• aktualisiert:

    Kreuzberg

    Ein Zeichen gegen Gleichgültigkeit

    Die Menschen machten es sich auf der Wiese unterhalb des Neustädter Hauses zum Berggottesdienst gemütlich. Foto: Marion Eckert

    Das Wetter hätte schöner nicht sein können. Strahlender Sonnenschein, eine klare Fernsicht weit über die südliche Rhön hinaus, Vogelgezwitscher und eine herrliche Ruhe herrschten am Sonntagmorgen am Neustädter Haus. Nach und nach fanden sich mehr und mehr Menschen ein, teilweise hatten sie Decken und Liegestühle mitgebracht. Sie lagerten auf der Wiese mit dem Blick in Richtung Walddörfer. Noch war das Gras vom Regen des Vorabends etwas feucht doch unter den wärmenden Sonnenstrahlen war das schnell verflogen.

    "Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr", stimmten die Feuerbergmusikanten aus Langenleiten an, die unter den hohen Buchen im Schatten Platz genommen hatten. Sie waren zum Neustädter Haus gekommen, um den zweiten ökumenischen Berggottesdienst musikalisch mit ihren Liedern zu begleiten.  Gekommen waren auch die beiden Dekane aus Bad Neustadt Dr. Matthias Büttner von der evangelischen Kirche und Dr. Andreas Krefft von der katholischen Kirche. Gott selbst sei Gastgeber für diesen Gottesdienst inmitten der herrlichen sommerlichen Natur, so ihre Botschaft an die Menschen.

    Radfahrer und Wanderer kamen den steilen Weg herauf, blieben kurz stehen, lauschten und ließen die Kulisse auf sich wirken. Das Kreuz im Mittelpunkt der Wiese, die beiden Geistlichen im Zwiegespräch über Johannes den Täufer und in der Hinwendung zu den Menschen, die ihrerseits diese Stunde der Auszeit genossen.

    Das Jahr sei an einem Wendepunkt angekommen. Sommersonnenwende. Am Freitag war der längste Tag des Jahres. Von nun an werden die Tage wieder kürzer. In sechs Monaten ist Weihnachten und am Wochenende wurde das Geburtsfest von Johannes des Täufers gefeiert. Diesen "Vorläufer und Wegbereiter Jesus" haben die Dekane in den Mittelpunkt des ökumenischen Berggottesdienstes gestellt. "Johannes der Täufer hat mit seinem Leben und seiner Botschaft einen Wendepunkt angekündigt, dass Gott selbst kommt, dass Gott uns nahe ist, dass Gott sich unser und seiner ganzen Welt erbarmt", so führte Dekan Dr. Andreas Krefft in das Thema ein.

    Wie wäre das vor 2000 Jahren gewesen, wenn damals live über Johannes den Täufer berichtet worden wäre?, fragte Dekan Krefft.  Über diesen merkwürdigen Wanderprediger, der im Jordan, in der römischen Provinz Judäa für Aufregung sorgte, der die Flussgegend und die judäische Wüste durchstreifte und die bevorstehende Ankunft eines Retters ankündigte, den die Juden seit Jahrhunderten erwarteten. Die Bußfertigen pflegte er im Jordan unterzutauchen, um sie von Schuld zu befreien und zur Umkehr zu motivieren. Solche schrägen Typen seien die römische Besatzungsmacht gewesen. Der Täufer sei ihnen allmählich zu mächtig geworden, denn er habe sich nicht davor gescheut, die Mächtigen des Landes, wegen ihrer verkommenen Moral anzugreifen.

    "Wir fragen uns, was würde Johannes der Täufer heute anprangern?", fragte Dekan Krefft. "Bestimmt die Einschränkung der politischen und religiösen Freiheit, Korruption, Gewalt, Ungerechtigkeit und Armut, Klimawandel und Zerstörung der natürlichen Ressourcen. So kennen wir ihn, Johannes der Asket und Mahner."

    Dekan Büttner sprach über weitere Eigenschaften des Johannes, den er als eine Person kennzeichnete, der sich einer Sache ganz und gar verschrieben, ihr untergeordnet habe. Anfangs sei er wohl mit seinem Jüngerkreis eine Art Konkurrenz zu Jesus und seinen Anhängern gewesen. In einem Perspektivenwechsel, der perfekt zur Wende mitten im Jahr passe, habe sich Johannes selbst zurückgenommen und über Jesus gesagt: "Er muss wachsen und ich muss kleiner werden. Er ist es, dem ihr folgen sollt." "Seine Bescheidenheit und Demut ist bewundernswert", betonte Krefft.

    Johannisfeuer, die um die Mitsommerzeit vor allem in den Bergen gerne angebrannt werden, seien hierfür ein schönes Symbol, einerseits für Christus das Licht der Welt, dem Johannes vorging und für ihn selbst, sein Entflammtsein, seine Liebe und Leidenschaft.

    "Dass Johannes für etwas brennt ist genau das Gegenteil von Gleichgültigkeit", hob Dekan Büttner hervor. "Das Schlimmste in unserer Zeit ist die Gleichgültigkeit. Wenn alles gleich gültig ist, dann ist alles gleich ungültig. Ich finde es wichtig, dass wir für etwas stehen und dass wir etwas wollen. Dafür ist Johannes uns ein Vorbild, dass er, obwohl er für etwas brennt nicht Maß und Ziel verliert. Es ist gut, für etwas zu brennen und zu stehen und ebenso nötig, immer wieder die Perspektive zu wechseln und die des Gegenübers einnehmen und die Dinge aus seinen Augen betrachten und dabei den Geist der Liebe nicht aus den Augen zu verlieren."

    Erst wandern, dann singen und beten. Der Berggottesdienst am Neustädter Haus lud zum Verweilen in der Natur ein. Foto: Marion Eckert
    Zweiter ökumenischer Berggottesdienst am Neustädter Haus mit Dekan Dr. Matthias Büttner und Dekan Dr. Andreas Krefft. Foto: Marion Eckert