• aktualisiert:

    Oberelsbach

    "Ginolfser Christkindlich" gingen in jedes Haus

    Weihnachtstraditionen neu entdecken: Über die Eröffnung der Sonderausstellung "Kleiner Lichtblick im Advent – (Be-)Sinnliche Adventszeit" im Deutschen Tabkapfeifenmuseum freuen sich Kreisheimatpfleger Reinhold Albert und Bürgermeisterin Birgit Erb. Foto: Marc Huter

    Mit dem ersten Adventswochenende hat der Markt Oberelsbach seine diesjährige Sonderausstellung zum Weihnachtsfest im Deutschen Tabakpfeifenmuseum eröffnet. Unter dem Motto "Kleiner Lichtblick im Advent – (Be-)Sinnliche Auszeiten“ werden in der Ausstellung alte Traditionen und Rituale rund um die Adventszeit beleuchtet und erklärt. Die Ausstellung lädt dazu ein, eine Auszeit aus dem Weihnachtstrubel zu nehmen und die "stade Zeit" auf sich wirken zu lassen.

    "Weihnachtstraditionen können hier ganz neu entdeckt werden", freute sich Bürgermeisterin Birgit Erb. So zeigt die Ausstellung beispielsweise die Tradition des Adventskalenders. In katholischen Haushalten gab es zunächst das "Strohhalmlegen" oder "Krippe füllen", wie nachzulesen war. Dafür wurde die Krippe, die am Heiligen Abend unter dem Christbaum steht, am 1. Adventssonntag bereits leer aufgestellt. Jedes Kind im Haus, das im Advent eine gute Tat vollbrachte, durfte einen Strohhalm in die Krippe legen. Ziel war es, das Jesuskind zu Weihnachten möglichst weich zu betten – mit Hilfe vieler guter Taten. Den ersten Adventskalender, wie zu erfahren war, druckte der Lithograf Gerhard Lang 1908 in München, dessen Version 24 bunte Bildchen enthielt. Die Schokoladen-Variante des Adventskalenders erschien im Wohlstand der Nachkriegszeit Ende der 1950er Jahre.

    "Echtes" Christkind in der Sonderausstellung

    Weiter wird in der Ausstellung über Bräuche wie den Adventskranz, den Nikolaus oder das Christkind berichtet. Sogar ein "echtes" Christkind kann man in der Sonderausstellung bewundern: eines der "Ginolfser Christkindlich". Die "Ginolfser Christkindlich" war eine Gruppe junger Mädchen, die sich am Heiligen Abend als Christkinder verkleidete und zu den Kindern ging, um sie zu beschenken. Sie waren mit weißen Kommunion- und Hochzeitskleidern ausgestattet, trugen weiße Strümpfe und weiße Handschuhe. Gesicht und Haare wurden durch Vorhangstoff oder Schleier verhüllt. Seit den 1950er Jahren trugen die "Christkindlich" dazu noch Engelshaar und eine Goldpapierkrone auf dem Kopf. Außerdem haben sie Ruten, die früher aus geschälter Birke und später aus Weidenholz waren.

    Besucht wurden alle Häuser in Ginolfs, in denen Kinder bis zum Kommunionalter wohnten. Die "Christkindlich" läuten ihre "Glöcklich", bitten zum Gebet und überbrachten die Geschenke, die von den Eltern bereitgestellt wurden. Auch heute gibt es die "Ginolfser Christkindlich" noch, wenn sie auch nicht mehr wie früher in jedes Haus, sondern nur auf Bestellung kommen.

    Verschiedene Advents- und Weihnachtsbräuche

    Über diese und andere Advents- und Weihnachtsbräuche berichtete Kreisheimatpfleger Reinhold Albert in seinem Gastvortrag zur Eröffnung der Ausstellung. Er spannte den Bogen von der Geschichte des Weihnachtsfestes zum sogenannten "Herrschecloestag" am 6. Dezember. Bis ins 16. Jahrhundert war der höchst populäre Sankt Nikolaus der Gabenbringer. Danach sei der Brauch auch in Rhön-Grabfeld weit verbreitet gewesen. Albert zitierte Berichte aus Hendungen, aus Kleinbardorf, aus Bastheim, aus Unterwaldbehrungen, aus Haselbach (hier inklusive "Zuckermännle") oder aus Ostheim, wo die Paten ihren Patenkindern noch "Reutter" (Reiter) und "Docken" (Puppen) aus Lebkuchen schenkten.

    Weiter führte Reinhold Albert seinen Vortrag zum Brauchtum der "zwölf Heiligen Nächte" zwischen dem alten (25. Dezember) und neuen (6. Januar) Neujahrsfest des Christentums fort. In Rhön-Grabfeld gab es in früheren Zeiten in dieser Zeit unzählige Bräuche, die in den jeweiligen Ortschaften unterschiedlich gehandhabt wurden und die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehört auch Silvester, wo zum Beispiel in Sondernau und in Weisbach die Burschen von Haus zu Haus gingen und das neue Jahr ansangen. Und auch von Traditionen zum Dreikönigstag in Rhön-Grabfeld wusste der Kreisheimatpfleger in seinem Vortrag zu berichten.

    Bräuche sind in Reinhold Alberts Buch nachzulesen

    Viele dieser Bräuche sind in Reinhold Alberts neuem Buch "Silberstrauß und Ringelein, silbern ist das Mägdelein! Bräuche in alter und neuer Zeit in Rhön und Grabfeld" nachzulesen, das im Rahmen der Sonderausstellung im Tabakpfeifenmuseum ebenfalls erworben werden kann.

    Das Erste Deutsche Tabakpfeifenmuseum hat am 21. und 22. Dezember jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch, 25. Dezember, Samstag, 28. Dezember, Sonntag, 29. Dezember, sowie am Mittwoch, 1. Januar, Samstag, 4. Januar, und Sonntag, 5. Januar, jeweils von 13 bis 16.30 Uhr. Auch die Sonderausstellung ist zu den üblichen Eintrittspreisen zu besichtigen.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!