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    Bad Königshofen

    "Ich bin nach wie vor gerne im Grabfeld"

    Ein Blick auf den Terminkalender von Pfarrer Karl Feser zeigt, wie eng getaktet Termine und Gottesdienste oft sind. Zeit für echte Seelsorge bleibt da kaum. Foto: Hanns Friedrich

    "Wie doch die Zeit vergeht – zehn Jahre sind es schon, dass ich hier in Bad Königshofen und in der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke bin," sagt Pfarrer Karl Feser. Er ist aber nach wie vor gerne im Grabfeld. "Ich mag die Menschen und die Gegend."

    Am 9. März 2009 hatte der Geistliche in seiner Antrittspredigt seiner neuen Pfarrgemeinde erklärt, dass er kein Programm mitbringe, denn dann müssten Erwartungen erfüllt werden. Er sehe sich vielmehr als Wegbegleiter, vor allem im Hinblick auf das Zusammenwachsen der Pfarreiengemeinschaften, die damals noch im Aufbau waren. Diese Gemeinsamkeit hat der Geistliche in den vergangenen zehn Jahren immer wieder herausgestellt. In Zukunft müsse diese mehr denn je gepflegt werden, gerade weil es immer weniger Priester gebe.

    Immer weniger Kirchgänger

    Aktuell stehen dem 59-Jährigen in der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke mit Pfarrvikar Paul Mutume und Altpfarrer Linus Eizenhöfer zwei Priester zur Seite. Hinzu kommt Diakon Rudi Reuter (Herbstadt) und Pastoralreferentin Alice Düchs. Ein Team, das passt und gut harmoniert. Trotzdem gibt es auch hier, wie in vielen Städten und Gemeinden, immer weniger Kirchgänger. Als Resultat daraus werde in naher Zukunft nicht mehr, wie bisher, in den einzelnen Gemeinden ein Priester zum Gottesdienst kommen können.

    Umso wichtiger sei es, dass die Dörfer trotzdem ein lebendiges Gemeindeleben entwickeln und die Laien mehr denn je die Aufgabe für Wortgottesfeiern übernehmen, "aber auch die Gemeinde leiten." Dass aber trotz aller Bemühungen, Kirchen geschlossen werden müssen, sei nicht mehr aufzuhalten, glaubt Pfarrer Karl Feser. In der Diözese Würzburg berate man darüber bereits. Denn wer soll die Kosten tragen für Heizung, Strom, Bauunterhalt oder auch die Bezahlung von Küster und Organist? "Die Einnahmen aus dem Klingelbeutel reichen dafür keinesfalls aus", sagt Feser. 

    Die Seelsorge kommt zu kurz

    Das Problem der Pfarrer sei zudem, dass die Seelsorge, die eigentlich wichtige Aufgabe, schon längst nicht mehr erfüllt ist. Sogenannte Geschäftsführer sollen künftig die Aufgaben für Verwaltung, Organisation und Bauwesen übernehmen. "Das aber haben wir hier in der Pfarrei noch nicht."

    Ein Blick in den Terminkalender von Pfarrer Karl Feser zeigt, dass kaum Zeit bleibt, zum Beispiel, um nach einem Gottesdienst noch mit Kirchenbesuchern zu diskutieren. Oft folgt ein Gottesdienst auf den anderen und der Pfarrer "ist immer auf dem Sprung zum nächsten Termin." Für die Administration einer weiteren Pfarreiengemeinschaft gibt es schon eine Anfrage und bereits jetzt ist er Ansprechpartner für die sieben Pfarrgemeinden der Pfarrgemeinschaft Grabfeldbrücke.

    Außerdem investiert Pfarrer Karl Feser Zeit in die Pfarrer-Initiative und ist auf Deutschlandebene einer von sechs Sprechern. "Die Sorgen und Nöte und der Strukturumbau ist in allen Diözesen zu finden. Man ist an aktuellen Themen dran, das bereichert. Wichtig ist auch das gegenseitige Mut machen", meint der Geistliche, der auch noch den Religionsunterricht der 5. und 9. Klasse an der Grabfeldschule übernommen hat. Was er dabei immer wieder feststellt: "Der christliche Glaube nimmt immer weiter ab."

    Vieles hat sich bewährt

    Als schön empfindet der Geistliche die ökumenischen Beziehungen in Bad Königshofen. Immer wieder gebe es Gemeinsamkeiten und Gottesdienste. In den vergangenen Jahres sei vieles auf den Weg gebracht worden und habe sich mittlerweile bewährt. Eine gute Entscheidung war beispielweise die gemeinsame Kommunionkatechese mit den vier Pfarreiengemeinschaften in Zusammenarbeit mit dem Haus St. Michael in Bad Königshofen. "Das geht nun schon ins vierte Jahr." Gleiches gilt für die gemeinsame Firmvorbereitung. Für beide Angebot liegen ausgearbeitete Konzepte vor, die von den Kindern und Jugendlichen gut angenommen werden.

    So gern er seine Arbeit und die damit verbundenen Aufgaben mag, ist dem Pfarrer aber auch sein eigener "freier Tag" an jedem Dienstag wichtig, um seinen Hobbys nachzugehen: Reiten und Bogenschießen oder einfach mal entspannen. Auf die Frage, wie lange er noch in Bad Königshofen als Pfarrer bleiben wird, lacht der 59-Jährige und meint: "Meinen 60. Geburtstag werde ich auf jeden Fall noch im Grabfeld feiern."

    Zur Person: Pfarrer Karl Feser wurde 1960 in Würzburg geboren und stammt aus Retzbach. Nach dem Besuch der Realschule wurde er zum Büromaschinenmechaniker ausgebildet. Im Bamberger Theresianum holte er 1984 sein Abitur nach. Das Theologiestudium führte ihn nach Würzburg und München. Am 8. Juni 1991 wurde er in Würzburg von Bischof Dr. Paul-Werner Scheele zum Priester geweiht. Kaplan war Karl Feser in Kahl am Main und ab 1993 in Schweinfurt Heilig Geist. 1995 wurde er Pfarrer von Elfershausen mit Filialen Engenthal und Trimberg und von Langendorf mit Filiale Westheim. Am 9. März 2009 wurde er als Nachfolger von Pfarrer Linus Eizenhöfer in Bad Königshofen in sein Amt eingeführt.

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