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    Bad Neustadt

    Günter Grünwald: Nudeln mit Spinat und Urlaub in Afghanistan

    Vom kabarettistischen Hölzchen aufs abstruse Stöckchen. Günter Grünwald in der Stadthalle in Bad Neustadt. Foto: Stefan Kritzer

    Nicht alle Auftrittsorte für Kabarettisten sind gleich schön. Manche sind auch ziemlich grausig, weiß Günter Grünwald. Der Kabarettist aus Ingolstadt trat zum wiederholten Male in der Stadthalle vor großem Publikum auf. In der neuen Halle sei es "schee", wie er nicht zu betonen vergisst. Und weil es in der Stadthalle so "schee" war, gönnte sich Grünwald einen seiner typisch launigen Abende. Sehr zur Freude des Publikums.

    "Bad Neustadt, das Zentrum des Universums"

    Ob er das mit der "scheenen" Stadthalle so wirklich ernst meint, da kann man bei Günter Grünwald nie so ganz sicher sein. Wir gehen mal davon aus, denn ohne Zweifel hatte Grünwald einen schönen Abend und das Publikum jede Menge zu lachen. Und schließlich ist es ja nicht so wie anderswo, wenn Schweine aus dem Stall getrieben werden, damit der Kabarettist auftreten kann. Nein, nicht in "Bad Neustadt, dem Zentrum des Universums" ("Morgen spiele ich in Augsburg, da erzähle ich den gleichen Schmarn!").

    Günter Grünwald bleibt der Meister des Alltäglichen, dass er wie kein Zweiter in abstruse und groteske Entgleisungen zu führen weiß. Aus dem was er Tag für Tag erlebt nimmt Grünwald die Inspiration für seine Auftritte. "Definitiv vielleicht" ist so eine Inspiration. Diese Antwort erhielt er nämlich, nach eigener Aussage, auf die Frage an einen Freund, ob dieser zu seiner Geburtstagsfeier kommen wolle. "Definitiv vielleicht" ist ein zu diesem Programm überaus passender Titel, denn Grünwald gleitet ständig ab vom Konkreten ins Vage, von der Alltagserzählung hin zum albernen Quatsch. Da werden aus den raffinierten "Tagliatelle con Spinaci" beim Nobelitaliener eben einfache Nudeln mit Spinat.

    Mal Urlaub machen in Afghanistan

    Noch besser wird der Grünwald aber, wenn er seine Geschichten und Geschichtchen in irgendwelche Abgründe laufen lässt, die genauso abstrus wie unendlich witzig sind. Weil er keinen Kampfbomberführerschein bei der Fahrschule machen kann, trägt sich Günter Grünwald schon mal mit dem Gedanken, Lenkwaffen ans Mofa zu schrauben. So für den Alltag halt. Und mal Urlaub machen in Afghanistan oder Nordkorea ist doch auch wie auf Hawaii.

    Immer noch besser als am Nikolaustag zu Hause zu sein. Schließlich kommt da Tante Lisbeth zu Besuch und nimmt ihre sabbernde Dogge mit auf sein Sofa. Ja, der Grünwald kann auch schon mal unappetitlich, aber das gehört bei ihm einfach dazu, ist ja auch nicht böse gemeint. Na ja, obwohl. Bei Günter Grünwald kann man da nie so ganz sicher sein, weil er immer so herzig zu erzählen weiß.

    Nur ganz selten kocht der Zorn hoch

    Nur ganz selten kocht der Zorn in ihm hoch und zieht eine Schimpfkanonade nach sich. Aber wie gesagt, nur selten. Viel lieber hält sich Grünwald innerhalb seiner irrwitzigen Gedankenspiele auf: Wie heißt der Sohn von Starpianist Lang Lang? Lang. Der Enkel? Halblang. Der Großvater? Verdammt lang her. "Eines konnte ich schon immer", bekennt Günter Grünwald ganz offen, "die Leute schwindlig quatschen!" Dafür gab es minutenlangen jubelnden Beifall in der Stadthalle.

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