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    Mellrichstadt

    Forstarbeit wird zur Schadensbegrenzung

    Im Wald liegt derzeit einiges im Argen. Ein erschreckendes Bild geben vor allem Fichtenschonungen ab. Foto: Eckhard Heise

    Wer derzeit mit offenen Augen den Wald betritt, dem treibt der Zustand Tränen in die Augen. Erst recht so ging es den Mitgliedern des Forstausschusses der Stadt Mellrichstadt bei ihrer Exkursion durch den Stadtwald. "Ich wollte euch die Brennpunkte zeigen, es ist nicht überall so", erklärte Bürgermeister Eberhard Streit. "Es wird wirtschaftlich nicht unser erfolgreichstes Jahr werden", fuhr er vorsichtig fort, um dann gemeinsam mit dem Gremium massive Vorwürfe an die Politik zu richten.

    Die Misere wurde gleich an der ersten Station an einem Waldstück bei Frickenhausen deutlich. Die zahlreichen Stümpfe in einer stark ausgedünnten Fichtenschonung bezeugten, dass dort einmal mehr Bäume gestanden hatten. "Das ist aber nur der Anfang", befürchten Andree Link und Michael Merkel von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Obere Rhön, die nun für die Bewirtschaftung des Mellrichstädter Waldes verantwortlich ist. "Der Wald hier befindet sich in Auflösung", bedauert Merkel und wies auf noch stehende Stämme mit gut sichtbaren Zeichen von Borkenkäferbefall hin. "Wir kommen mit dem Fällen nicht mehr hinterher."

    Staatliche Auflagen sorgen für Unverständnis

    Die Hilflosigkeit, zu der die Forstverantwortlichen verdammt sind, wird aber noch von einem fehlgeleiteten politischen Aktionismus begleitet, wie die beiden Forstleute unterstrichen und auf drei Haufen Hackschnitzel zeigten. Weil keine Unternehmer zum Aufarbeiten der Stämme aufzutreiben waren, musste das Holz gehäckselt werden, was sehr kostspielig sei. Die Arbeiten wurden staatlich finanziell gefördert, zur Auflage wurde jedoch zum Unverständnis der beiden gemacht, dass das Hackgut nicht veräußert und abgefahren werden darf.

    Stämme müssen zu Hackschnitzeln verarbeitet werden: Bei einer Exkursion des Forstausschusses bekamen die Mitglieder die Misere zu Gesicht, die sich derzeit im Wald abspielt. Foto: Eckhard Heise

    Markus Groenen hatte genauso wenig Verständnis für derartige Fördergebaren wie auch der Bürgermeister. Die Kommunen würden von der Politik alleingelassen. Mit kurzfristigen Zuschüssen sei den größeren Waldbesitzern nicht gedient, es müssten langfristige Konzepte und Strategien für den Waldumbau auf den Tisch.

    Probleme bei der Naturverjüngung

    Zu all den Problemen komme aber noch ein weiteres: Wo Bäume gefällt wurden, muss auch wieder für Nachwuchs gesorgt werden. Nachpflanzen sei teuer und nicht sehr effektiv, weil wegen der Trockenheit der Ausfall immens sei. Daher werde vor allem auf Naturverjüngung gesetzt. Doch gebe es in einigen Bereichen starken Verbiss. Um der Situation Herr zu werden, müsste die Bejagung verstärkt werden, dazu würden jedoch die Jäger und Pächter gebraucht. "In vielen Bereich funktioniert das, in Oberstreu und Frickenhausen nicht", so das Stadtoberhaupt.

    An einem Waldstück eines Privatmannes bei Sondheim demonstrierten die Fachleute ein positives Beispiel der Naturverjüngung. Revierförster Otfried Pankratius führte zu einem eingezäunten Areal, in dem der Nachwuchs sichtbar besser gedieh als das Grün außerhalb. Da stecke viel Idealismus und Aufwand dahinter, bemerkte Pankratius, denn der Zaun muss auch noch ständig kontrolliert und ausgebessert werden, weil Schwarzwild Schäden anrichte.

    Der Stadtchef kam zu dem Schluss, dass vor allem an den am stärksten geschädigten Flächen eine intensive Bejagung stattfinden muss, damit Aufforstungen überhaupt eine Chance haben.

    Auch die Buchen sterben ab

    Dass die Fichte nicht die einzig allein leidende Baumart ist, verdeutlichten die Forstleute im Wald von Eußenhausen. Dort herrscht die Buche vor, die bisher als eine robuste Baumart galt, nun aber auch Anfälligkeiten auf Grund der Trockenheit zeigt. Rote Kronen seien ein Indiz, dass der Baum am Absterben ist. Wenn dieses Merkmal vorhanden ist, sei aber schon der gesamte Baum betroffen, so dass der Stamm nicht mehr als Wertholz, sondern als Brennholz verkauft wird, erklärte Andree Link.

    Bei dieser Gelegenheit legte das Gremium auch umgehend die künftigen Brennholzpreise fest. Danach soll für Hartholz der gleiche Preis gelten wie im Vorjahr, für Weichholz wird etwas weniger verlangt.

    Forstunternehmen fehlt es an Personal

    In diesem Zusammenhang fragte sich Link aber auch, wer das Holz aufarbeiten soll. Die Forstunternehmen seien zwar technisch ausreichend ausgestattet, doch selbst ihnen ginge langsam das Personal aus. Daher gab er dem Gremium zu überlegen, ob die Stadt nicht  eigenes Personal einstellen soll, weil es immer schwieriger werde, Leute für die Waldarbeit zu finden. Die Reaktion war zunächst ein Aufstöhnen. "Da hat die Stadt einschlägige Erfahrung gemacht", erinnerte Helmut Dietz daran, dass es die Stadt schon unter Streits Vorgänger Helmut Will aufgegeben habe, eigenes Personal für den Wald zu beschäftigen.

    Revierförster Otfried Pankratius (rechts) und Michael Merkel führten das Gremium an die Brennpunkte im Mellrichstädter Stadtwald. Foto: Eckhard Heise

    Eberhard Streit wollte diese Überlegung aber nicht vollkommen bei Seite schieben. Er befürchtet, dass der Wald in den nächsten Jahrzehnten einen steigenden Aufwand  erfordert, der nicht nur durch schweres Gerät bewältigt werden kann. Vielleicht werden die Unternehmen entsprechend handeln, vielleicht müssen aber auch die Kommunen reagieren, merkte er an.

    Investitionen in Wegebau

    Bei allen Sorgen um den Baumbestand dürfe aber auch nicht der Wegebau vergessen werden, lenkte Merkel den Blick auf ein weiteres Thema. Einige Wege seien in der Vergangenheit vernachlässigt worden. Das Gremium folgte der Empfehlung des Forstmitarbeiters und gab rund 7000 Euro zum Herrichten von Wegen und Schneiden des Lichtraums frei.

    Zu guter Letzt führten die drei Forstleute zu einem für die Mitglieder angenehmeren Standort. Im Bereich "Oberer Wald" konnte trotz der schlechten äußeren Bedingungen erfolgreich eine Douglasienverjüngung vorgenommen werden, in deren Nachbarschaft auch Buchen, Eichen und Kiefern gedeihen. "Ein Lichtblick in einer schwierigen Zeit für den Wald", freuten sich die Mandatsträger.

        

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