• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Glosse: Wenn die Nachbarn die Vorweihnachtszeit ruinieren

    Vor Heilig Abend zur Ruhe kommen? Unvorstellbar. Gerade in Rhön-Grabfeld ging es diese Woche nicht friedlich zu. Von entflohenen Bullen, demolierten Dächern und Falschparkern.
    Ein brennender Weihnachtsbaum (Symbolbild). Foto: Paul Zinken

    In der Vorweihnachtszeit wünscht man sich Ruhe und Besinnlichkeit. Oft vergeblich. In Rhön-Grabfeld ist zumindest in der Woche vor Heilig Abend kein Frieden eingekehrt. Erst musste die Polizei bei Schönau einen entflohenen Bullen erschießen – immerhin war es kein Ochse, sonst wäre der Esel dieses Jahr beim Krippenspiel tierisch einsam. Und dann hat noch ein 81-Jähriger mit seinem Wohnmobil den Dachvorsprung einer Scheune demoliert. Zwar stand diese nicht in Bethlehem, sondern in Urspringen, weihnachtlich geht aber anders. Schließlich ist in keinem Evangelium die Rede davon, dass der Stall, in dem sich Maria und Joseph einquartiert hatten, von einem Pferdegespann gerammt wurde.

    Flucht vor dem Fest mit der Familie? 

    Aber auch wer wie der Verfasser dieser Zeilen in Würzburg lebt, kann sich von der Hoffnung auf Besinnlichkeit vor den Feiertagen verabschieden, gerade in einem Mehrfamilienhaus. Als wäre der normale Ärger mit den lieben Nachbarn – "Sie laufen die Treppe immer sehr laut nach oben!" – nicht genug, beschließt dann die Dame aus dem zweiten Stock zum Beispiel, noch kurz vor Weihnachten auszuziehen. Ob sie vorhat, an einer Volkszählung wie seinerzeit bei Kaiser Augustus teilzunehmen, oder nur vermeiden will, dass sich ihre Familie am Weihnachtsfest wieder zum Gänsebraten einlädt, und deshalb panisch ihren Wohnsitz wechselt, bleibt ein Mysterium.

    Beim Heimkommen spätabends fällt der Blick des Autors auf einen Aushang mit der unmissverständlichen Bitte, böse Zungen sagen Nötigung, am nächsten Morgen alle Parkplätze hinter dem Haus freizuhalten, damit der Umzugslaster direkt vor der Tür halten kann. "Gut, dass mein Parkplatz davon nicht betroffen ist", denkt er sich. Dann dämmert ihm: "Deshalb steht der Mercedes des Nachbarn heute wohl auf meinem Platz." Kurz erwägt man, den Nachbarn aus dem Bett zu klingeln, damit er seine Karre wegfährt, lässt es dann aber bleiben. Es ist ja schließlich bald Weihnachten. Also trampelt man besonders laut die Treppe hoch und fühlt sich dabei schon ein wenig besinnlicher.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!