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    Oberelsbach

    Geschenk: Neue Raritäten der Rhöner Maskenfastnacht

    Super 8-Filme vom Maskentreiben in der Rhön vor 40 Jahren. Kassetten mit Interviews von einheimischen Familien beim Kraut- und Knödelessen zur Straßenfastnacht. Historische Masken mit großem Seltenheistswert: die überraschende Schenkung der Sammlung des verstorbenen Professors Johann Friedrich Münch aus Bonn macht dies möglich.

    19 historische Masken

    „Das ist wirklich eine wahre Sensation!“, stellt Daniela Sandner, die Leiterin des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen, fest. „Es sind Exponate, die ihresgleichen suchen!“, ergänzt Birgit Erb, die Bürgermeisterin des Marktes Oberelsbach. 19 historische Rhönmasken, ein komplettes Spanmann-Kostüm aus dem frühen Oberelsbach, die Interview-Aufnahmen, sehr viele einzigartige Fotos, Dias und Dokumentationen sowie handgefertigte Skizzen und Zeichnungen zur Rhöner Straßenfastnacht, wie sie es sicherlich kein zweites Mal gibt. All das ist in der wissenschaftlichen Sammlung des im Jahr 2015 verstorbenen Professors zu finden, die dem Deutschen Fastnachtmuseum überlassen wurde. Die Sammlung wartet nun darauf, dass sich heute jemand ebenso wissenschaftlich damit beschäftigt.

    Professor Friedrich Münch aus Bonn war wohl einer der wenigen, der zur damaligen Zeit zum Maskenbrauch in der Rhön Forschungsarbeiten angestellt hat. Er hatte vor, eine volkskundliche Doktorarbeit mithilfe der Technik der Feldforschung über den Maskenbrauch in der Rhön zu schreiben.

    Interviews

    Er interviewte nicht nur Familien beim Knödelessen, sondern auch Holzschnitzer, die die Masken nach alter Tradition herstellen. Er fotografierte und dokumentierte das närrische Treiben, sammelte Plakate, die auf Faschingsveranstaltungen in der Rhön hinwiesen und erwarb selbst historische Masken für seine ganz persönliche Sammlung. So kamen offenbar 19 seltenste Rhönmasken in seinen Besitz. Zahlreiche handgefertigte Skizzen von einigen Fastnachtfiguren der Rhön findet man darüber hinaus in seinem Fundus, die beispielsweise zeigen, wie Masken richtig gebunden werden, damit sie passgenau sitzen.

    Zur Fertigstellung der volkskundlichen Doktorarbeit ist es nie gekommen, da der bereits promovierte Kunstpädagoge Prof. Johann Friedrich Münch kurz vor Abschluss der wissenschaftlichen Arbeit einen Lehrstuhl an der Pädagogischen Hochschule Rheinland erhielt. Über 30 Jahre lang lagerte die gesamte Sammlung im Privathaus von Friedrich Münch in Bonn. Nach seinem Tod überließ Christa Münch, die Witwe des Professors, im Jahr 2016 die gesamte Sammlung dem Deutschen Fastnachtmuseum als Schenkung. Das akribisch gesammelte und aufbereitete Material sollte im Ganzen zusammenbleiben.

    Gut verwertbare Forschungsergebnisse

    „Dafür sind wir der Witwe von Professor Münch unheimlich dankbar“, sagt Bürgermeisterin Birgit Erb, die Christa Münch selbst kennengelernt hat. Professor Münch habe äußerst gut recherchiert und äußerst gut verwertbare Forschungsergebnisse erzielt.

    Aufbewahrt wird die Sammlung nun zunächst im Depot des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen. Eine Idealumgebung für historische Zeugnisse in klima- und lichttechnisch optimalen Räumlichkeiten. Ein fragiles Oberelsbacher Spanmann-Kostüm kann so beispielsweise sachgerecht verwahrt werden.

