• aktualisiert:

    Hendungen

    Hendungen: Eine Braut mit 250 Jahren

    Der Hendunger Wertholzplatz neben der Autobahn liegt günstig und ist daher bei Bietern beliebt. Foto: Eckhard Heise

    Es war etwa zu der Zeit, als Goethe, Schiller und Napoleon das Licht der Welt erblickten. Da begann in der Nähe des heutigen Sambachshof eine Eichel im Boden zu keimen. Aus dieser erwuchs ein Baum, der jetzt von einem Werber zur "Braut von Hendungen" erkoren wurde. Das Privileg hatte die Eiche einem Rekordgebot von 1544 Euro je Festmeter zu verdanken.

    Die "Braut" in der Mitte: Über den Titel freuen sich Bad Königshofens stellvertretender Bürgermeister Philipp Sebald, Forstwirt Frank Nieder, Lothar Kuhn vom Bauhof Bad Königshofen, Roland Warmuth, Jörg Mäckler und Revierleiter Herbert Kießner. Foto: Eckhard Heise

    Äußerst zufrieden zeigt sich Jörg Mäckler, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld, mit dem Ergebnis der Versteigerung auf dem Wertholzplatz nahe der Autobahnausfahrt zur Gemeinde Hendungen. 155 Stämme waren auf dem Gelände aufgelegt und bis auf wenige Kirschbäume komplett verkauft worden. Unter den sieben unterfränkischen Konkurrenten erzielte der Wertholzplatz von Hendungen mit einem Durchschnitt von 742 Euro je Festmeter das beste Ergebnis, berichtet Mäckler. Der teuerste Stamm mit einem Erlös von 2684 Euro kam aus dem Gemeindewald von Sulzdorf und war ebenfalls eine Eiche.

    Französische Firmen zeigen großes Interesse

    "Eiche ist überhaupt der Renner", erklärt Mäckler. Einerseits wird sie in der Möbelindustrie nach wie vor geschätzt – das Höchstgebot kam von einem Furnierhersteller aus der Region. Andererseits wird sie immer mehr im Fassbau zur Lagerung von Rotwein eingesetzt. Vor allem französische Firmen zeigen in dieser Hinsicht Interesse und steigen dabei auch mit hohen Geboten in die Auktion ein. Über die Hälfte des Holzes geht nach Frankreich. Entsprechend der Nachfrage bestand das Angebot auf dem Lagerplatz zu mehr als 90 Prozent aus Eiche, die zu einem großen Teil aus Hendungen stammt. Zusammen brachte das ersteigerte Holz des Platzes einen Erlös von 130 000 Euro.

    Das große Interesse an der Eiche ist auch ein Segen für die ohnehin stark gebeutelte Forstwirtschaft – in mehrerlei Hinsicht. "Eiche scheint offensichtlich mit dem Klimawandel noch am besten zurecht zu kommen", meint Mäckler. Das lässt sich daran erkennen, dass die Eiche in diesem Jahr trotz der Trockenheit ihre Blätter zuletzt abgeworfen hat, was darauf hindeutet, dass ihre langen Wurzeln in der Lage sind, noch aus der Tiefe des Bodens Wasser aufzunehmen. Das Wachstum sei aber reduziert.

    Die zwei Vierbeiner tollen lieber, als Interesse an den Bäumen zu zeigen. Foto: Eckhard Heise

    Andererseits treten vermehrt Insekten als Schädlinge auf. Befallene Bäume seien dann als hochpreisiges Wertholz für Einkäufer nicht mehr interessant.

    Spitze des Holzpreises wohl erreicht

    Mäckler vermutet, dass aber jetzt die Spitze des Holzpreises erreicht sei, da dieser sich nun schon seit einigen Jahren auf dem Niveau bewegt. "Vor 20 Jahren war das mal anders, da war Eiche völlig aus der Mode und die Preise entsprechend niedrig."

    Um gute Preise zu erzielen, muss die Ware aber auch gut präsentiert werden. Dafür ist Roland Warmuth verantwortlich. Er sorgt für den rechtzeitigen Transport der Stämme, die vier Wochen lang von den Bietern in Augenschein genommen werden können. Entsprechend hoch ist auch der Druck auf die Waldeigentümer, die das Holz pünktlich einschlagen und bereit legen müssen. Dafür haben sie eine gute Chance, hohe Preise zu erzielen, denn der Wertholzplatz sei auch dank seiner günstigen Lage bei den Einkäufern nach wie vor äußerst beliebt, versichert Mäckler. "Die 25 Euro, die je Festmeter für Transport und Lagerung vom Gewinn abgehen, sind gut angelegtes Geld."

      

    Noch einmal wird die Front abgeschritten, ehe das verkaufte Holz von seinen neuen Eigentümern abgeholt wird. Foto: Eckhard Heise

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!