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    Eußenhausen

    Eußenhausen: Ergreifende Stimmung an der ehemaligen Grenze

    Ehemaliger Dienstwagen: Ein kleiner Junge nahm zum Testen auf dem Fahrersitz eines Dienstwagen der ehemaligen DDR-Volkspolizei Platz. Foto: Marc Huter

    Es lag eine ergreifende Stimmung in der Luft: Zum 30-jährigen Jubiläums des Mauerfalls hoben die Stadt Meiningen zusammen mit der Stadt Mellrichstadt eine Festveranstaltung an der Schanz am einstigen Grenzübergang Eußenhausen-Henneberg aus der Taufe, die beeindruckend war. "Ein Freudenfest auf einem ehemaligen Todesstreifen", brachte der Bürgermeister der Stadt Meiningen, Fabian Giesder, die Ambivalenz, die hinter dieser Geschichte steht, auf den Punkt.

    "Wind of Change": Der Band "Nicole & Friends" gelang es, die Festveranstaltung mit der richtigen Auswahl an Liedern zu unterstützten. Foto: Marc Huter

    "Wind of Change" spielte die Live-Band "Nicole & Friends" im beheizten Festzelt, die Ansprachen und Zeitzeugenberichte berührten. Jimmy Fell startete eine Friedensnobelpreispetition und stellte gleich mehrere neue Projekte im Skulpturenpark an der ehemaligen Grenze vor. Ein ehemaliges Grenzer-Auto der damaligen Volkspolizei ließ Erinnerungen wach werden.

    Kampf gegen Bevormundung

    "Die Menschen hatten es satt, sich ideologisch bevormunden zu lassen", blickte Giesder in seiner Festrede auf die Ereignisse im Jahr 1989 zurück. Auch in Meiningen, so berichtete er, gingen die Menschen in ihrem Drang nach Freiheit auf die Straße. Dieser Mut und dieser Wille eines jeden einzelnen war es schließlich, die das SED-Regime zum Einlenken bewegte. Auf "einen Tag, der die Welt veränderte" blickte der Bürgermeister der Stadt Mellrichstadt, Eberhard Streit, zurück. "Unüberwindbar" sei die Grenze in seiner Wahrnehmung damals gewesen, eine Öffnung der Mauer eigentlich unvorstellbar. "Meinen größten Respekt vor diesen Menschen, die diese Courage aufgebracht haben, im Frieden zu demonstrieren und damit die Mauer und letztlich das System zum Fall brachten." Heute habe sich eine Selbstverständlichkeit zwischen Ost- und Westbürgern entwickelt, die eigentlich den Idealzustand beschreibe.

    Zum Zeichen der Deutschen Einheit: Gemeinsam pflanzten (v. l.) der Bürgermeister der Stadt Meiningen Fabian Giesder, damaliges aktives Mitglied der Widerstandsbewegung Uli Töpfer, Landrätin Peggy Greiser, Landrat Thomas Habermann, die Vorstandsvorsitzende der Rhön-Rennsteig-Sparkasse Marina Heller, Bürgermeister Eberhard Streit und der Henneberger Ortsteilbürgermeister Reiner Hoßfeld eine Eiche auf der "Schanz" am einstigen Grenzübergang. Foto: Marc Huter

    "Alle Deutschen können froh sein, dass wir das in friedlicher Mission geschafft haben", erklärte die Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser, die zur Zeit des Mauerfalls erst 18 Jahre alt gewesen sei. Still war es im Festzelt, als der Rhön-Grabfelder Landrat Thomas Habermann zwei ganz persönliche Ereignisse aus seinem Leben preisgab.

    Verhandlungen waren "reines Theater"

    Zum einen aus seiner Zeit als Richter am Amtsgericht Mellrichstadt in der Zeit von 1986 bis 1988, als er die Nichtbeschlagnahmung von Propaganda-Material gegen Franz-Josef Strauß gegen den leitenden Oberstaatsanwalt durchsetzte. Zum zweiten von seiner Zeit Anfang der 1990er Jahre am Bezirksgericht Meiningen, als er in Hunderten von Stasi-Akten bereits von der SED-Führung vorgefertigte, unterschriebene Urteile sichtete, die das gesamte Verhandlungsverfahren zu einem "reinen Theater" machten. Die Lehre des heutigen Landrats daraus: "Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass ich in einem freien Land leben durfte und ich bin dankbar, dass es Menschen gab, die sich diese Freiheit erkämpft haben." Es gebe wenige Momente im Leben eines Menschen, die so emotional gewesen sind wie der Fall der Fall der Mauer.

    "Da stehen einem die Tränen in den Augen", erklärte der ehemalige Landrat Ralf Luther, der von seinen ganz persönlichen Erlebnissen zum Mauerfall berichtete. Der Ortsteilbürgermeister von Henneberg, Reiner Hoßfeld, erzählte von der "Euphorie", die damals geherrscht habe. Mit 40 000 Trabis an einem Tag war Henneberg zu der damaligen Zeit einer extremen Verkehrsbelastung ausgesetzt. Nicht nur Zeitzeuge, sondern aktives Mitglied der Widerstandsbewegung war Uli Töpfer, einer der Hauptorganisatoren der Friedensgebete, der an der einstigen Grenze von seinen Erlebnissen berichtete. Abschließend wurde gemeinsam eine Eiche zum Zeichen der Einheit gepflanzt.

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