    Die Sammlung soll die Grundlage für ein Förderprojekt mit dem Arbeitstitel „Rhöner Maskenfastnacht“ werden, das in diesen Tagen aus der Taufe gehoben wird. „Der Auftrag an eine Agentur zur Erstellung eines Vorkonzeptes ist bereits erteilt“, berichtet Sandner. Finanzielle Unterstützung habe man von der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken erhalten, fügt Birgit Erb an.

    Fördergeber zusammenbringen

    Zunächst gehe es laut Sandner darum, verschiedene Fördergeber zusammenzubringen. Im Kern ist in der Folge ein Kooperationsprojekt zwischen den Kooperationspartnern der der Lokalen Aktionsgruppe im Landkreis Bad Kissingen, der „Stiftung Kulturzentrum Fasching, Fastnacht, Karneval“ als Trägerin des Museums, dem Bezirk Unterfranken, dem Landkreis Rhön-Grabfeld und dem Markt Oberelsbach über die europäische Förderschiene LEADER angedacht.

    Aus dem Projekt soll eine Sonderausstellung als Wechselausstellungerwachsen, die zunächst in Kitzingen und anschließend in Oberelsbach, gegebenenfalls dort dann auch dauerhaft, aufgebaut werden soll. Möglich sind mehrere Workshops, beispielsweise zur Herstellung von Holzmasken oder zum Nähen der Fastnachtskostüme. „Hier ist noch Raum für viel Fantasie“, so Sandner. „Ich freue mich sehr auf diese spannende Arbeit“, ergänzt Erb.

    Stoff für Master - oder Doktorargbeit

    Das Deutsche Fastnachtmuseum hat unterdessen seit dem Erhalt der wertvollen Sammlung den Fundus von Friedrich Münch komplett erfasst. Die Sammlung an sich gebe sehr viel her. „Es muss sich nur einmal jemand wissenschaftlich heranwagen“, erklärt Sandner. So sieht sie in der Erforschung der komplexen Sammlung von Friedrich Münch mehr als genug Stoff für eine Master- oder sogar Doktorarbeit. „Da muss man sich aber mit der Technik der Feldforschung der 1970er Jahre beschäftigten“, macht Sandner, ebenfalls Doktorandin, deutlich. „Das ist sicherlich eine Herausforderung!“

    Eine Ausstellung müsse auf jeden Fall aus dieser Sammlung entstehen, so Sandner. „Davon haben die Leute mehr als von einer bloßen Publikation.“ Aber auch ein Buch, das die wissenschaftliche Arbeit von Volkskundler Dr. Walter Stolle in seinem Buch „Geheimnisvolle Masken aus der Rhön“ weiter führt, sei eine Aufgabe, für die die Zeit nun reif sei. Material sei in jedem Fall nun genug vorhanden. 

    Prof. Johann Friedrich Münch
    Johann Freidrich Münch wurde am 20. August 1930 geboren. 1957 legte er die Staatsprüfung für das Lehramt an Volksschulen ab. 1960 wurde er als Fachlehrer am Werklehrerseminar in Köln berufen und im selben Jahr zum Dozenten für das Fach Kunst- und Werkerziehung an der Pädagogischen Hochschule in Bonn bestellt. Von 1972 bis 1981 studierte er Volkskunde an der Universität Bonn. 1982 wurde er zum Professor für Kunst- und Werkerziehung an der Universität in Bonn ernannt. Münch kam 1985 an die Universität Koln. 1995 ging er in Ruhestand. Am 14. Juli 2015 starb Johann Friedrich Münch. Er hatte vor, eine volkskundliche Doktorarbeit mithilfe der Technik der Feldforschung über den Maskenbrauch in der Rhön zu schreiben. Feldforschung ist eine Methode zur Erhebung von Daten mittels Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ Umfeld. Durch gezieltes Fragestellen sowie Beobachtung werden Informationen gesammelt. Eine Forschungstechnik, die großes Wissen benötigt und äußerst zeitintensiv ist.

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