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    Irmelshausen

    Historische Fotos der Grenzanlagen heute nachfotografiert

    Der Fotograf Johannes Kiefer hier am ehemaligen Wachturm in Gompertshausen. Reste des Grenzzaunes erleichterten die "Überblendung" vom historischen zum heutigen Bild. Foto: Hanns Friedrich

    Ein Fotoapparat, Stativ, Laptop und alte Bilder aus der Zeit, als sich die Grenze zur DDR öffnete. Das war für den Fotografen Johannes Kiefer aus Würzburg das notwendige Arbeitsmaterial. Wozu aber einen Laptop und was hat es mit den alten Bildern auf sich? Das Geheimnis lüftete Johannes Kiefer schnell: "Ich habe den Auftrag Fotos von verschiedenen Stellen an der einstigen Grenze zu fertigen und dabei die historischen und die neuen Ansichten übereinander zu legen." Deshalb der Laptop. Dort waren die entsprechenden alten Bilder bereits eingespielt. Jetzt ging es darum, die Bilder aus derselben Position wie damals heute noch einmal zu machen. Eine nicht ganz einfache Sache, aber letztendlich klappte alles.

    Bäume stehen im Weg

    Von wo aus wurde die Aufnahme denn gemacht und wo sind wir hier eigentlich? "Hier war einmal die Grenze, dort das Tor, das man auf dem schwarz-weiß Foto sieht, dahinter ist der große Wachturm zu sehen und der Kirchturm von Gompertshausen, war die Erklärung dazu. Von da in etwa müsste das Bild gemacht worden sein. Allerdings sieht man nun den Wachturm nicht mehr, denn wo heute Bäume stehen, waren nur ein paar Büsche, ansonsten freies Schussfeld für die Kamera. Aber dahinter der Kirchturm passte und auch ein landwirtschaftliches Gehöft. "Ja, so könnte es gewesen sein," sagt Johannes Kiefer und drückt auf den Auslöser. Der Vergleich mit dem Bild zeigt, dass es nicht passt. "Ich muss noch ein Stückchen nach rechts, dann könnt es klappen. "Genau, so war's richtig."

    Verkehr als Fotografier-Hindernis

    Was zunächst einfacher schien, nämlich den Wachturm aus der Nähe, in Richtung Westen zu fotografieren, war dann ein Problem. Turm und Zaunreste waren noch vorhanden, auch der Erdbunker, in dem die Soldaten waren. Aber dort gab es ein Lüftungsrohr und das wollte und wollte nicht mit dem Bild überein stimmen. Mitten auf der Straße ist das Bild damals entstanden, aber das war heute ein Problem, denn die Straße von Alsleben nach Gompertshausen ist stark frequentiert. Also: Kamera aufbauen, einstellen, mit dem Bild auf dem Laptop vergleichen, etwas verschieben - so könnte es passen, wenn nicht wieder mal ein Auto gekommen wäre. Dann aber war auch dieses Bild "geschossen" und es ging weiter nach Irmelshausen.

    "Ja, so könnte es gewesen sein,"
    Johannes Kiefer nach erfolgreicher Suche
    Der Fotograf Johannes Kiefer hier in Gompertshausen. Im Gepäck: Fotoapparat und Laptop. Foto: Hanns Friedrich

    Dort waren einst  ein Wachturm und eine große Sperre am Flüsschen Milz errichtet. Geplant war auch hier eine "Gegenüberstellung". Der Turm war zu sehen, aber ansonsten war alles zugewachsen. Keine Möglichkeit die Situation von damals in der heutigen Zeit nachzustellen. Also: Kamera wieder einpacken und weiter in Richtung Mendhausen. Das Foto zeigte die Straße als Feldweg, einen Radler, dahinter das thüringische Dorf. Hier war es einfacher den Platz zu finden, an dem der Fotograf stand. Häuser und Kirchturm passten, auch wenn im Vordergrund heute Neubauten stehen. Wäre da nicht der starke Durchgangsverkehr gewesen, wäre es schneller gegangen, sagt Johannes Kiefer. Nächster Halt: Am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen-Henneberg. Von dem weißen Strich der einst die "Staatsgrenze" darstellte, ist heute nichts mehr zu sehen. Allerdings ist der historische Grenzstein vorhanden. Daran konnte sich Johannes Kiefer orientieren und so ging es doch ein bisschen schneller, auch wenn der Standort des Fotografen nicht ganz nachzuvollziehen waren.

    Motive im Hinterland

    "Eigentlich hätte er hier stehen müssen," sagt der Würzburger Fotograf. "Das aber wäre DDR-Gebiet gewesen," erfährt er. Letztendlich passten aber altes und neues Bild zusammen und weiter ging's zum großen Parkplatz, wo einst die Grenzabfertigungsanlagen standen. Hier sind Turm und Lichtmasten von damals noch erhalten. Trotzdem ein schwieriges Unterfangen, denn "der Fotograf muss erhöht gestanden haben, sonst wäre das nicht so zu sehen." Als auch das noch geschafft ist geht's noch nach Sülzfeld. Dort war einst eine Grenzsperranlage "im Hinterland".

    Heute ist der Turm nicht mehr vorhanden, von dem Rammbock sind nur noch ein paar Eisenteile übrig. Also orientierte sich Johannes Kiefer an der heutigen Raststätte "Fasold". Doch auch hier gab es Veränderungen. Was blieb übrig, als einige Bilder zu "schießen" und dann zu Hause zu sehen, ob es passen könnte, denn auch hier war der Autoverkehr ein Fotografier-Problem. Da war's dann aber auch.

    Wer die Bilder von vor 30 Jahren mit den heutigen von Johannes Kiefer vergleichen will: Am Samstag, 9. November, werden sie in eine Sonderbeilage dieser Zeitung zu 30 Jahre Mauerfall und unter mainpost.de vorgestellt.

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