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    Mellrichstadt

    Heimatmuseum um eine weitere Attraktion reicher

    Die neueste Errungenschaft im Heimatmuseum: Rudolf Mauder (links) war hoch erfreut über diesen Vogelkäfig, den ihm Gerhard Schätzlein aus Willmars überlassen hat. Foto: Brigitte Gbureck

    Rudolf Mauder und Gerhard Schätzlein hatten in das Mellrichstädter Heimatmuseum eingeladen, um die neue Museumssaison zu eröffnen. Dabei konnten sie mit einem alten Vogelkäfig eine weitere Attraktion vorstellen.

    Zur Vorgeschichte: Die Rhön, das "Land der armen Leute", wie sie auch genannt wurde, war früher ein bitter armes Land. Es gab kaum Bodenschätze, die Leute mussten von dem leben, was ihnen der karge Boden gegeben hat, wusste Rudolf Mauder. Je höher man rauf in die Rhön kam, umso hoffnungsloser wurde die Situation. Man fing an, Flachs anzubauen, der wuchs noch auf diesen erbärmlichen Äckern, er wurde dann zu Leinen verarbeitet. Aus Holz wurden Rührlöffel oder Holzschuhe und andere Gebrauchsgegenstände hergestellt. Die Rhön brachte aber auch viele künstlerisch Tätige hervor. Man sammelte, was man im Wald finden konnte: Kräuter oder Beeren.

    Singvögel als Zeitvertreib

    Viele Bewohner waren auch Vogelfänger. In der Zeit, wo es weder Radio noch Fernsehen gab, waren die Singvögel ein beliebter Zeitvertreib im Haus. Mit der Zeit war der Bestand der Gesangvögel aber so zurückgegangen, dass man anfing, selbst Vögel zu halten und zu züchten. In irgendeiner Weise wurden die Tiere abgerichtet, dass sie teilweise sogar Namen sagen konnten - so, wie man es heute mit Papageien macht. Besonders begabt war der Zeisig. Vor 20 Jahren hat Gerhard Schätzlein in der "Rhönwacht" einen Artikel über die Vogelzucht in der Rhön geschrieben. In seiner Zeit als Bürgermeister von Willmars konnte er das leer stehende Haus der Familie Stadtler, das direkt gegenüber dem Eingang des Rathauses am Kirchberg liegt, ersteigern.

    Gemeinsam mit einem Gemeinderat hat er auf dem Dachboden einen zusammengelegten Webstuhl gefunden und unter anderem einen Vogelkäfig. So richtig wusste er aber damit nichts anzufangen. Als er vorletztes Jahr durch sein neues Buch vom "Sulzgau" wieder auf das Thema gestoßen ist, erinnerte er sich an den Vogelkäfig und holte ihn vom Dach. Aber was damit machen? Ihn vielleicht in ein Museum geben? Auf seinen entsprechenden Artikel hin habe sich als erste Dr. Astrid Hedrich-Scherpf von der Kulturagentur gemeldet und angeboten, den Käfig im Rhönmuseum unterzubringen. Er sollte ihn aber erst mal nach Bad Neustadt in ein Depot bringen. Das aber wollte er nicht. Da habe er Rudolf Mauder angerufen, der sich den Vogelkäfig angeschaut hat und sofort begeistert war.

    Käfig mit viel Arbeit auf Vordermann gebracht

    Im obersten Stock des Salzhauses, in der Abteilung "Flachs und Leinen", wurde ein schwerer Schrank von den städtischen Arbeitern ins untere Stockwerk transportiert und so ein angemessener Platz für den Käfig geschaffen. Mauder hatte das Objekt gereinigt und auf Vordermann gebracht, ohne dass an der Sache selbst etwas verändert wurde, lobte Gerhard Schätzlein. Er hätte sehr viel Zeit reingehängt, damit der Käfig aussieht, als wäre er in seinem ursprünglichen Zustand. Der Platz sei sein allergrößtes Problem gewesen, meinte Mauder dazu, zuerst wollte er ihn in der Scheune an der Wand anbringen, bis er auf die Idee kam, dass er ja zum Thema Flachs, einem ganz speziellen Rhöner Thema, passt. 

