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    Reyersbach

    Jäger pflanzten Obstbäume

    Wolfgang Fath erläuterte bei der Baumpflanzaktion, was zu beachten ist, und führte die Pflanzung mit einigen Helfern aus, während die Revierinhaber und Jäger interessiert die Arbeit verfolgten. Foto: Klaus-Dieter Hahn

    "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen !" Förster a.D. Wolfgang Fath zitierte Martin Luther, als er im Beisein der Revierinhaber, von Jägern und Jagdgenossenschafts-Vorsitzenden mit der Pflanzung des ersten von insgesamt 25 Obstbäumen begann. Die Hegegemeinschaft Besengau hatte im Rahmen des landkreiseigenen Kleinprojektefonds 2018 die Pflanzung von alten Obstbaum-Sorten in ihren elf Gemeinschaftsrevieren vorgeschlagen und war damit auf offene Ohren gestoßen. Der Landkreis honorierte die Anregung mit 1000 €, indem er die Kosten für die 25 Obstbäume übernahm.

    Es ist ein nasskalter, trüber - eben ein typischer Novembermorgen, als sich auf dem Parkplatz am Sportgelände des SV Reyersbach Hegeringleiter Gerald Benkert (Windshausen) und seine Jägerkollegen aus der gesamten Hegegemeinschaft, die den Besengau und Mittelstreu, Oberwaldbehrungen und Frickenhausen umfasst, der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Reyersbach, Dieter Then, und Wolfgang Fath zusammenkommen. Mit dabei auch Bürgermeisterin Anja Seufert sowie Tanja Geis von der Stabsstelle Kreisentwicklung, der Projektleiterin für die Kleinprojektförderung. Projektmanagerin Ursel Schneider - selbst leidenschaftliche Jägerin - musste ihre Teilnahme krankheitsbedingt absagen. Seit drei Jahren gibt es den Kleinprojektefonds im Landkreis, der aus kreiseigenen Mitteln finanziert wird. 2018 stehen bei der Aktion die Themenfelder "Bildung" auf der einen Seite sowie "Natürliche Ressourcen, nachhaltige Landnutzung und Klimaschutz" im Mittelpunkt. Die Hegegemeinschaft hatte ihren Förderantrag für das zweite Themenfeld umfangreich begründet. Mit der Obstbaum-Pflanzung in den elf Gemeinschaftsrevieren wolle man, so der Hegeringleiter , Brut- und Nistplätze schaffen, das bestehende Nahrungsangebot für Wildtiere und Insekten erweitern, einen Beitrag zum Bodenerosions- und Klimaschutz leisten, die Feldflur aufwerten und ihre Attraktivität für die Erholungssuchenden steigern.

    Die Pflanzaktion könnte eine positive Breitenwirkung entfalten, weitere Grundstückseigentümer dazu animieren, ebenfalls Obstbäume zu pflanzen. "Uns ist klar, dass unsere Aktion nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein ist, aber wir wirken damit dem allgemeinen Trend entgegen, nach und nach die Flur auszuräumen. Auch geben wir damit vielleicht einen Anschub für ähnliche Aktionen !", so Gerald Benkert. Früher war es in der landwirtschaftlich geprägten Rhön einfach üblich und typisch, dass sich in der Feldflur alte Obstbaumarten befanden. "Auch in Reyersbach hatten wir über 950 Obstbäume draußen in der Flur !", bestätigt Jagdgenossenschafts-Vorsitzender Dieter Then. Mit den Flurbereinigungen sind sie mit der Zeit verschwunden. "Zudem behindern sie halt auch die moderne Feldbewirtschaftung durch die heutzutage großen Landmaschinen !" Da so aber gerade nach der Ernte in der Feldflur kaum noch Deckung vorhanden ist und für Insekten in dieser Zeit zwischen Sommer und Herbst das Nahrungsangebot sehr gering ist, wäre die Pflanzung von u.a. der in jener Jahreszeit blühenden Sommerlinde wichtig, so der Hegeringleiter. Mit der Baumpflanzung könnte hier eine nachhaltige Landnutzung auf kleiner Fläche, z.B. an Feldrainen, Böschungen und ungenutzten, kleinteiligen Parzellen, entstehen. Die man wiederum als "Trittsteine zur Biotopverbindung" von Tieren genutzt werden. Nicht zuletzt sehen Gerald Benkert und seine Jagdkollegen diese Aktion auch als Signal an die Öffentlichkeit, dass diese Hegegemeinschaft aktiv ist und sich für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzt.

    Auch Wolfgang Fath ging vor Ort - die Gemeinde hatte am Waldrand ein Grundstück für die Anpflanzung zur Verfügung gestellt, das im Rahmen der Waldflurbereinigung als Ausgleichsfläche zugeteilt worden war - noch einmal kurz auf die Vorzüge der Pflanzung für Obstbäume für Wildtiere und Insekten ein. Gerade der Zwetschgenbaum mit seinen Früchten, den er an diesem Morgen pflanzte, wäre für den Marder ein Leckerbissen. Die ausgesuchten alten, robusten Baumsorten lassen die Früchte länger hängen, was den Tieren entgegenkomme. Ausführlich beschrieb er, worauf man bei der Anpflanzung zu achten habe (ausreichend großes Pflanzloch, Rückschnitt der Zweige und des Wurzelwerks, viel Gießwasser usw.). In drei Jahren könne man sich hier wieder treffen, um die ersten Früchte zu ernten, so sein abschließender Hinweis. Bürgermeisterin Anja Seufert dankte den Grünröcken für ihr Engagement und freute sich, dass sie sich um die Natur und die Bäume kümmern. Dass auch 2019 nochmals für diese Themenfelder der Kleinprojektefonds zur Verfügung steht, darauf machte Tanja Geis aufmerksam. Nach der Verteilung der Obstbäume auf die verschiedenen Reviere machten sich dann die Jäger an die Pflanzarbeit.

    "Hau den Lukas !" Arno Johannes schwang den Hammer, während Wolfgang Fath den Baumpfahl fixierte. Foto: Klaus-Dieter Hahn

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