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    Ostheim

    Historienspiel Ostheim: Die Kirchenburg als Zufluchtsort

    Die Nachricht von dem ankommenden Söldnerheer sorgt bei den Bürgern, die sich in der Kirchenburg verschanzt haben, für Panik. Foto: Eva Wienröder

    Herzstück des großen Historien-Wochenendes des Vereins Freunde der Kirchenburg bildete wieder das Theaterstück „Kroatensturm auf die Kirchenburg“. Am Originalschauplatz gab die Laienspielgruppe unter der Leitung von Sonja Kovacevic Samstag und Sonntag insgesamt fünf Vorstellungen. Sie ließ längst vergangene Zeiten lebendig werden, indem sie die Besucher in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges entführte.

    Es war beeindruckend authentisch, was die Kirchenburgfreunde da auf die Beine gestellt hatten. Von der Kleidung (Ingrid Metz hatte nahezu die komplette Kostümierung selbst genäht) bis hin zu den kleinsten Requisiten - bis ins Detail sollte alles stimmig sein. Und dazu die historische Kulisse im Malerwinkel im Kirchhof am südöstlichen Eingang der Kirchenburg. Hier hatte einst im Jahr 1634 tatsächlich der Einfall des von Oberst Corpes angeführten kroatischen Heeres stattgefunden. Direkt am Ort des damaligen Geschehens wurde Geschichte zum Greifen nah und die Ereignisse hautnah erlebbar.

    Angst und Schrecken: Ostheimer Frauen und Kinder flüchten vor den Kroaten. Foto: Eva Wienröder

    Bemerkenswert war auch, wie die Darsteller in ihren Rollen aufgingen und die verschiedenen Charaktere wiedergaben. Mehr als 30 Akteure wirkten in dem Stück mit. Darunter viele bekannte Gesichter, hat sich doch inzwischen ein fester Stamm an Theaterleuten formiert, und auch wieder ein paar neue. Anzumerken ist dabei, dass sich in Kovacevics Truppe auch viele junge Leute und Kinder zusammengefunden haben und mit großer Begeisterung bei der Sache sind.

    Die Kirchenburg als Zufluchtsort

    Die Kirchenburg war schon immer Zufluchtsort. Dies war auch im Dreißigjährigen Krieg so, der im evangelischen Ostheim mit seiner Zugehörigkeit zum Großherzogtum Sachsen nicht spurlos vorüber ging. In dem spannenden Theaterstück, das bei den Historien-Festen 2014 und 2016 schon auf ein großes positives Echo bei den Besuchern gestoßen war und für das die Kirchenburgfreunde im vergangenen Jahr mit dem „Heimatpreis Unterfranken“ ausgezeichnet worden sind, werden in zwei Szenen die historisch belegten Vorkommnisse des Kriegsjahres 1634 aufgegriffen.

    Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse vom 18. September 1634, als das gefürchtete kroatische Söldnerheer mit einem Trupp von 400 Würzburgischen Nachbarn in das protestantische Ostheim einfällt und den Schrecken über die Stadt bringt. Eine kleine Gruppe mutiger Ostheimer Männer, darunter Schulmeister Strahm und Bürgermeister Heim, hatten sich dem 1000 Mann starken Heer entgegengestellt und versuchten so, ihre geliebte Kirchenburg zu retten.

    Sturm auf die Kirchenburg: Beim Theaterstück wird der blutige Überfall der Kroaten auf Ostheim im Jahr 1634 eindrucksvoll nachgestellt. Foto: Eva Wienröder

    Drehbuch nach historischen Dokumenten

    Der inzwischen pensionierte frühere Ostheimer Pfarrer Christian Schümann hat vor ein paar Jahren auf Grundlage von Aufzeichnungen, insbesondere anhand von Dokumenten, die im Turmknopf der Kirche St. Michael über die Jahrhunderte erhalten geblieben sind, das Drehbuch für den "Kroatensturm auf die Kirchenburg" geschrieben. Das Stück beruht auf wahren Begebenheiten. 

    Dem Zuschauer wird in dieser kleinen Episode - nicht zuletzt Dank der großartigen schauspielerischen Leistungen der Darsteller und durch die kurzen Erzählpassagen der Regisseurin zwischen den beiden Szenen und am Ende der Vorstellung - die Tragik der Ereignisse, und wie schlimm Kriege zu allen Zeiten schon waren, sehr wohl vermittelt.

    Oberst Corpes und seine Mannen plündern die Vorräte, die die Ostheimer in der Kirchenburg gehortet haben. Foto: Eva Wienröder

    Am Ende des Stückes steht dann auch die Klage darüber, warum die Menschen nicht aufhören, Krieg zu führen und die nachdenkliche Frage, wann sie endlich klüger werden. Das sind Gedanken, die über die Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tage fortwährend aktuell geblieben sind und die Menschheit angesichts der vielen Unruhen in aller Welt leider auch in der Zukunft nicht loslassen werden.

    Ingrid Metz ist das Herz des Spektakels

    Das Stück hat zweifellos einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum hinterlassen, wie von vielen Besuchern nach den Vorstellungen zu hören war. Die Akteure der Laienspielgruppe und Regisseurin Sonja Kovacevic hatten sich viel Applaus verdient. Reichlich Applaus gab es auch für Drehbuchautor Christian Schümann, der zum Historien-Wochenende extra nach Ostheim gereist war, und für Ingrid Metz. Kovacevic bezeichnete Metz aufgrund ihres Engagements als das "Herz des ganzen Spektakels". Sie wollte es nicht versäumen, Ingrid Metz und ihrem Mann Burkard und allen, die sich so tatkräftig für das Fest engagiert haben, Dank auszusprechen. Schließlich steckt hinter dem ganzen Wochenende die Arbeit von Monaten.

     

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