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    Bad Neustadt

    Fasten: Für Gott, den Globus und den Gipfelsturm

    Verzichten, um zu gewinnen: Man kann dem Körper etwas Gutes tun, der Umwelt - oder seiner Seele: Rhön-Grabfelder erklären, wie sie's mit dem Fasten halten.
    Auf Fleisch verzichtet der Bad Neustädter Grünen-Stadtrat Karl Breitenbücher schon lange. Der begeisterte Rennradfahrer raucht auch nicht. Doch in der Fastenzeit will er insbesondere auf Alkohol verzichten.
    Auf Fleisch verzichtet der Bad Neustädter Grünen-Stadtrat Karl Breitenbücher schon lange. Der begeisterte Rennradfahrer raucht auch nicht. Doch in der Fastenzeit will er insbesondere auf Alkohol verzichten. Foto: Gerhard Fischer

    Eine Zeit lang keinen Alkohol trinken, süße Verlockungen wie Kuchen oder Torten meiden und auf üppige Mahlzeiten mit Fleisch verzichten – da könnte man schon auf den Gedanken kommen, dass die bevorstehende Fastenzeit zu Umsatzeinbrüchen in der Gastronomie führen könnte. Wenn das einer wissen muss, dann Christian Fischer. Der 66-Jährige betreibt seit 42 Jahren das Hotel und Restaurant Schlundhaus am Marktplatz in Bad Königshofen.

    Wirt Christian Fischer weiß, dass die Gastronomie in der Fastenzeit nicht darben muss.
    Wirt Christian Fischer weiß, dass die Gastronomie in der Fastenzeit nicht darben muss. Foto: Alfred Kordwig

    Christian Fischer: „In den Anfangsjahren sind in der Fastenzeit tatsächlich weniger Leute bei mir eingekehrt als in der übrigen Zeit des Jahres.“ In der jüngeren Vergangenheit habe sich dieser Trend allerdings deutlich abgeschwächt, vermutlich, weil es viele Leute mit dem Fasten nicht mehr so genau nähmen. „Nennenswerten Umsatzeinbußen muss ich in der Fastenzeit jedenfalls nicht mehr befürchten“, so Fischer, der einen weiteren Grund aufführt, warum die Gastronomie in der Fastenzeit nicht darben muss: „Laut Fastenordnung ist es ja Reisenden ausdrücklich erlaubt, das Fasten zu brechen und eine Gastwirtschaft zu besuchen.“ Persönlich übt der Schlundhauswirt in der Fastenzeit keinen Verzicht. Eine Gewohnheit hat er sich unabhängig von der Fastenzeit aber von frühester Jugend an bewahrt: „Am Freitag kommt bei mir bis heute kein Fleisch auf den Tisch.“

    Thomas Dietz, MKG-Vizepräsident aus Mellrichstadt.
    Thomas Dietz, MKG-Vizepräsident aus Mellrichstadt. Foto: fm-fotografie

    Thomas Dietz: "Für mich geht das Leben in der Fastenzeit ganz normal weiter", sagt der Vizepräsident der Mellrichstädter Karnevalsgesellschaft (MKG). Die letzten Tage standen für den Mellrichstädter ganz im Zeichen des Faschingshöhepunkts mit dem Umzug am Sonntag, "doch der Trubel reißt nach dem Fasching nicht ab", sagt er. So steht in Mellrichstadt am Samstag, 29. Februar, das Politiker-Derbleck'n in der Oskar-Herbig-Halle an, wo Dietz in die Organisation eingebunden ist und natürlich auch Starkbier und deftige Spezialitäten aufgetischt werden. "Da würde es schwer fallen, zu fasten."

    Lena Gräfenschnell: "Fasten wird für mich eigentlich nicht von außen festgelegt. Wenn ich das Gefühl habe, dass etwas einen zu hohen Stellenwert in meinem Leben einnimmt, versuche ich manchmal so lange darauf zu verzichten, bis ich weiß, wie ich in Zukunft damit umgehen sollte. Oft heißt das, einen Mittelweg zu finden, zum Beispiel beim Konsum von technischen Geräten. Manchmal entscheide ich mich auch, bis auf Weiteres komplett darauf zu verzichten, wie beim Konsum von tierischen Produkten oder bestimmten Kosmetika."