    Zum Vogelkäfig selbst: Viel Mühe wurde beim Bau darauf verwendet. Da ist ein Futterkasten zum Rausziehen, ein Wassernapf, Nester zum Eierlegen, geflochten aus Reisig und mit Lappen ausgepolstert und neun Einzelkäfige. Immer ein Pärchen wurde zusammen reingesperrt und dann auf Nachwuchs gewartet. Er war seinerzeit im Wohnzimmer aufgestellt, das als einziges noch Platz bot. Manchen wurden die Flügel gestutzt, sie sind dann im Wohnzimmer umher gelaufen. Fütterung war unter den zwei Bettstellen im Zimmer. In der Ecke hinter dem Ofen stand ein Tannenbäumchen zum Aufsitzen.

    Mauder sucht langsam einen Nachfolger

    Nachdem Rudolf Mauder mit dem Vogelkäfig die neueste Errungenschaft im Heimatmuseum vorgestellt hatte, erklärte er anschließend die Museumssaison für eröffnet. Wie er erklärte, wolle er zwar nicht aufhören, sei aber ernstlich daran interessiert, jemanden in die Materie einzuweisen, um die Verantwortung Schritt für Schritt abzugeben. Er sichert aber seine Mitarbeit weiter zu. 36 Jahre hat er das Museum erfolgreich aufgebaut. Seine Idee ist es, das Innenleben der früheren Häuser auszustellen, während im Freilandmuseum in Fladungen die Häuser selbst im Fokus stehen.

    Auch an die Anfänge des Salzhauses (Heimatmuseum wurde es erst später genannt) erinnerte er sich. Der damalige Bürgermeister Oskar Herbig hatte zusammengetragen und zusammentragen lassen, was immer er gefunden hat. Wenn ein Gebäude zum Abbruch freigegeben war, hat er seine Mannen hingeschickt, die vieles mitgebracht hatten, das wurde dann im Salzhaus gesammelt. Mauder traf hier zufällig mit Herbig zusammen und meinte, dass das kein Museum, sondern eine Gerümpelkammer sei. Es müsste beschildert, inventarisiert und geordnet werden. Auf ihn deutend, ließ Herbig folgenden Spruch in fränkischer Mundart los: "Die Schulmester mit ihrem Halbtagsjob, das wär doch was für Sie". Und das war tatsächlich die Initialzündung für Rudolf Mauder.

    Als gebürtiger Mellrichstädter hat ihn schon immer jeder alte Stein interessiert. Der damalige Pfarrer Karl Dietz hat die jungen Burschen durch ganz Mellrichstadt geführt und für die Geschichte Mellrichstadts sensibilisiert. Mauder hat dann versucht, Ordnung zu schaffen und ist seit Jahrzehnten, immerhin 36 Jahre, immer noch dabei, das Museum gestalterisch weiterzuführen.

    Als neueste Errungenschaft - neben dem Vogelhaus - hat er einen Schweinestall im Hof, der in der Wirthsgasse 9, Eckhaus zur Bauerngasse, stand. Den hat er im letzten Moment vor dem Abbruch gesehen, hat Teile gerettet und ihn im Museumshof aufbauen lassen.

    Bis einschließlich Oktober sind die Besuchszeiten wie gewohnt, und zwar samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 11 bis 12 Uhr sowie Gruppen nach Vereinbarung. Anmeldung bei Rudolf Mauder unter Tel.: 09776/1484 oder beim Aktiven Mellrichstadt unter Tel.: 09776/9241. Der reguläre Besuch ist kostenlos, Führungen (ab zehn Personen) kosten 25 Euro.

    Als hätte er schon immer hier gestanden: eine weitere Attraktion auf dem Museumsgelände ist der Schweinestall, den Rudolf Mauder gerade noch gerettet hat, als das Haus Nr. 9 in der Wirthsgasse, in dem ehemals Theresia Glatzel gewohnt hatte, abgerissen wurde. Foto: Brigitte Gbureck

    Bearbeitet von Brigitte Gbureck

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