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    Sulzdorf

    In Sulzdorf stirbt die Waldwirtschaft: Brandbrief an Politik

    Käferholz soweit das Auge reicht: In Sternbergs Waldabteilung Altholz liegen die Stämme am Wegesrand. Der Platz wurde von Förster Bernhard Kühnel gewählt, weil die Insekten hier dem Laubwald nichts anhaben können und weil der Weg schwere Holztransporte ermöglicht. Mit auf dem Foto ist Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz. Foto: Michael Petzold

    Der Waldweg im Altholz bei Sternberg demonstriert das Dilemma: Auf über 100 Metern  Strecke lagern hier Fichtenstämme am Wegesrand. Gut 900 Festmeter sind es jetzt schon, am Ende werden es wohl an die 2000 sein, schätzt Förster Bernhard Kühnel. Alles Bäume, die gefällt werden mussten, weil sie vom Borkenkäfer befallensind. Weil sich Buchdrucker und Kupferstecher, wie die beiden in Bayern hauptsächlich vorkommenden Arten heißen, sich fast ausschließlich über die Fichte hermachen, besteht für die Laubbäume im Altholz keine Gefahr.

    Der Privatwaldbesitzer verliert zusehends seine Existenzgrundlage

    Zwar machen die Insekten keinen Unterschied zwischen Staats-, Gemeinde- und Privatwald, doch  Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz, die selbst aus einem holzverarbeitenden  Betrieb stammt, macht sich in erster Linie Sorgen um die Privatwaldbesitzer. Die hätten gar keine andere Wahl, als ihre vom Borkenkäfer befallenen Bäume aufarbeiten zu lassen, bekämen aber, im Gegensatz zu den Landwirten, keinerlei Hilfen vom Staat. Dabei seien Waldwirte sowieso viel schlechter dran als Bauern. Während die nach einer Dürreperiode mit hohen Ernteausfällen neben Hilfen auch auf ein besseres Folgejahr hoffen können, blieben die Waldbauern auf ihrem aktuellen und dauerhaften Vermögensschaden sitzen. Schließlich dauere es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, bis ein Wald wirtschaftlich genutzt werden könne.

    Deshalb hat sich die streitbare Bürgermeisterin dazu entschlossen, sich mit einer Art Brandbrief an die Staatsregierung zu wenden, um den Entscheidungsträgern  die prekäre Situation der Privatwaldbesitzer deutlich zu machen. "Der private Waldbauer, der von der Forstwirtschaft lebt, verliert gerade seine Existenzgrundlage und wird dabei von behördlicher Seite völlig allein gelassen", schreibt sie in dem Brief, dessen Inhalt auch von den Bürgermeistern der Grabfeld-Allianz unterstützt wird.

    Fallende Erlöse gehen voll für den Harvestereinsatz und Holzrücken drauf 

    An einem Beispiel, bei dem auf sieben Hektar Wald 900 Festmeter Käferholz angefallen sind, erläutert Götz das Problem: Für 300 Festmeter, dem so genanten Giebelholz, das zu Hackschnitzel verarbeitet wird, gibt es gar kein Geld. Bleiben 600 Festmeter in Brennholzqualität, für die man derzeit - bei fallender Tendenz - mit Einnahmen von rund 15 000 Euro rechnen könne. "Dieses Geld geht aber komplett für den Harvestereinsatz und für das Rücken drauf", sagt Angelika Götz. Als zusätzliche Ausgabe kämen aber noch rund 8000 Euro für den Transport dazu.

    Gerade Leute mit kleineren Flächen könnten sich das nicht mehr leisten, so die Bürgermeisterin weiter und sähen sich zunehmend dazu gezwungen, ihre Waldflächen zu niedrigen Konditionen zu verkaufen.  In Fachkreisen wird von Dumpingpreisen von 30 bis 40 Cent für einen Quadratmeter Wald mit Käferholzbestand gesprochen.

    Auch die Eichen leiden auf nicht so optimalen Standorten, wie hier bei Sternberg. Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz und Förster Burkhard Kühnel sind sehr besorgt. Foto: Michael Petzold

    Das Grabfeld zählt zu den trockensten Gebieten im Freistaat

    Ein wenig finanzielle Hilfe steuert die öffentliche Hand schon bei, wie Förster Kühnel deutlich macht. Denn seit 1. Juli gibt es vom bayerischen Staat bis zu 12 Euro Hilfe für die Aufarbeitung von einem Festmeter Käferholz. Das Angebot gilt aber nur bis zum Jahresende. Dass es für viele kleine Waldbesitzer schwierig wird, steht aber auch für ihn außer Frage, zumal sie ja auch verpflichtet sind, binnen drei Jahren die gerodeten Flächen wieder aufzuforsten. Auch hierfür gibt es Zuschüsse, allerdings endgültig nur dann, wenn die meisten Pflanzen in fünf Jahren auch noch leben. Angesichts der zunehmenden Trockenheit sei das Risiko aber enorm, dass  hier immer wieder nachgepflanzt werden müsse. "Das Grabfeld zählt zu den trockensten Gegenden in Bayern" weiß Kühnel.         

    Die rund 500 Hektar Privatwald in Sulzdorf und seinen Gemeindeteilen verteilen sich auf etwa 1000 Personen und Erbengemeinschaften. Dazu kommen noch 200 Hektar, die in "adeligem" Besitz sind (Ortenburg und Bibraischer Wald). Die Waldgenossenschaft Sulzdorf besitzt etwa 150 Hektar und die Waldkörperschaft Obereßfeld rund 100 Hektar. Nicht nur die Fichte ist massiv geschädigt, auch die Eiche leidet an manchen Standorten, wie bei Sternberg. Und dabei hat der Sommer noch gar nicht seinen Höhepunkt erreicht. Was könnte jetzt noch helfen? Die Antwort muss Kühnel nicht lange überlegen. "30 bis 40 Liter Regen sofort und über Nacht, damit auch Wasser am Boden ankommt."   

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