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    Bad Neustadt

    Job-Ranking

    Wem vertraut man in der Heimat am meisten? Welcher Beruf genießt bei uns das höchste Ansehen? Die Antworten auf diese Fragen dürften sich rund um unser schönes Industriestädtchen wohl nur geringfügig von den Ergebnissen einer deutschlandweiten Umfrage unterscheiden, die der "GfK-Verein" im letzten Jahr durchgeführt hat. Früher war die Sache klar: Es gab so genannte Respektspersonen, deren Autorität niemand in Frage stellte. Dazu gehörten der Herr Pfarrer, der Herr Wachtmeister und das Fräulein Lehrerin. Aber auch der Herr Doktor. Er ist der Einzige, der sein Image verteidigt hat. Laut GfK-Umfrage steht er im Ranking auf Platz 4. Vor ihm liegen nur Feuerwehrleute (1), Sanitäter (2) und Krankenpfleger (3).

    Warum diese auffällige Häufung im Gesundheitswesen? An der "Gage" liegt es nicht. Denn während ein Arzt normalerweise ordentlich verdient, sieht es bei den meist weiblichen Pflegekräften finanziell eher "mau" aus. Vielleicht liegt es ja am Mangel. "Willst du was gelten, mach dich selten!" Wenn Sie viel Zeit haben, versuchen Sie doch einmal zum Spaß, telefonisch mit dem MVZ am neuen „Campus“ einen Facharzt-Termin zu vereinbaren. Versuchen Sie’s! Nach einer halben Stunde in der „Hotline“ teilt ihnen eine genervte Mitarbeiterin mit, dass Sie in einem halben Jahr vorbei kommen können. Wenn Sie dann noch leben. Viele verzichten deshalb schon auf die telemedizinische Form der Anmeldung und fahren gleich persönlich auf den "Kalvarienberg", um sich am Desk einen zeitnahen Termin zu erkämpfen. Natürlich vergeblich. Es fehlt einfach an Personal.

    Aber hängt das Ansehen eines Berufs wirklich von der Nachfrage ab? Handwerker (10) und Lehrer (11) gibt es ja auch zu wenig. Beide Sparten landen beim Ranking aber nur im Mittelfeld. Von wegen "goldener Boden", von wegen "faule Säcke"! Dagegen kommen Landwirte, die von vielen Städtern für das Artensterben und die Vergiftung des Trinkwassers verantwortlich gemacht werden, mit Platz 12 ja eigentlich noch glimpflich davon. Und obwohl es zumindest bei den "Katholen" bekanntlich bald gar keine Pfarrer mehr geben wird, belegen Geistliche nur einen Platz im letzten Drittel. Warum?

    Ist die GfK-Umfragen überhaupt vertrauenswürdig? Der Beruf des Meinungsforschers (22) wird schließlich noch kritischer eingestuft als der des Priesters (21). Schon ziemlich weit hinten finden sich die Journalisten (28), die heutzutage nicht nur von Donald Trump als "Schmierfinken" beschimpft werden. "Bad news sells!" Das Schlusslicht bilden die Politiker (32). Typisch! Ihnen traut offensichtlich kein Mensch mehr. Nur zu verständlich, dass sich für die Kommunalwahl bislang kein Gegenkandidat zum Landrat findet.

    Woher dieser Vertrauensverlust? Schuld haben natürlich alle anderen. Kabarettisten oder Satiriker (26) zum Beispiel, die keine Gelegenheit auslassen, das Ansehen unserer Granden ins Lächerliche zu ziehen. So macht sich beispielsweise eine freche Rhöner Frauen-Combo in ihrem Spottlied "Waidmannsheil" über die waidmännischen Fähigkeiten unseres Landrats lustig. Frauen verspotten Waidmänner. So weit ist es gekommen!

    Dabei weiß jeder, dass der Landrat gewissermaßen für die Jagd lebt. Sogar bei der Bekämpfung der Wildsauplage pocht er auf Weidgerechtigkeit. Die "Wilden Schlehen der Rhön" (!) sollten vor der eigenen Türe kehren, bzw. singen, "Bayerischer Heimatpreis" hin oder her. Ist "Waidmannsheil" wirklich ihr Werk? Erinnern Melodie und Text nicht verdächtig an Reinhard Meys "Diplomatenjagd"? Wir Älteren kennen das Original! Aber natürlich wurden Urheberrechte gewahrt; natürlich wurde GEMA abgeführt. Echte MusikerInnen sind eben vertrauenswürdig. Auch ohne Ranking. Man muss sich das vorstellen!

    Andreas Müller

    Fotos