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    FLADUNGEN

    Eine Zeitreise in das Mittelalter

    Die Stadtführung durch Fladungen kam bei Einheimischen wie Gästen gut an. Foto: Franziska Sauer

    Eine Stadtführung der besonderen Art stand am Montagabend in Fladungen auf dem Programm. Die nördlichste Stadt Bayerns feiert in dieser Woche „800 Jahre Marktrecht“ und was liegt da näher, als eine Zeitreise ins Mittelalter. Stadtführer Bernhard Link führte die interessierten Gäste und Einheimischen durch die Geschichte und hatte immer ein passendes Sprichwort parat.

    Erstmals urkundlich erwähnt wurde Fladungen 789. Der wohl bedeutendste Schritt, besonders für die wirtschaftliche Entwicklung Fladungens, folgte 1218 mit der Verleihung des Markrechts. Überreste eines Viehmarktes findet man übrigens heute noch in der Stadt: den „Säumarkt“ in der Dr. Höffling-Straße. Hier standen einst Käufer „tief in der Kreide“, wenn die Händler ihnen ein „X für ein U“ vorgemacht hatten.

    1335 wurde Fladungen das Stadtrecht verliehen, so dass eine Stadtmauer gebaut werden durfte. Für damalige Verhältnisse ein fast unüberwindbares Hindernis, da mussten sich Eindringlinge schon etwas Besonderes einfallen lassen oder etwas „aus dem Hut ziehen“ (eine neue Sehne für den Bogen). Das ein oder anderem Mal kam sicherlich das „dicke Ende“ (Griff der Muskete als Schlagwaffe). Nur gut, dass man auch innerhalb der Stadtmauer „die Lunte roch“.

    Mit der Hygiene war es im Mittelalter nicht weit her. Dennoch gab es natürlich gewisse Maßnahmen zur Körperpflege, die in Fladungen in der heutigen „Badergasse“ stattfanden. Hier fühlte der Bader den Menschen „auf den Zahn“ oder befreite sie von „bösem Blut“ (Aderlass). Und wie so oft im Leben musste es auch im Mittelalter der Letzte ausbaden, denn seine Aufgabe war es, das Badewasser auszuschütten.

    Gut zu wissen, dass auch die Menschen im Mittelalter montags „blau machten“. Zumindest die Färber. Die legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Bad, in dem die Farbe in das Gewebe einwirken sollte. Montags wurde die gefärbte Wolle dann aus dem Bad genommen und an der Luft getrocknet. Die besondere Farbe, die damals verwendet wurde, zeigte eine chemische Reaktion mit der Luft - und wurde blau.

    Das Christentum spielte im Mittelalter eine zentrale Rolle. Damals nahmen Mönche während des Gottesdienstes auf hölzernen Klappstühlen Platz. Diese schnappten nach dem Aufstehen zurück, weshalb die Gläubigen die Sitzklappe immer festhalten mussten. Versäumte das einer von ihnen, machte das in den hohen Kirchenräumen und bei der ansonsten eher stillen Angelegenheit einen Höllenlärm. Mit „Halt die Klappe“ kam prompt die Rüge.

    Wie heute verliebten sich auch damals die Menschen und schwebte im „siebten Himmel“. Eine Redewendung, die ihren Ursprung in der Bibel hat. Die frühen Christen teilte nämlich das Leben nach dem Tod in sieben Stockwerke auf und das Siebte galt als das Paradies.

    Im Mittelalter lebten die Menschen noch nicht in den stadtbildprägenden Fachwerkhäusern, sondern in schlichten hölzernen Behausungen oder in Lehmhütten. Nur reiche Leute konnten es sich leisten, in Häusern aus Stein zu wohnen, sie waren also „steinreich“.

    So könnte das noch etliche Zeilen weitergehen, denn es gab viele Sprichwörter und Redewendungen, die Stadtführer Bernhard Link für seinen Streifzug durch die Fladunger Stadtgeschichte ausgewählt hatte. Alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Aber wer weiß, vielleicht wird es diese Art der Stadtführung ja bald öfters in Fladungen geben - die Teilnehmer waren jedenfalls allesamt dafür.

    fs

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