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    Bad Neustadt

    Erzählcafé in Bad Neustadt: Unterhaltsamer Besuch aus Mellrichstadt

    Unterhaltsames und viel Privates erfuhren die Besucher des Caritas Erzählcafés im Gewölbekeller der Caritas in Bad Neustadt vom Unternehmer a.D. Karl-Hermann Reich aus Mellrichstadt. Foto: Brigitte Chellouche

    Über ganz besonderen Besuch freute sich Wolfgang Kitscha vom Erzählcafé-Team beim ersten Treffen in der 28. Saison im Gewölbekeller des Caritas-Hauses in der Kellereigasse. Karl-Hermann Reich aus Mellrichstadt, Unternehmer a.D., gab sich die Ehre. In seiner unnachahmlichen, sympathischen Art erzählte er aus seinem Leben, meist kreuz und quer. Doch es wäre nicht Kitscha, wenn er den roten Faden des Lebens von Reich nicht immer in die richtige Richtung stupste. Es war das private Leben, über das Karl-Hermann Reich sprach, das aber auch ab und zu die Firmengeschichte streifte. Da beides ja sehr eng verbunden ist.

    Stolz erzählte Reich vom hundertjährigen Betriebsjubiläum seiner Firma im Mai diesen Jahres. Sie wurde von seinem Großvater Karl Reich 1919 gegründet. Der Großvater sowie sein Großonkel Franz seien immer seine Vorbilder gewesen. "Mein Opa war kein Nazi", sagte er deutlich und sprach dann über die Fahrradteile, die die Firma Reich zu Beginn herstellte. Er musste viel mit nach Norwegen fahren, weil sein Vater Hans im Krieg in Norwegen gewesen war. Sein Vater sei streng mit ihm gewesen, erzählte er weiter. "Ich war ein Hund" und es habe es auch Schläge gegeben. Seine Mutter war die Vermittelnde in der Familie.

    Mit geschlossenen Lippen gepfiffen

    Als Kind sei er viel in der Firma gewesen, das habe ihn geprägt, sagte er. Die vier Jahre Grundschule in Mellrichstadt seien schnell vorüber gegangen. Im Gedächtnis habe er aber noch gut die Jahre am Bad Neustädter Gymnasium als Fahrschüler mit dem Zug von Mellrichstadt nach Bad Neustadt. Einige Anekdoten aus der Schulzeit, besonders dem Lateinunterricht, folgten. So habe er damals gut mit geschlossenen Lippen pfeifen können. Der Ton war im Klassenzimmer zu hören, nur der Ursprung war nicht erkennbar. Das trieb so manchen Lehrer zur Verzweiflung.

    Eigentlich habe er immer auf ein Internat gewollt, doch die Eltern hätten ihm diesen Wunsch nicht erfüllt, sagte Reich. So absolvierte er als Durchschnittsschüler die neun Jahre Gymnasium, beendete es mit dem Abitur und studierte anschließend in Berlin Wirtschaftsingenieurswesen. "Keine Sperrstunde, mitten in der DDR. Die Eltern können nicht so oft kommen". Gute Gründe für Reich, nach Berlin zu gehen. Dort habe er sich schnell eine Stammkneipe gesucht. Die sei ihm die sechs Jahre dort zur zweiten Heimat geworden.

    Reich als selbsternannte "Kampfsau"

    Nach dem Abschluss als Wirtschaftsingenieur ging es für ein halbes Jahr in die USA, dann habe er bei Esso in Hamburg gearbeitet. Später sei er nochmal für einige Zeit in den USA in Minneapolis gewesen. Als der Onkel nach ihm rief, sei es Zeit gewesen in die Familienfirma einzusteigen. Er habe sich voll engagiert und noch Metallurgie dazugelernt. Sein Verhältnis zur Verwandtschaft sei gut, erzählte Reich. Er sei jedoch eine Kampfsau, aufgeben gibt es für ihn nicht. Sein Führungsstil sei äußerst zielstrebig, wurde ihm von anderen bescheinigt. Er habe immer alles selbst bestimmt, sorgte jedoch dafür, dass alles gerecht zuginge. 

    Seine Frau Karin hatte er vor vierzig Jahren geheiratet, drei Kinder seien daraus hervorgegangen. Zwei davon führen jetzt die Firma, erzählte er stolz. Er führe eine gute Ehe, sagte er. "Natürlich schepperts manchmal", aber das sei nicht schlimm.

    Zahlreiche Auszeichnungen erhalten

    Dann klinkte sich Wolfgang Kitscha in die Erzählungen von Karl-Hermann Reich ein und verkündete dem zahlreichen Publikum im Caritas-Gewölbekeller die vielen Auszeichnungen, die der Unternehmer für sein soziales Engagement erhielt. So sei er unter anderem 2016 als Gönner und Förderer der Stadt Mellrichstadt mit dem Verdienstkreuz am Bande, dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. 2019 wurde Karl-Hermann Reich zum Ehrenbürger der Stadt Mellrichstadt ernannt.

    Für zwei Millionen Euro will Reich in nächster Zeit einen Kindergarten auf dem Firmengelände für die Mitarbeiter bauen. Außerdem hat er zum Seniorenheim für behinderte Menschen eine große Summe beigesteuert und hat das Stadthotel Reich, ein Vorzeigeobjekt in Mellrichstadt, gebaut.

    Als Dank ein gut gefüllter Kaffeebecher

    Großer Applaus kam von den Zuhörern für diese sozialen Projekte. Am Ende gab es dann noch eine Spende von 250 Euro von Reich für das Caritas Erzählcafé. Dieses Geld wird Wolfgang Kitscha an die Caritas weitergeben. Mit einem lecker gefüllten Caritas Kaffeebecher bedankte sich Kitscha bei Karl-Hermann Reich für die unterhaltsamen Erzählungen aus seinem Leben.

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