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    Bad Neustadt

    Glosse Aufgespießt: Stade Zeit

    Advent, die Wochen vor Weihnachten, sind eine ganz besondere Zeit im Jahr.
    Adventszeit - stade Zeit? Foto: Monika Skolimowska/dpa

    Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit, die der Bayer oder der Österreicher gerne als die stade bezeichnet. Die stille Zeit also. Sofort entsteht im Kopf das Bild eines knisternden Kaminfeuers, während draußen der Schnee fällt und die Nacht hereinbricht. Mutter zündet die Kerzen am Adventskranz an – eine oder mehrere, je nachdem wie weit der Advent bereits voran geschritten ist. Die Familie versammelt sich freudestrahlend um die illuminierten sattgrünen Tannenzweiglein aus dem Wald, singt eine adventliche Weise, und im Haus duftet es nach Zimt und Nelken oder nach Plätzchen, die schon mal für den Verzehr an den Feiertagen vorfabriziert wurden und natürlich nicht vorher verputzt werden.

    Kitsch

    Ein schönes Bild. Aber warum assoziieren wir das alles eigentlich mit der Advents- oder Vorweihnachtszeit? Haben Sie die gerade beschriebene Szene in den vergangenen Jahren tatsächlich so erlebt? Wenn ja, dann weiß ich nicht, ob ich Sie beneiden soll. Wer will schon in so einem Kitsch leben. Den hat uns doch sowieso nur die Werbung eingeredet. Da gibt es diese heile Vorweihnachtswelt.

    Black Weekend

    Dabei ist die Adventszeit doch ganz anders. Das erste Adventswochenende ist in diesem Jahr gleich das Black Weekend, gefolgt vom Cyber Monday. Billig einkaufen, damit geht der Advent los. Und was kommt dann? Ruhe? Keineswegs. Dann kommen ja die ganzen Adventsmärkte. Und, sind wir mal ehrlich, da geht es natürlich auch nur ums Verkaufen. Immerhin, ein paar wenige schaffen es immer noch, Stimmung und vorweihnachtliches Flair zu verbreiten. Viele andere sind doch nur ein guter Vorwand, endlich einmal gehörig am Glühweinstand  für innere Wärme zu sorgen. Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle aber anfügen, dass manche dieser Märkte halt nur mit einem gewissen Maß an Alkoholischem zu ertragen sind.

    Overkill

    Und dann die Weihnachtskonzerte. Klar, über Geschmack lässt sich streiten, aber dieser musikalisch-adventlich-weihnachtliche Overkill ist nicht immer leicht zu ertragen. An Weihnachten wollen halt alle singen oder in die Tröte blasen, das ist offenbar ein Naturgesetz. Egal wie, auch wenn sie hart werden, durch die kommenden vier Wochen müssen wir durch. Und dann steht auch schon das nächste Gaudium vor der Tür: Fasching. Oh Gott, oh Gott, wo ist der nächste Glühweinstand?

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