auch die druckfrischen Exemplare der Firmenchronik wurden vorgestellt.

    Orts- und Kulturgeschichte

    Firmenchronik ist dabei schon der falsche Begriff. Denn die Autoren Dr. Kai Lehmann und Georg Seiler haben eine spannende Chronik geschrieben, die Firmengeschichte, Familienhistorie sowie Orts- und Kulturgeschichte der drei Jahrhunderte zu einem Lesegenuss vereint.

    Davon konnten sich rund 100 Gäste bei einer ganz besonderen Brauereiführung überzeugen. Auch Landrat Thomas Habermann und sein Ex-Kollege Ralf Luther aus Meiningen waren zugegen. In den alten Braukellern waren schon die informativen Tafeln aufgestellt, die am Festwochenende zu sehen sein werden und die wichtige Ereignisse der Firmengeschichte darstellen.

    Der Schmalkaldische Bierstreit

    Lehmann, unter anderem Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, stellte vergnüglich und beredt einige Ausschnitte aus dem 150 Seiten starken Buch vor. Der Schmalkaldische Bierstreit wurde erwähnt und die vergeblichen Bemühungen, in Ostheim ein kommunales Brauhaus zu etablieren. Die Bürger wehrten sich erfolgreich dagegen, das Brauwesen auf diese Weise zu zentralisieren. Die Angst, wegen steigender Preise müssten sich die Ostheimer „ans Wassertrinken gewöhnen“, stieß bei der Obrigkeit auf offene Ohren.

    Bürokratie als Sozialpolitik

    Lehmann und sein Kollege Seiler fanden in den Archiven interessante Einträge. So ist von der Hochzeit des Brauereigründers Peter Streck und der späteren Taufe des ersten Kindes detailreich überliefert, wie viele Gäste zur Taufe zugelassen waren, wie lange die Feierlichkeiten dauern durften und wie groß die Kapelle zu sein hatte. „Das war keine bürokratische Gängelei. Das war auch Sozialpolitik, denn die Behörden wollten verhindern, dass sich Paare oder Eltern übermäßig verschuldeten für solche Feiern“, erklärte Lehmann dem staunenden Publikum. Denn gefeiert hat man in den vergangenen Jahrhunderten gerne. Erstaunlich auch, dass zur Gründungszeit der Streck-Bräu beinahe jeder zehnte Haushalt Schnaps brannte, weswegen gar die Kornpreise stiegen, leider auch für das Bäcker-Korn.

    Aufräumen mit falschen Vorstellungen

    Lehmann räumte in seinem Vortrag auch auf mit der Vorstellung, in früheren Jahrhunderten hätte es nur eine Lebenserwartung von rund 50 Jahren gegeben. Tatsächlich wurden Menschen durchaus 80 Jahre alt, allerdings war die Kindersterblichkeit erheblich höher. Wer also diese „kritischen“ Jahre der Kindheit überstand, der hatte durchaus eine hohe Lebenserwartung. Und Historiker Lehmann hat aus dem Meininger Archiv gleich die 73-Jährige gefunden, die wegen Hurerei und Ehebruchs verurteilt wurde, sowie den 82-Jährigen, der nach der Zechtour vom Pferd stürzte. Viel zu schmunzeln und zu staunen gab es also für das Publikum im Braukeller, der auch mit verschiedenen Vitrinen bestückt wurde.

    Viele Episoden der Geschichte

    Erst die fünfte Generation unter Georg Christoph Streck errichtete ein Brauhaus in der Marktstraße 1, zuvor war das Metzgerhandwerk der Haupterwerb. Eine rührende Episode gibt es noch aus den Kriegsjahren. Bei der Ostheimer Streck-Bräu war ein belgischer Kriegsgefangener untergebracht. „Der Mann wohnte im Hause Streck. Es wurde moniert, dass der Kriegsgefangene in einem Zimmer ohne vergitterte Fenster untergebracht war“, gab Seiler wieder. Dabei fuhr der Kriegsgefangene mit dem Laster Bier aus und war allseits beliebt.

    3500 Euro an Spenden

    Mit viel Applaus jedenfalls wurde der Vortrag der beiden Historiker bedacht. Beifall gab es auch für eine Spende von Brauereichef Axel Kochinki über 3000 Euro an die drei Rotary-Clubs in Meiningen, Schmalkalden und Bad Kissingen, die einem wohltätigen Zweck zukommen. Auch bei der Lichtenburggemeinde in Ostheim freut man sich über eine 500-Euro-Spende.

    Jubiläumsfest der Streck-Bräu

    Der Samstag und Sonntag steht in Ostheim ganz im Zeichen des Firmenjubiläums der Streck-Bräu, die in diesem Jahr 300 Jahre alt ist. Der Samstag beginnt um 17 Uhr mit einem Sternmarsch zum Brauereigebäude mit anschließendem Anstich des 500-Liter-Freibierfasses.

    Konzerthighlight im Festzelt am Samstag ist um 19 Uhr der Auftritt des Rhöner Volksmusik-Trios Spilk, bevor ab 21 Uhr die Zillertaler Schürzenjäger einheizen.

    Am Sonntag lädt die Streck-Bräu zum zünftigen Weißwurst-Frühstück mit Klingend Blech ein. Ab 13 Uhr spielen dann Betörend Röhrend auf und es gibt Kabarett-Einlagen mit Fredi Breunig.

    An beiden Tagen gibt es eine historische Ausstellung zur Firmen-Geschichte zu sehen, für Kinder gibt es unter anderem eine Schießbude, Karussell und eine große Hüpfburg.

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