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    Niederlauer

    Jimmy Fells Corona-Kirche soll zum Nachdenken anregen

    Jimmy Fell ist zurzeit dabei seine Corona-Kirche am Ortsrand von Niederlauer fertig zu stellen. Auf einem Schutthaufen aus Backsteinen steht eine kleine Holzkirche.
    Jimmy Fell ist zurzeit dabei seine Corona-Kirche am Ortsrand von Niederlauer fertig zu stellen. Auf einem Schutthaufen aus Backsteinen steht eine kleine Holzkirche. Foto: Hanns Friedrich

    Die bekannte Aussage "Wie Phoenix aus der Asche" kommt einem unwillkürlich in den Sinn, betrachtet man das Projekt Corona-Kirche, das zur Zeit am Ortsrand von Niederlauer entsteht. Herbert "Jimmy" Fell, ein Berliner Aktionskünstler, der aus Niederlauer stammt, ist zurzeit dabei, ein durchaus beeindruckendes Projekt umzusetzen.

    Der Betrachter gewinnt den Eindruck, dass an dieser Stelle Schlimmes passiert sein könnte, ein Backsteingebäude eingestürzt ist. Geblieben ist eine kleine Holzkirche, die sich dort erhebt. "One man church" liest man im Giebel und an der kleinen Eingangstüre "Kirche zum Niederknien". Spontan kommt die Geburtskirche in Jerusalem oder die Grabeskirche ins Gedächtnis. Auch dort muss man sich "klein machen", um in das Gotteshaus zu kommen.

    Kirche sollte auf Schutt entstehen

    Ganz bewusst hat der Künstler Backsteine bei seinem Abbruchmaterial gewählt, um dadurch auch auf Vergangenes, wie eben Bauten aus Backsteinen, zu verweisen.
    Ganz bewusst hat der Künstler Backsteine bei seinem Abbruchmaterial gewählt, um dadurch auch auf Vergangenes, wie eben Bauten aus Backsteinen, zu verweisen. Foto: Hanns Friedrich

    "Gut erkannt", sagt Jimmy Fell und erwähnt einen Besuch in Jerusalem vor einigen Monaten. Als Covid 19 ausbrach, war er bei seinem Vater in Niederlauer. Hier erfuhr er, dass seine Freundin in Berlin positiv getestet wurde und ihn bat, in Niederlauer zu bleiben."Da entstand die Idee zum Projekt Corona-Kirche", sagt der Aktionskünstler.

    Die "One man church" stand bereits auf diesem Grundstück mit anderen Kunstwerken. Seine Idee war nun, diese kleine Holzkirche auf eine Anhöhe zu stellen. "Kirchen und Kapellen sind ja meist auf einer Anhöhe zu finden", sagt der Künstler. "Die Corona-Krise traf die Welt und unsere Heimat wie ein Erdbeben", erklärt Jimmy Fell. Deshalb sollte die Kirche auch auf Schutt entstehen, so als ob hier ein Gebäude eingestürzt ist. Durch Zufall erfuhr er von einem Scheunenabriss in Salz: "Die Backsteine dort waren genau das, was ich mir vorgestellt hatte."

    Wallfahrtskirche Findelberg beeindruckt den Künstler

    Mit Hilfe von Edgar Schmitt, einem Bekannten aus Niederlauer, transportierte er den Abriss von Salz nach Niederlauer. Gemeinsam schuf man aus dem Schutthaufen eine Plattform, auf der nun die Holzkirche steht. Die Plattform wurde zwar mit Zement entsprechend gefestigt, nicht aber der Unterbau. Der sollte genau so bleiben und die Zerstörung dokumentieren.

    Als ihm der notwendige Estrich ausging, erwarb er diesen bei der BayWa in Bad Königshofen. Auf der Rückfahrt sah er in Saal das Schild "Wallfahrtskirche Findelberg". "Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von ihr noch nichts gewusst habe", sagt der Künstler. Vor Ort war er vom Gotteshaus, der kleinen Gedenkstätte mit den Zeichen der Erhörungen ebenso beeindruckt wie von den Grotten und dem Pilgerweg zur Findelbergkirche.

    Niedriger Eingang symbolisiert die Demut

    Als er von dem Gnadenbild der Muttergottes und den verbrannten Resten des ursprünglichen Gnadenbildes, die darin verarbeitet sind, erfuhr, kam ihm der Gedanke, in der kleinen Holzkirche ebenfalls ein Gnadenbild aufzustellen. So etwas hatte er auch in der Grabeskirche in Jerusalem gesehen und zwar das Bild der Heiligen Corona. Dazu erwähnt er den Eingang der Kirche, der so klein ist, dass man sich bücken muss.

    "Das symbolisiert die Demut", sagt Jimmy Fell und so sei es ja auch bei seiner "One man church".  Da könne man zwar nicht hinein, um aber die Türe zu öffnen und rein zu schauen, müsse man sich bücken. Genau das sei so gewollt. Wie in der Grabeskirche in Jerusalem, oder auch in der Gnadenkapelle Altötting, soll es also auch in Niederlauer solch ein Bild in der kleinen Holzkirche geben.

    Was die Holzkirche mit der Grabeskirche gemeinsam hat

    Was will der Berliner Aktionskünstler aber mit der kleinen Holzkirche, die auf einem Schutthaufen steht, sagen? Jimmy Fell nennt das Bild der Heiligen Corona und ein weiteres in der Grabeskirche in Jerusalem und sagt, dass dieses wie auch sein Projekt zeigt, dass aus einen Niedergang, aus Zerstörtem immer etwas Neues entstehen kann.

    "So wird es auch sein, wenn die Corona-Pandemie vorüber ist, denn vieles wird nicht mehr so sein wie bisher, die Menschen kommen vielleicht zum Nachdenken." Das soll auch sein Kunstprojekt am Ortsrand von Niederlauer ausdrücken, das sich wunderbar in die vorhandenen Projekte, wie die Kreuzigung und das blaue Tor einfügt.

    Durch das Blaue Tor hat man in Niederlauer einen besonderen Blick auf die Kunstwerke des Aktionskünstlers Jimmy Fell.
    Durch das Blaue Tor hat man in Niederlauer einen besonderen Blick auf die Kunstwerke des Aktionskünstlers Jimmy Fell. Foto: Hanns Friedrich
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