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    Hendungen

    Hendungen: Alarmzeichen eines gestressten Waldes

    Was der Borkenkäfer an Schäden angerichtet hat, konnten die Hendunger Gemeinderäte sehr anschaulich im Rappershäuser Bauholz betrachten. Das Totholz, welches der Käfer schon wieder verlassen hat, soll nun der Natur zur Selbstverwertung überlassen werden. Erfreulicherweise hat am Boden schon eine Naturverjüngung eingesetzt. Foto: Georg Will

    Ein Waldspaziergang ist eine herrlich entspannende Angelegenheit, eine Waldbegehung mit einem Förster dazu noch hoch interessant und sehr lehrreich. Wenn heutzutage ein Gemeinderat mit dem Förster eine Waldbegehung vornimmt, dann treibt das den Volksvertretern regelmäßig die Falten in die Stirne und verlangt umsichtige nachhaltige Zukunftsentscheidungen in Sachen Waldbewirtschaftung – sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus biologischer Sicht.

    Der Hendunger Gemeinderat einschließlich seiner drei Gemeindearbeiter besichtigte drei Waldabschnitte im "Weigler" und eine Schadholzsektion im Rappershäuser "Bauholz" bei der Kläranlage. Die beiden Forstfachleute, Forstdirektor Hubert Türich und Förster Matthias Schlund vom AELF Bad Neustadt (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), kennen den Hendunger Wald sehr genau und sind trotz aller Schadens- und Katastrophenmeldungen immer noch vorsichtig optimistisch. Denn der Zustand des Waldes sei im Vergleich zu anderen Lagen immer noch gut dank der klugen Anbauweise und Pflege der Vorfahren.

    Massive Schäden durch hohe Temperaturen

    Die beiden Trockenjahre 2018 und 2019 haben in den Rhön- und Grabfelder Wäldern massive Schäden verursacht, weil nicht nur das Wasser fehlte, sondern die hohen Temperaturen zu einer enormen Borkenkäfervermehrung führten, vor allem Buchdrucker und Kupferstecher. Weil sie Rindenbrüter sind und sich vom Lebenssaft der Bäume ernähren, führt deren starke Vermehrung bei diesen Bedingungen zum Absterben vieler Bäume, vorrangig der Fichte. Türich fasste das in dem Satz zusammen: "Der Wald ist gestresst."

    Die Schadensbilanz ist bayernweit enorm. Sogenanntes "Käferholz" wird deshalb notgedrungen in Massen eingeschlagen und führte dazu, dass der Holzpreis auf ein unwirtschaftliches Niveau sank. Das heißt, dass Holzeinschlags-, Rücke- und Transportkosten bei der Fichte schon höher sind als die zu erwartenden Verkaufserlöse.

    Deshalb kam man bei der Schadenslage im Rappershäuser Bauholz (Aspig) auf Empfehlung der Fachleute zu dem Beschluss, noch befallene Bäume zu entnehmen und das Totholz stehen zu lassen, denn am Boden hat bereits eine natürliche Verjüngung eingesetzt mit Sprösslingen verschiedener Laubbaumarten. Der Borkenkäfer ist aus den vertrockneten Bäumen größtenteils schon wieder ausgezogen und hat entweder neue Baumquartiere gesucht oder verkriecht sich im Boden, weil er unter 15 Grad Celsius den Winterschlaf einlegt. Man wird sein weiteres Auftreten im Frühjahr beobachten und Maßnahmen ergreifen müssen, die seine Vermehrung im kommenden Jahr eindämmen.

    Monokulturen ohne nachhaltige Zukunftschancen

    Im Weigler waren die Waldbegeher in den Abteilungen "Brünnleinsrain", "Gern" und "Grieshauk" unterwegs. Im dortigen Mischwald findet man zwar auch allerlei geschädigtes Holz, aber es waren dennoch einige positive Entwicklungen erkennbar. Begünstigt durch eine reiche Eichelmast hat bereits eine Naturverjüngung eingesetzt. Zahlreiche Sprösslinge sind in Lichtungen und unter altem Baumbestand im "Brünnleinsrain" und in anderen Waldabteilungen zu sehen. Aber nicht nur Eichen, sondern auch andere Laubbäumchen sprießen aus dem Waldboden.

    Die Fachleute sind sich einig, dass Monokulturen keine nachhaltigen Zukunftschancen haben werden und setzen voll auf Mischwald. Das fördert die Vielfalt und den Artenreichtum, stabilisiert die Waldstruktur und streut das wirtschaftliche Risiko. Die Folgen der Klimaveränderung werden voraussichtlich die Fichte in den mittleren Lagen aussterben lassen. Sie wird sich in höhere und kühlere Lagen zurückziehen. Man hofft aber, dass die anderen Nadelhölzer erhalten werden können.

    In den letzten Jahren wurden deshalb schon viele Mischkulturen neu angelegt sowie regionsuntypische Baumarten versuchsweise angepflanzt, die höhere Temperaturen vertragen. In der Waldabteilung "Gern" wurde eine Gruppe übermannshoher Esskastanien besichtigt, die dort seit fünf Jahren im Ensemble mit sechs anderen Baumarten stehen und sich gut entwickelt haben. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den traditionellen einheimischen Baumarten. Noch heuer soll ein Versuch mit Mammutbäumen gemacht werden, ein aus Kalifornien stammendes Weichholz (Redwood). Einige Setzlinge konnte Förster Schlund den Gemeinderäten bereits präsentieren.

    Waldpflege soll wieder forciert werden

    In der Waldabteilung "Grieshauk", die viel Eichenaltbestand hat, wurden nicht nur die Naturverjüngung mit Mischkulturen, sondern auch Beispiele für Naturschutz gezeigt. Dort wurden einzelne Alteichen markiert, die stark geschädigt, aber wirtschaftlich nicht verwertbar sind. Weil sie Naturschutzfunktionen erfüllen, indem sie zahlreichen Vögeln und Insekten als Lebensraum dienen. Sie gelten als Biotopbäume.

    Noch im Wald beschlossen die Räte, dass in der Waldabteilung "Sauklinge" drei Hektar Eichenbestand verjüngt werden, wozu ein gewisser Eichenhieb erfolgen muss. Außerdem soll nach den wetterbedingt notwendigen Aufarbeitungen der letzten Jahre die etwas vernachlässigte Waldpflege wieder forciert werden.

    Am Rande des "Grieshauk" konnten sich die Räte davon überzeugen, dass dort ein Stück Waldweg erneuert und im Privatwald herumliegender Altzaun entsorgt werden muss. An die Privatwaldbesitzer erging der Appell, ihren Bestand regelmäßig zu kontrollieren, vom Borkenkäfer befallene Bäume zu entnehmen und beim Herausholen die Rückegassen nicht zu verlassen, um den empfindlichen Waldboden nicht mit ihren schweren Fahrzeugen zu verdichten.

    Förster Matthias Schlund zeigte an diesem verdorrten Stamm und seiner Rinde, dass hier der Borkenkäfer mangels Nahrung schon wieder ausgezogen ist. Sein Auftreten muss weiter überwacht und bekämpft werden. Foto: Georg Will

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