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    Bad Neustadt

    Hommage an Django Reinhardt

    Komponiert jedes Jahr einen Musette-Walzer: Gitarrist Helmut Nieberle in der HörBar der Stadthalle in Begleitung von Bassist Rudi Engel. Foto: Stefan Kritzer

    Es ist diese unglaubliche Gitarrenmusik, die Django Reinhardts Jazz unsterblich gemacht hat. So wie er hatte zuvor noch niemand Gitarre innerhalb einer Jazzformation gespielt und dabei noch musikalische Einflüsse aus verschiedenen Genren und Epochen mit einfließen lassen. Der Jazz im Stil von Django Reinhardt war Thema des vierten Konzerts in der Jazzreihe in der HörBar der Stadthalle.

    Vier mal Jazz, vier mal ganz eigene Konzerte. Die Jazzreihe mit Pianist Bernhard Pichl, Kontrabassist Rudi Engel und Drummer Florian Kettler hat nach diesen vier Konzerten ihre Fans begeistert. Das vorerst letzte Konzert des Trios lud einen weiteren namhaften Gast zum Spiel: Den ausgewiesenen Django Reinhardt-Gitarristen Helmut Nieberle. Wenn in Europa jemand die Gitarre so wie Reinhardt zu spielen weiß, dann Nieberle. Mitgebracht zu ihrem Konzert hatten die nunmehr vier Musiker eine Auswahl des für Reinhardt typischen Gypsy-Jazz.

    Quartett harmoniert sofort 

    Von der ersten Minute an harmonierte das Quartett auf höchstem Niveau. Die verstärkte Gitarre - auch hier war Django Reinhardt Pionier - von Helmut Nieberle hob sich nur geringfügig aus dem Soundteppich hervor, den Pichl, Kettler und Engel dem Konzert zugrundelegten. Gleich im "Anniversary Song" von Django Reinhardt zeigte Nieberle dann seine große Klasse und sein unglaubliches Vermögen an der Gitarre. Alles so spielerisch leicht, so einfühlsam und doch voller Energie. "I see you in my dreams" ebenfalls in großartiger Manier.

    Der belgische Gitarrist und Komponist Django Reinhardt (1910-1953) gilt als einer der Väter des europäischen Jazz. Für Generationen von Musikern von Jazz bis Rock gilt Reinhardt bis heute als Vorbild und Inspirationsquelle. Er verstand es wie kaum jemand vor ihm, traditionelle Musik mit Elementen der Sinti-Musik in Jazzwerken seiner Zeit zu verarbeiten. Unter anderem machte der Gypsy-Jazz Reinhardt in der ganzen Welt berühmt. So berühmt, dass die deutschen Besatzungstruppen nicht wagten, den Musiker ob seiner "Zigeuner"-Herkunft in den Jahren 1943 bis 1945 in Paris zu verfolgen.

    Werke mit eigenen Ideen weiterentwickelt

    Helmut Nieberle versteht es aber in der HörBar nicht allein, so Gitarre zu spielen wie einst Django Reinhardt. Vielmehr entwickelt er die Werke weiter, bringt eigene Ideen ein und komponiert nach eigenen Aussagen jedes Jahr ein weiteres Stück. Zum Beispiel einen jener Musette-Walzer, von denen im Konzert mehrere zu hören sind. Wieder so etwas seinerzeit Neues, das Django Reinhardt entwickelt hatte. Titel wie "Le Flaneur" stammen aus Nieberles Feder und Gitarre. Und wenn in der HörBar solch fulminante Versionen wie "Someday you will be sorry" von Reinhardts Zeitgenossen Louis Armstrong zu hören sind, dann kennt der Beifall des Publikums kaum Grenzen.

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