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    Bad Neustadt

    Hilft Zähne putzen gegen Corona?

    Sophie van Dijk (rechts) und Martin Polman (links) von der niederländischen Gum Care Companion demonstrieren in der Dentamedic-Praxis von Dr. Harald Streit (zweiter von rechts) neue Möglichkeiten in der Zahnbehandlung, um Infektionsrisiken zu minimieren.
    Sophie van Dijk (rechts) und Martin Polman (links) von der niederländischen Gum Care Companion demonstrieren in der Dentamedic-Praxis von Dr. Harald Streit (zweiter von rechts) neue Möglichkeiten in der Zahnbehandlung, um Infektionsrisiken zu minimieren. Foto: Stefan Kritzer

    Es ist eigentlich naheliegend: Wenn sich das Coronavirus erst im Mund- und Rachenraum ansiedeln muss, um von dort sein zerstörerisches Werk zu beginnen, dann könnte mehr Mundhygiene eine Ausbreitung des Virus beeinträchtigen, verzögern oder im besten Falle sogar verhindern. Für Zahnarzt Dr. Harald Streit und die Zahnärzte des Dentamedic-Teams ist es wichtig, auf dieses selbst für Laien einleuchtende Faktum hinzuweisen. Eine konsequente Mundhygiene könnte eine entscheidende und wirksame Hürde gegen eine mögliche Ausbreitung der Infektion mit dem Virus darstellen, ist der Zahnarzt überzeugt. Ihre Patienten weisen sie gerade jetzt ausdrücklich auf die Bedeutung der Mundhygiene hin.

    Streit wünscht sich darüber hinaus eine Diskussion unter Medizinern, um diesen wie auch weiteren wichtigen und weniger bekannten Aspekten im Kampf gegen das Coronavirus mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Virologen und Politiker predigen in der Corona-Krise tagtäglich mögliche Schutzmaßnahmen: Nicht die Hände schütteln, regelmäßig Hände waschen, Abstand halten, desinfizieren, Mund-Nase-Maske tragen. Aber Zähne putzen? Das findet sich noch nicht unter den möglichen bekannten Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus.

    Maßnahmen zur Optimierung der Mundhygiene sind wichtiger denn je

    Für Zahnarzt Dr. Harald Streit ist dies jedoch völlig unverständlich. Schließlich nistet sich das neuartige Virus nach heutigem Stand der Wissenschaft zuerst im Mund- und Rachenraum ein. Wenn dort also mit den bekannten Mitteln wie Zahnbürste und Zahnpasta und am besten noch mit einer Mundspülung für eine wirksame Mundhygiene gesorgt ist, kann dem Virus schon mal eine vielleicht entscheidende Hürde entgegengestellt werden. Stimmt hingegen die Mundhygiene nicht, leidet der Patient obendrein unter Karies und Parodontitis, haben Krankheitserreger leichteres Spiel. "Dann stehen Viren und Bakterien Tür und Tor offen", formuliert es Streit deutlich.

    Der Zahnarzt weist auf eine Pressemitteilung der Deutschen Mundgesundheitsstiftung hin. Diese hat erste Auswertungen wissenschaftlicher Untersuchungen aus dem Corona-Ursprungsland China analysiert. "Eine wirkungsvolle Barriere durch die Mundschleimhaut und ein intaktes orales Immunsystem sind enorm wichtig zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2", wird ein aktuelles Statement chinesischer Wissenschaftler zitiert. "Maßnahmen zur Optimierung der Mundhygiene sind deshalb vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wichtiger denn je, und die Kenntnis der oralen Immunabwehr steht dabei an erster Stelle", heißt es in der Pressemitteilung.

    Kampf gegen Viren in Zahnarztpraxen kein Neuland, sondern Alltag

    Der Status der Mundgesundheit lässt sich binnen Minuten durch einen Speicheltest auf den Biomarker aMMP8 diagnostizieren. Dieser Biomarker ist für die Degeneration des Zahnhalteapparates verantwortlich, gibt Auskunft über die Barrierefähigkeit der Mundhöhle und kann zudem einen Rückschluss auf die Risikoeinschätzung für die allgemeine Gesundheit geben. Zähneputzen, Mundhygiene und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt können folglich das Ansteckungsrisiko mit Corona verringern.

    "Wir erleben immer wieder verunsicherte Patienten", weiß Streit aus dem derzeitigen Praxisalltag. Kann man in Corona-Zeiten noch zum Zahnarzt gehen? Unbedingt, sagt das Dentamedic-Team. Schließlich ist der Kampf gegen Viren, Bakterien und Krankheitserreger in Zahnarztpraxen kein Neuland, sondern Alltag. Gegen HIV oder Hepatitis muss sich jedes Zahnarztteam und auch die Patienten schützen und damit umzugehen wissen. Der Arbeits- und Patientenschutz wird seit vielen Jahren in Zahnarztpraxen nach RKI-Richtlinien angewendet. Jetzt heißt das aktuelle Virus eben Corona.

    Dentamedic setzt auf neuartige Schnelltests und Prophylaxegeräte  

    Um sicherzugehen, dass kein Teammitglied von Dentamedic infiziert ist, setzt die Praxis auf einen neuen Antikörper-Schnelltest der Universität Jena. Schon nach zehn Minuten liegt hier das Ergebnis vor. Dieser Schnelltest ist aber noch nicht für alle Menschen verfügbar. Und auch der Schutz vor Aerosolen, die bei der Behandlung der Zähne wie ein Sprühnebel den Mundraum und die Umgebung in der Zahnarztpraxis füllen und somit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für das Zahnarztpersonal bedeuten, wird bei Dentamedic vorangetrieben. Hier testet die Praxis ein neuartiges aerosolfreies Prophylaxegerät , das die Verteilung potentieller Viren minimieren soll.

    Für Streit steht fest, dass im Kampf gegen das Coronavirus der Fokus verstärkt auf die Mundhygiene gelegt werden muss. Bei guter Mundhygiene hat es das Virus nicht so leicht, sich im Mund- und Rachenraum festzusetzen. Dentamedic möchte mit der Betonung der Wichtigkeit für mehr Mundhygiene einen ersten Schritt nach vorne tun, um damit mehr Mediziner aufzufordern, ihre Erkenntnisse im Kampf gegen das Coronavirus kundzutun. "Ich wünsche mir eine breite Diskussion auch aus der regionalen Medizin", so Streit.

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