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    Bischofsheim

    Ist das Neustädter Haus eine Wanderhütte oder ein Berghotel?

    Die Stadt Bischofsheim unterstützt die vorgesehene Sanierung des Neustädter Hauses mit maximal 6 000 Euro. Foto: Marion Eckert

    Der Antrag des Rhönklubs Bad Neustadt auf Bezuschussung der geplanten Sanierung des Neustädter Hauses sorgte in der von stellvertretendem Bürgermeister Egon Sturm geleiteten Stadtratssitzung für Diskussionsbedarf. Wie Egon Sturm ausführte, möchte der Rhönklub den Bodenbelag im Eingangsbereich erneuern, außerdem die Wasserversorgungsanlage, die Brandmeldeanlage sowie die Sitzbänke im Außenbereich. Die geschätzten Kosten liegen bei etwa 100  000 Euro. Der Rhönklub beabsichtige beim Landkreis die Aufnahme in die neue Fördermaßnahme zur Verbesserung der Wanderhütteninfrastruktur zu beantragen.

    Kommune muss sich angemessen beteiligen

    Diese Richtlinie sehe eine Förderung durch den Landkreis aber nur vor, wenn die Kommune, in deren Gebiet die Wanderhütte liegt, sich in einem angemessenen Umfang finanziell beteilige. Als angemessen betrachtet werden sechs Prozent der Gesamtnettokosten. Edgar Schöppner sieht das Neustädter Haus nicht als Wanderhütte, sondern als Berghotel und stellte den Antrag, dass der Rhönklub zunächst seine Einnahmen offenlege müsse, bevor die Stadt Bischofsheim eine Unterstützung gewährleisten könne. Er verwies zudem auf die Einnahmen durch den Mobilfunkmast. Auch Thomas Wagner sah dies als notwendig an. Es handele sich um einen Wirtschaftsbetrieb und da seien Rücklagen für Instandhaltungen zu tätigen. "Ich wüsste gerne, ob sie so knapp auf Kante genäht sind", meinte er.  Allerdings wurde dieser Antrag Schöppners abgelehnt.

    Wohin die Gewerbesteuer gezahlt werde, nach Bad Neustadt oder Bischofsheim, wollte Manfred Reder wissen. Der Kämmerer Daniel Manger konnte in diesem Fall beruhigen, die Gewerbesteuer komme Bischofsheim zu Gute.  Doch auch Reder war skeptisch, was die Entwicklung am Neustädter Haus angeht. "Das ufert aus, das ist keine Wanderhütte mehr". Edgar Schöppner wies auf die Belastung der Zufahrtsstraße hin, was möglicherweise weitere Kosten für Bischofsheim nachsichziehen würde. Letztlich entschieden sich die Stadträte für den Zuschuss in Höhe von sechs Prozent der tatsächlichen Nettokosten und deckelten die Summe auf maximal 6 000 Euro.

    Brunnen in der Wochenendsiedlung

    Ebenfalls erheblichen Diskussionsbedarf löste der Antrag auf Errichtung eines Brauchwasserbrunnens zur Hauswasserversorgung eines der Häuser in der Wochenendsiedlung am Kreuzberg  aus. Schon im Dezember 2017 entschieden die Stadträte, dass die Genehmigung für einen eignen Brunnen möglich sei, wenn das Wasserwirtschaftsamt bestätige, dass hierdurch die bestehende städtischen Trinkwassergewinnung nicht beeinträchtigt werde und das Landratsamt die ordnungsgemäße  Entsorgung des erhöht anfallenden Abwassers sicher stelle. Der Antragssteller sei diesen Forderungen nachgekommen, die Unterlagen seien wasserrechtlich geprüft. Aus Sicht des Landratsamtes Rhön-Grabfeld gebe es keine Einwendungen gegen die geplante Bohrung und Nutzung eines Brauchwasserbrunnens als Hauswasserversorgung, informierte Sturm die Stadträte.

    Wird das Oberflächenwasser beeinträchtigt?

    Diese waren äußerst skeptisch, was dieses Vorhaben angeht. Edgar Schöppner befürchtet Beeinträchtigungen des Oberflächenwassers und warnte vor Auswirkungen auf die Schafbeweidung im Wassereinzugsgebiet. Thomas Wagner sieht dieses Thema als Bestandteil einer grundsätzlichen Entscheidung über die künftige Entwicklung der Ferienhausgebiete. Zum müsse geklärt werden, ob das Bohrprinzip für alle möglich sei oder nur für fünf oder zehn Anwesen. Dieser Auffassung schlossen sich die Stadträte mehrheitlich an.

    Sicherlich sei eine Wasserversorgung der Wochenendsiedlung zeitgemäß und sinnvoll, doch nun einen Einzelfall zu genehmigen, erschien ihnen nicht sinnvoll.  Im Gegenteil, sie befürchteten zukünftige Probleme, sollten weitere Eigentümer eigene Brunnen bohren wollen. Es müsse daher ein Gesamtkonzept für die 45 Anwesen gefunden werden. Die jetzige Entscheidung des Wasserwirtschaftsamts wurde als "zu kurz gegriffen" bezeichnet. Schließlich wurde mehrheitlich beschlossen, über den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu entscheiden, sondern vom Wasserwirtschaftsamt eine Stellungnahme zu erbitten, ob eine solche Brunnenversorgung für jedes Anwesen möglich sei und welche Auswirkungen dies auf die städtische Trinkwassergewinnung habe. Laut Antragsunterlagen sei die Bohrung in 40 Metern Tiefe geplant.