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    BAHRA

    Ein idyllisches Dorf und sein Aufbruch in die Zukunft

    Das große Abschlussfoto vereinte am Schützenhaus noch einmal alle Ehemaligen und deren Gastgeber, die zur Jubiläumsfeier „1000 Jahre Bahra“ gekommen waren. Foto: Fred Rautenberg

    Es werden um die fünfzig gewesen sein, die dem Ruf der Stadt gefolgt waren: Ehemalige Bahraer und ihre Angehörigen waren gekommen, um an den Feierlichkeiten zum tausendjährigen Bestehen von Bahra teilzunehmen. Nach dem Festakt am Freitagabend (wir berichteten) setzte sich das Festprogramm am Samstagnachmittag fort.

    Am Kirchplatz wurden die Gäste von Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit und dem Ortssprecher von Bahra, Karl-Heinz Kirsch, begrüßt. Vom leitenden Baurat Paul Lorenz Kraus erfuhren die Besucher, wie sich der Kirchplatz von einer Problemzone zum Schmuckkästchen gewandelt hat, welche Probleme dabei auftraten und wie sich auch die Bahraer in die Gestaltung einbrachten.

    Kraus gab das Mikrofon weiter an Eva Maria Warmuth, die Künstlerin, die den Brunnen auf dem Platz mit dem Landschaftsrelief von Bahra gestaltet hat. Sie erzählte, mit welcher Technik sie gearbeitet hat, dass jeder Bahraer auf dem Relief sein Haus wie auf einer Landkarte finden könne und dass umgebende Geländeformationen maßstabsgetreu nachgebildet seien. Sie sprach auch von der Zusammenarbeit mit ihrem Bildhauerkollegen Dietmar Balling aus Mellrichstadt, der die Wand neben dem Brunnen mit der Landschaftssilhouette aus Eisen gestaltet hatte.

    Streit wandte sich noch einmal an den Baurat mit der Bemerkung: „Es ist Zeit, dass wir richtig Frieden mit ihnen schließen“ und ließ damit erkennen, dass die Bahraer wohl oft genug einen eigenen Kopf hatten und dass Kraus viel Überzeugungsarbeit leisten musste, bis eine alle befriedigende Lösung gefunden wurde. Ortssprecher Kirsch sprach der Stadt den Dank aller Bahraer aus, denn Bürgermeister wie Stadtrat hätten für die Wünsche der Bahraer immer ein offenes Ohr gehabt.

    Dann lud er alle zu einem Gang zur nahen Kirche ein, denn auch dort gab es Maßnahmen im Zuge der Erneuerung des Kirchplatzes, so auch der barrierefreie Zugang.

    Wie am Vortag bot die Feuerwehr von Bahra den Shuttle-Verkehr hinauf zum Schützenhaus an. Dort, nicht im Festzelt, war die Kaffeetafel gedeckt, viele Helfer vom Festkomitee versorgten die Gäste mit Kaffee und Kuchen. Wer wollte, konnte die Bilderwände mit Erinnerungen an Alt-Bahra studieren und sich dabei von Julius Pregitzer, dem Dorfchronisten, informieren lassen. Erinnerungen wurden ausgetauscht, so mancher Treff mit Verwandten, die noch in Bahra wohnen, stand an. So wurde aus dem Treffen ein echter Familiennachmittag.

    Viele der Ehemaligen hat es im Leben nicht allzu weit weg von ihrem Heimatort gezogen, sie blieben im Landkreis. Gründe für den Wegzug waren meist Heirat oder Beruf. Einige kamen aber von weit her. Aus Karlsruhe, aus Lippstadt in Ostwestfalen oder wie Biker-Fan Detlef Arns mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Türpitz aus Aachen. Arns möchte der ganzen Bikergemeinde den Tipp geben, einmal in Bahra am Kirchplatz eine Rast einzulegen und sich von der Idylle des Orts verzaubern zu lassen. Ihre 96 Jahre alte Schwiegermutter Lydia Rösler hatte Helga Rösler besucht. Dazu war sie aus dem fernen Geislingen an der Steige in Baden-Württemberg angereist.

    Baurat Paul Lorenz Kraus überraschte dann die Besucher. Er stand plötzlich hinter dem Mikrofon, hatte eine Gitarre in der Hand und sang Lieder in Mundart, mit Texten von ihm verfasst, mit denen er den langen Prozess der Flurbereinigung und der Ortserneuerung besang. Extra für diesen Tag hatte er gedichtet und komponiert. Alle Facetten der langwierigen Arbeit erfasste Kraus mit seinen Texten. „Schau ner hii!“ lautete einer der vier Titel, mit dem er sich über jene mokierte, die ständig und an allem an der Kirchplatz-Gestaltung herummäkelten – Rache eines kunstsinnigen Beamten, der nachträglich den widerborstigen Bahraern seinen Frust auf lustige Weise unter die Nase rieb?

    Kraus zeigte auch Bilder von der Flurbereinigung, wie sie nach und nach Gestalt angenommen hatte. Und, das bestätigte, dass der Baurat ein kunstsinniger Mensch ist, auch karikaturenhafte, aber schön ausgeführte Bilder, auch als Kalenderblätter, aus seiner Hand durften die Besucher zu ihrer Erheiterung sehen.

    Nach einem Fototermin vor dem Schützenhaus klang der Nachmittag mit gemütlichem Beisammensein aus. Wer wollte, konnte aber gleich sitzen bleiben bis im daneben liegenden Festzelt die „Partyvögel“ ab 21 Uhr zum zünftigen Gaudi-Abend aufspielten.

    Lydia Röser ist 96 Jahre alt, wie ihre Schwiegertochter Helga Röser (rechts) mitteilte. Diese war aus Baden-Württemberg angereist, um ihre Schwiegermutter wieder einmal zu besuchen. Foto: Fred Rautenberg

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