• aktualisiert:

    REYERSBACH

    Ein halbes Dorf wird Raub der Flammen

    Der Enkelin des Dorfschultheiß, Barbara (Madeleine Roßhirt - links) und seiner Tochter Sabine (Ann-Kristin Roßhirt) hat ... Foto: Klaus-Dieter Hahn

    Wir schreiben das Jahr 1797: Das Gedankengut der Französischen Revolution verbreitet sich in Deutschland, in England wird die Dampfmaschine erfunden, die deutschen Dichterfürsten Goethe und Schiller leben und wirken in Weimar. 1797 ist auch bedeutsam für die Geschichte von Reyersbach: In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1797 wird das halbe Dorf ein Raub der Flammen. Dieser Großbrand bildet den historischen Hintergrund für das Theaterstück „Der alte Schulmeister“, das im Rahmen des Dorffestes gleich zweimal aufgeführt wurde.

    Das Anwesen von Jochen Menninger stellte dafür das passende Ambiente. Mit dem Fachwerkhaus, der alten Scheune und den Nebengebäuden war der Rahmen geschaffen, um die vielen Besucher in das ausgehende 18. Jahrhundert hineinzuversetzen.

    Viel Liebe zum Detail

    Mit viel Liebe zu Detail und ausgefallenen Ideen hat Jochen Menninger peu a peu dieses Grundstück mit den alten Gebäuden wieder hergerichtet und geschmackvoll ausgestattet. Die Besucher kamen aus dem Staunen kaum heraus. Da das Geschehen sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch in und vor den angrenzenden Nebengebäuden abspielte, fühlten sich die Zuschauer „mittendrin im Stück“.

    Autor, Regisseur und Schauspieler Manfred Stumpf, der den „alten Schulmeister“ meisterlich interpretiert, hat rund um den riesigen Großbrand eine kleine Geschichte gestrickt. Da ist zum Einen der Ortsvorsteher und Dorfschultheiß Peter Johannes, der für das Dorf verantwortlich ist und daher anordnet, dass jeder Haushalt einen Eimer Wasser zum Brandschutz vor die Türe zu stellen hat. Jürgen Roßhirt spielt den Schultheißen meisterlich – mal aufbrausend, mal diplomatisch, mal spitzbübisch, mal großväterlich.

    Überzeugende Schauspielkunst

    Dass der inzwischen im Armenhaus wohnende Bastian Hartung im gesamten Dorf herumgereicht wird, wo er gegen Arbeit Nahrung und Unterkunft erhält, ist für Tochter Sabine (Ann-Kristin Roßhirt) und Enkelin Barbara (Madeleine Roßhirt) nicht hinnehmbar. Den beiden ist anzusehen, dass sie die Schauspielergene von ihrem Vater geerbt haben. Ihnen macht das Agieren auf der Bühne sichtlich Spaß. Auch Manfred Stumpf fühlt sich als Bastian Hartung pudelwohl „auf den Brettern, die die Welt bedeuten“.

    Der alte Schulmeister testet das Wissen seiner ehemaligen Schülerinnen Sabine und Barbara und ist am Ende sehr angetan von deren Leistungen. Umgekehrt ist Bastian Hartung auch für die beiden Damen ein Sympathieträger, der nach „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ lechzt und gegen den Adel aufbegehren möchte.

    Eingebildeter Gimpel

    Ganz anders da der neue Schulmeister, prächtig dargestellt vom jungen Paul Schmid, dem „eingebildeten Gimpel“, der in seinem Unterricht Zucht und Ordnung predigt und nach Ausbruch des Großbrandes lieber aus gesicherter Entfernung das Drama schriftlich dokumentiert, als anzupacken und sich in die Gruppe der Löschenden einzureihen.

    Und da ist ja noch der Nachtwächter, den Christian Schlereth mit militärischer Disziplin und kräftiger Stimme darstellt. Er entdeckt als erster den Brand und alarmiert die Bevölkerung. Zwar reagiert man im Dorf schnell. Doch auch die Feuerwehrmänner mit ihrer Spritze (Elena Schmid und Laura Kreuzau) können gegen die Feuersbrunst, die durch ungünstige Winde noch angeheizt wird, nur wenig ausrichten.

    Jedes Jahr ein Brandamt

    Am Ende ist das ganze Unterdorf mitsamt Armen- und Gemeindehaus sowie Kirche abgebrannt. Dass wenigstens das das Brauhaus steht noch, ist nur ein schwacher Trost. Als der totgeglaubte Bastian Hartung mit den von ihm geretteten Gemeinderechnungsbüchern rußverschmiert, aber gesund und munter auftaucht, sind alle glücklich und wollen den Wiederaufbau anpacken. Dorfschultheiß Peter Johannes gelobt, alljährlich ein Brandamt halten zu lassen, das es auch heutzutage noch gibt.

    Brausender Applaus ist am Ende der verdiente Lohn für das engagierte Theaterteam auf und neben der Bühne, das durch Souffleuse und Mit-Regisseurin Annelore Stumpf sowie Anja Johannes (Maske) vervollständigt wird.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!