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    Höchheim

    Ernte-Bilanz: Dürre und Biber beschäftigen Bauern

    Jedes Jahr birgt neue Chancen und Risiken - auch für die Landwirte. Freud und Leid liegen oft eng nebeneinander und es gilt, immer wieder neu mit den Herausforderungen des Wetters klar zu kommen. Die Aufnahme entstand bei der Weizenernte 2019 unweit von Ottelmannshausen. Foto: Wolfgang Ruck

    In Irmelshausen bewirtschaftet Sebastian Schmutz einen Ackerbaubetrieb mit Schafhaltung. Sein Gesichtsausdruck wird ernst, wenn er nach der Jahresbilanz 2019 gefragt wird.  "Das ist schon das zweite Jahr in Folge, wo uns Trockenheit und Hitze einen Strich durch die Rechnung machten", sagt der 35-Jährige.  Sowohl 2018 als auch 2019  habe man deutlich geringere Erträge eingefahren.

    Landwirt Sebastian Schmutz aus Irmelshausen hat momentan viel zu tun im Schafstall. Es gilt, die Zuchttiere auf die bevorstehenden Ausstellungen und Auktionen im Januar und Februar vorzubereiten. Foto: Wolfgang Ruck

    Bauer Schmutz ist sehr vielseitig im Anbau. Auf seinen Flächen im Milzgrund wächst Weizen, Gerste, Raps, Zuckerrüben und Mais. Bei all diesen Früchten waren deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen. Es gibt eben keine Kulturart, die mit  Hitze- und Dürreperioden gut klar kommt.  Zusätzlich zu den gesunkenen Erträgen komme 2019 noch hinzu, dass die Getreidepreise  sich auf einem niedrigeren Niveau bewegen als noch 2018. Dies drückt natürlich die Stimmung nicht nur bei Sebastian Schmutz, sondern bei allen seinen Berufskollegen in der Region.  Auch das Futter für die Schafherde auf dem Gutshof der Familie Schmutz ist knapp geworden. Ausbleibender Regen führte dazu, dass manche Wiesen  nur einmal statt drei Mal im Jahr gemäht werden konnten.  Dementsprechend konnte 2019 weniger Grassilage und Heu eingefahren werden.

    Nicht nur die Dürre, mancherorts macht auch der Biber den Bauern zu schaffen

    Bei der Bewirtschaftung der Wiesen kam im vergangenen Jahr ein völlig neuer Aspekt hinzu:  "Etwa sechs Hektar Wiesen unweit der thüringischen Landesgrenze konnten wir 2019 aufgrund des starken Bibervorkommens nicht mehr bewirtschaften", erzählt Sebastian Schmutz. Die Biber haben dort mit einem weit verzweigten System an Staudämmen und unterirdischen Gängen die Flächen dermaßen unter Wasser gesetzt,  dass ein Befahren mit dem Traktor zum Mähen und Heuernten nicht mehr möglich ist. Um die Flächen wenigstens zum Teil nutzen zu können, hat Schmutz  die betroffenen Wiesen im Sommer mit den Schafen beweidet.

    Im  Schafstall auf dem Gutsbetrieb Schmutz gibt es momentan jede Menge zu tun.  Die vielen Lämmer, die im November zur Welt gekommen sind, müssen versorgt werden.  Im Januar und Februar  stehen die ersten Ausstellungen und Auktionen an, wo auch die besten Nachzuchttiere aus dem Irmelshäuser Stall ausgestellt  werden sollen.  Für ihren "Auftritt" werden die Schafe zur Zeit fit gemacht und vorbereitet.  Gepflegte Klauen sind dabei ebenso wichtig wie ein gepflegtes dichtes Fell.  Es gibt also auch in den Wintermonaten jede Menge Arbeit auf dem Hof der Familie Schmutz.

    Landwirt Tobias Hesselbach aus Gollmuthhausen nutzt die Winterzeit für Reparaturarbeiten. Hier werden gerade die Bremsen des Anhängers neu belegt. Foto: Wolfgang Ruck

    In Gollmuthhausen bewirtschaftet Tobias Hesselbach einen Ackerbaubetrieb im Nebenerwerb. Er nutzt die Wintermonate um seinen Maschinenpark wieder auf Vordermann zu bringen und erledigt selbst alle anstehenden Reparaturen. Momentan werden die Bremsen eines landwirtschaftlichen Anhängers neu belegt. Beim Rückblick auf 2019 betrachtet  Hesselbach vor allem den Raps als Problemfrucht.  Der im August  gesäte Raps  ist vertrocknet und musste umgebrochen werden.  Andere Rapsflächen keimten erst Anfang Oktober nach nennenswerten  Niederschlägen.  Diese Rapsbestände gingen in einem sehr kleinen Wachstumsstadium in den Winter.  Solche kleinen Pflanzen gelten  als anfällig gegen starke Kahlfröste.  Temperaturen unter minus 10 Grad  auf schneefreiem Boden würden solch kleinen Rapspflänzchen den Garaus machen.

    Der Rapsanbau war wegen der Trockenheit extrem schwierig

    Bereits 2018 war der Rapsanbau durch die extreme Trockenheit ein schwieriges Unterfangen.  Damals hatte Hesselbach ganz auf die Aussaat des Rapses verzichtet. Da der Raps aber den Boden tief durchwurzelt und als gute Vorfrucht für Getreide gilt  möchte der Gollmuthhäuser Landwirt den Rapsanbau nicht komplett aufgeben.

    Nicht nur für Landwirte ein schöner Anblick: Die jungen Weizenpflänzchenleuchten in der Wintersonne. Die Aufnahme entstand in der Gemarkung"Altenwart" zwischen Aubstadt und Höchheim. Foto: Wolfgang Ruck

    "Roggen und Sommergerste haben mich 2019 nicht ganz so enttäuscht  wie die anderen Fruchtarten", erzählt der 23-jährige.  Die beiden Früchte seien auf seinen Flächen noch am ehesten mit Trockenheit und Hitze klar gekommen.  Eigentlich habe das Jahr 2019  wettertechnisch einen guten Start hingelegt.  Erst im Mai  sorgte die einsetzende Trockenheit für Wachstumsdepressionen an den Pflanzen.  Der heiße und trockene Sommer gab dann aber allen Feldfrüchten den Rest.

    Die Bestände sind zusammengebrochen

    Die Bestände seien dann vorzeitig "zusammengebrochen" und notreif geworden. "Es gab nicht nur weniger sondern auch kleinere Körner", so Tobias Hesselbach. Kleinere Körner werden dann beim Verkauf schnell als Futtergetreide aussortiert und müssen Preisabschläge in Kauf nehmen.  Alles in allem betrachtet war 2019 auch für Hesselbach kein erfreuliches Jahr.

    Zum Glück gab es im Herbst Regenfälle, die den ausgesäten Winterweizen zum Keimen und Auflaufen brachten.  Die Weizenbestände präsentieren sich aktuell recht ordentlich und gut entwickelt.  Der Anblick der kleinen in der Wintersonne leuchtenden Weizenpflänzchen ist sicher nicht nur für Landwirte angenehm. Tobias Hesselbach abschließend:  "Wir  denken mal positiv und hoffen, dass 2020  nicht wieder so ein extremes Jahr wird wie das vergangene".

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