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    Eußenhausen

    Ein rauschender Junggesellenabschied

    Lädiert vom Junggesellenabschied: Mit gebrochenem Arm und einer Liebesbotschaft am Allerwertesten kommt Ferdinand nach einer rauschenden Sause nach Hause zurück. Im Bild (von links) Roland Göpfert, Gisela Beck, Manuela Schmitt, Günther Krines und Gerald Beck.  Foto: Simone Stock

    Günther Krines hat einfach ein goldenes Händchen: Der Chef der DJK-Laienspielgruppe in Eußenhausen hat mit der Auswahl des neuen Stücks mal wieder einen Volltreffer gelandet. Die Akteure bereiteten dem Publikum am Sonntag einen unvergesslich-heiteren Theaterabend im vollbesetzten Kulturheim. Das Publikum fieberte regelrecht mit bei einem Junggesellenabschied, der alles zu bieten hatte, was zu einer filmreifen Dramatik gehört: ein freches Lügenmärchen, feucht-fröhlicher Partyspaß, tränenreiche Eifersuchtsszenen und schließlich ein Happy-End.

    Am Premierenwochenende zeigten sich die Schauspieler in Bestform, fünfmal wird sich an den kommenden zwei Wochenenden noch der Vorhang im Kulturheim heben. Stets vor ausverkauftem Haus – die Nachfrage nach den Karten war immens. Insgesamt 1500 Zuschauer werden mit dem lustigen Dreiakter "Der Junggesellenabschied" vor Ostern bestens unterhalten.

    Eine Schwiegertochter muss her

    Als sich der Vorhang öffnete und Günther Krines alias Ferdinand Häuslein im weiß-blau-gemusterten Schlafanzug hochkonzentriert ein Bierkartenhäuschen baute, gab es schon die ersten Lacher. Umso mehr, als Sohnemann Manfred (Steffen Krines) das akribisch zusammengefingerte Haus mit Schwung zum Einsturz bringt. Weniger Elan zeigt der Filius darin, endlich eine Schwiegertochter ins Haus zu bringen. Dabei wünscht sich Mutter Paula (Gisela Beck) nichts sehnlicher, als Hochzeit zu feiern und Enkel zu hüten. Seit Jahren nervt sie Manni tagtäglich damit, dass er sich eine Frau aus gutem Haus suchen soll, die am besten auch noch ein bisschen Geld mitbringt.

    Paula (Gisela Beck, Mitte) ist fassungslos: Die Gartenhacke kann unmöglich ihr Geburtstagsgeschenk sein. Tamara (Sophia Göpfert), Manni (Steffen Krines), Ferdinand (Günther Krines) und Alfons (Roland Göpfert, von links) amüsieren sich köstlich.  Foto: Simone Stock

    Während Paula eine gute Partie für ihren Sohn will, ist Vater Ferdinand auf einen zünftigen Junggesellenabschied aus. Ohne Frauen mal wieder richtig abfeiern, davon träumen er und Kumpel Alfons Meister (Roland Göpfert) schon lange. Und zwar bitteschön, bevor man nur noch mittels Rollator zur feucht-fröhlichen Sause gehen kann. Also liegen auch die beiden Männer Manni in den Ohren, sich eine Freundin zu suchen, wohlwissend, dass sein vergnügliches Studentenleben damit ein Ende hat: "Männer kommen nicht in die Hölle. Männer heiraten."

    Geburtstagsgeschenk gesucht

    Erschwerend kommt hinzu, dass der 59. Geburtstag von Paula vor der Tür steht und Ferdinand - wie immer - kein passendes Geschenk für seine Gattin hat. Dabei hat Paula ihrer Freundin Betty (Manuela Schmitt) schon angekündigt: Wenn sie diesmal wieder eine Bratpfanne auspacken muss, wird sie Ferdinand damit eins überbraten. Sie gibt ihrem Mann einen Tipp, in der Hoffnung, dass er eine Kreuzfahrt auf der Aida bucht. Doch zum Stichwort Wasser fällt ihm nichts ein. Postbotin Anneliese (Elfriede Dietz) rät zu Seife, doch Kumpel Alfons bringt Ferdinand auf eine andere Fährte: Weil Paula gern im Garten werkelt, glauben die Männer, dass sie sich eine Regentonne wünscht. Zusammen mit Gartenhacke und Schneckenkorn ein tolles Geschenk, sind sich die Frauenversteher sicher. Sehr zur Gaudi der Frauen im Publikum, die ebenfalls spontan mit ein paar Geschenktipps aufwarteten.

    Der Frack stinkt nach Mottenkugeln, der Anzug ist viel zu klein: Ferdinand (Günther Krines, Zweiter von links) und Alfons (Roland Göpfert, Dritter von links) mit ihren Frauen Paula (Gisela Beck, links) und Betty (Manuela Schmitt, rechts) werden von Etepetete-Angelina (Michaela Gensler) abgekanzelt. Foto: Simone Stock

    Völlig überraschend soll sich dann aber doch noch Paulas größter Wunsch erfüllen: Manni zaubert eine Verlobte aus dem Hut. Tamara von Schönfeld (Sophia Göpfert) kommt auch noch aus reichem Haus, ihre Eltern wollen gar mit ihrem Privatjet zu Paulas Geburtstag kommen. "Stellt euch mal vor, wie die Nachbarn glotzen, wenn der im Hof landet", ist Paula begeistert. Doch die Freunde währt nicht lange: Wie kann man angesichts des hochkarätigen Besuchs Bude und Ehemann in so kurzer Zeit auf Vordermann bringen? Schließlich wollen sich die Häusleins und ihre Freunde angesichts der feinen zukünftigen Verwandschaft von ihrer besten Seite präsentieren.

    Urkomische Feier

    Es folgt eine zum Schreien komische Geburtstagsfeier, bei der Tamaras Mutter Angelina (Michaela Gensler) als völlig überkandidelte Gesellschaftsdame auftritt und ihr Mann Lanzelot, genannt Lotti (Gerald Beck), als ehemaliger Bundeswehr-Veteran alle Gäste strammstehen lässt. Und zur Krönung darf Paula den Porsche unter den Regentonnen auspacken, was ihr fast die Tränen in die Augen treibt.

    Statt Kreuzfahrt eine Regentonne - Ferdinand weiß, wie man Frauenherzen höher schlagen lässt. Im Bild (von links) Sophia Göpfert, Steffen Krines, Gisela Beck, Günther Krines, Manuela Schmitt, Elfriede Dietz, Michaela Gensler und Gerald Beck beim Theaterstück "Der Junggesellenabschied". Foto: Simone Stock

    Viel schlimmer kommt es für Paula und ihre Freundinnen, als die Männer eine Woche später endlich Junggesellenabschied feiern. Als Zwerge verkleidet, lassen es die Männer im Nachtclub in Bad Kissingen so richtig krachen. Zurück kommen sie mit einem gewaltigen Rausch, einem Filmriss – und Ferdinand mit einer verräterischen Liebesbotschaft an pikanter Stelle, die Paula auch sogleich entdeckt. Die Luft brennt im Hause Häuslein, während beim Publikum kein Auge trocken bleibt.

    Alles nur Theater

    Ein handfester Ehekrach und eine unbekannte Geliebte – wie kommt Ferdinand aus der Nummer wieder heraus? Nach heiterem Hin und Her erweist sich alles als Theater, das Sohn Manfred inszeniert hat, um seinen nervigen Eltern eins auszuwischen. Das Publikum hatte bei all den Wirrungen und Irrungen bis dahin viel zu lachen und belohnte die grandios aufspielende Truppe mit lang anhaltendem Applaus.