    Pauline Beck: "Auch ich habe in den letzten Jahren die Fastenzeit genutzt, um auf Fleisch zu verzichten, bis ich letztes Jahr entschieden habe, dies auch außerhalb der Fastenzeit zu machen. In den letzten Wochen musste ich aus schulischen Gründen sehr oft alleine Auto fahren. In dieser Fastenzeit möchte ich deshalb weniger Auto fahren und so meinen CO2-Verbrauch reduzieren."

    Die Organisatoren der Bewegung Fridays for Future Bad Neustadt mit (von links): Lena Gräfenschnell, Pauline Beck und Maja Büttner.
    Die Organisatoren der Bewegung Fridays for Future Bad Neustadt mit (von links): Lena Gräfenschnell, Pauline Beck und Maja Büttner. Foto: Stefan Kritzer

    Maja Büttner: "Speziell zur Fastenzeit habe ich mir in diesem Jahr nichts vorgenommen. Ich finde es wichtiger, über einen längeren Zeitraum das richtige Mittelmaß zu finden. Mir hat es aber in der Vergangenheit öfter geholfen, die Fastenzeit als Startpunkt zu nehmen und dann einfach weiterzumachen. So bin ich Vegetarierin und später Veganerin geworden! Ich fände es super, wenn mehr Menschen die Fastenzeit zum Anlass nehmen würden, sich Gedanken über ihr eigenes Konsumverhalten zu machen - gerade in Zeiten des Klimawandels."

    Stefan und Anke Schroth haben keinen strengen Fastenplan im herkömmlichen Sinne. Abstand zu nehmen von den äußeren Dingen, verzichten und innere Einkehr zu Gott halten, ist für die beiden Leiter des Tagungszentrums Hohe Rhön in Haselbach eine Aufgabe für das ganze Jahr.
    Stefan und Anke Schroth haben keinen strengen Fastenplan im herkömmlichen Sinne. Abstand zu nehmen von den äußeren Dingen, verzichten und innere Einkehr zu Gott halten, ist für die beiden Leiter des Tagungszentrums Hohe Rhön in Haselbach eine Aufgabe für das ganze Jahr. Foto: Gerhard Fischer

    Anke und Stefan Schroth: Das Ehepaar leitet die Christlichen Gästehäuser in Haselbach bei Bischofsheim, die eigentlich unter dem Namen "Tagungsstätte Hohe Rhön" firmieren. "Für mich ist Fasten eine Herzenshaltung", sagt Stefan Schroth. Er verweist auf das hebräische Wort für Fasten, das eigentlich "das demütige Sichbeugen unter den heiligen Gott" meine. 

    Für das christliche Ehepaar ist Fasten nicht auf eine bestimme Jahreszeit beschränkt. Es gehe darum, freie Zeit und Konzentration für das Gebet und die Gemeinschaft mit Gott zu bekommen. "Der bewusste Verzicht - nicht nur auf Nahrung - verhilft zu einem Blickwechsel hin zur inneren Ruhe und Hören auf Gottes Reden", so ihre dezidiert christliche Sicht. Das Ehepaar erinnert an Jesus in der Wüste, der in der Einsamkeit sein Verhältnis zum Vater klärt, um dann zu den Menschen zu gehen. Einen strengen Fastenplan wollen die Schroths nicht vorschreiben. "Fasten muss ausprobiert und in das Alltagsleben integriert werden. Dann werden wir auch Veränderung und Segen erleben", so Stefan Schroth abschließend.  

    Karl Breitenbücher: Schon seit 25 Jahren lebt Karl Breitenbücher vegetarisch. "Und das hat mich auch noch sportlicher gemacht", erklärt der ehemalige Berufsschullehrer und Stadtrat der Grünen in Bad Neustadt. Insofern muss er in der Fastenzeit keinen besonderen Verzicht üben, was die Ernährung anbelangt. "Aber ich will auf Alkohol verzichten bis Ostern. Das gibt einem auch das gute Gefühl, nicht abhängig zu sein", so Breitenbücher, der als Politiker viele entsprechende Anlässe hat. 

    Der Verzicht hat für Breitenbücher auch einen zweiten Effekt, nämlich eine noch bessere Vorbereitung auf seine Radsport-Herausforderungen wie zum Beispiel den "Kaunertaler Gletscher-König" mit einer Zielankunft auf über 2700 Metern Höhe. 

    Nun, einen Joker hat sich Karl Breitenbücher aber noch selbst geschenkt für die Fastenzeit: "Am 15. März, wenn ich in den Stadtrat gewählt bin, dann gönn' ich mir einen Drink", schmunzelt Breitenbücher.

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