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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Für Blinde: Noppen und Streifen weisen den Weg

    Viel Lob gab es von Heinz Stroh-Berger, der über 30 Jahre Lehrer an einer Blindenschule in München war, für den Busbahnhof Bad Königshofen. „Das ist alles vorbildlich und für Blinde und Sehbehinderte ideal.” Foto: Hanns Friedrich

    „So etwas ist lobenswert und vorbildlich.“ So beurteilt Heinz Stroh-Berger aus München die Einrichtungen für blinde- und sehbehinderte Menschen am Busbahnhof in Bad Königshofen.

    Zum einen faszinierten ihn die Bodenindikatoren, die Sehbehinderten den Weg zur Haltestelle zeigen, aber auch die Ansagen an den Haltestellen. 30 Jahre lang war er Lehrer an einer Blindenschule in München und hat einen Sohn, der von Geburt an blind ist. Seine Verbindungen zu Bad Königshofen sind schnell erklärt: Von 1957 bis 1961 war er Schüler am Gymnasium und hat in Bad Königshofen Abitur gemacht.

    Erfahrungsaustausch

    Jüngst kam er zu einem Klassentreffen nach Bad Königshofen. Beim Stadtrundgang traf er Paul Albert, einen stark sehbehinderten Masseur aus Althausen. Von ihm erfuhr er, dass sich in Bad Königshofen zwar noch einiges tun müsste, man aber als blinder oder stark sehbehinderter Mitbürger sehr gut zurechtkomme. Was fehle, seien Zebrastreifen im Marktplatzbereich. „Die wären nicht nur für Blinde und Sehbehinderte gut, sondern auch für Senioren und Rollstuhlfahrer,“ sagt Stroh-Berger.

    Die Ampel an der Postamtskreuzung habe zwar einen gelben Anforderungsschalter und ein akustisches Erkennungszeichen, fehlen würde eine vibrierende Platte im Tastbereich. Diese signalisiert Blinden, dass sie die Straße überqueren können.

    Demografischer Wandel

    Im Gespräch mit dieser Redaktion verwies Stroh-Berger auf den demografischen Wandel. Dieser führe nicht nur dazu, dass die Menschen älter werden, sondern auch, dass mit dem Alter die Sehfähigkeit nachlässt. Letztendlich sei eine Kommune gut beraten, wenn sie, wie Bad Königshofen, Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen vorhält.

    Am Busbahnhof und auf dem Weg dorthin sind Bodenindikatoren in Rippenstruktur verlegt. Quer zur Laufrichtung bedeutet: „Hier die Straße nicht queren“. Längs ertastet der Blinde die Laufrichtung. Andere Bodenindikatoren haben eine Noppenstruktur. Sie weisen auf einen Zebrastreifen oder eine Ampel hin.

    Bodenindikatoren

    Wo „natürliche“ Leitlinien wie Fassaden, Zäune oder Randsteine fehlen, sind solche Bodenindikatoren für Blinde und Sehbehinderte erforderlich. Sie sind die einzige Orientierungsmöglichkeit im Straßenverkehr. Dabei handelt es sich um strukturierte weiße Bauteile im Boden, die sich durch ihre Oberflächenstruktur vom Umgebungsbelag unterscheiden. Diesen Unterschied können blinde Menschen mit ihrem Langstock ertasten, sie können zudem mit ihren Füßen die Struktur „lesen“. Je nach Grad der Sehbehinderung nehmen Sehbehinderte darüber hinaus den Farbkontrast der Bodenindikatoren wahr.

    Elektroautos sind zu leise

    Blinde haben gelernt, auf Geräusche zu achten. Sie können sehr genau vorbeifahrende Autos von abbiegenden unterscheiden. Sie achten auf Motor- und Fahrgeräusche, ob ein Auto bremst oder beschleunigt. Ein großes Problem sind allerdings Elektroautos. Sie sind oft durch die Umgebungsgeräusche nicht zu hören. „Fahrer von Elektroautos sollten deshalb an Ampeln, Kreuzungen, beim Abbiegen sowie Ein- und Ausparken noch umsichtiger sein.

    Eine Entschärfung der Gefahrenquelle Elektroauto kommt schrittweise ab 2019. Dann müssen Elektro- und Hybridfahrzeuge EU-weit für neue Typgenehmigungen von Fahrzeugen im Geschwindigkeitsbereich bis 20 km/h und ab 2021 für alle zuzulassenden Elektrofahrzeuge künstliche Geräusche von sich geben. Der Sound muss dem von Fahrzeugen mit herkömmlichem Verbrennungsmotor ähneln und eindeutig auf das Fahrzeugverhalten hinweisen.

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