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    HOLLSTADT

    Kartoffelernte: Der Regen kommt zu spät

    Der Regen kommt zu spät. Lang haben Harald Zwierlein und seine Kollegen auf Niederschläge gewartet, doch dann wurde die Situation für die Hollstädter Kartoffelanbauern zu heikel und sie haben mit der Ernte begonnen. Und wie schon in der Landwirtschaft allgemein, sind auch bei der Knollenfrucht erhebliche Einbußen zu verzeichnen.

    Die Misere offenbart sich bei der Ernte mit dem Roder. Das riesige Gerät hängt an einem ebenso gewaltigen Schlepper, den Harald Zwierlein bedient. Das Führerhaus erinnert eher an das Cockpit eines Flugzeugs. Ums Lenken muss sich der Landwirt und Vorsitzende der örtlichen Saatkartoffel-Erzeugergemeinschaft nicht kümmern, denn GPS-gesteuert kriecht das Gefährt exakt an den Furchen entlang.

    Erdbrocken sind ein Problem

    Auf drei Bildschirmen beobachtet Zwierlein, was hinter ihm auf der Erntemaschine passiert. Immer wieder greift er ein, wenn Störungen auftreten. Auf diese Weise kann er verfolgten, wie die Kartoffeln über mehrere Förderbänder in den Sortierbereich gelangen, wo drei rumänische Erntehelfer mit ungeheurer Geschwindigkeit Erdbrocken herausklauben, die im ersten Reinigungsprozess nicht ausgesondert wurden.

    „Die Erdklumpen sind unser Problem“, erklärt Zwierlein. Durch die Trockenheit sind sie hart wie Stein geworden und beschädigen beim Transport über die Förderbänder die Kartoffeln. Tags zuvor hat es etwas geregnet, sodass sich zumindest ein leichter Film aus feiner Erde gebildet hat, der die Knollen doch etwas schützt. „So kann ich heute mehr als doppelt so schnell fahren wie gestern, als der Boden noch staubtrocken war“.

    Kartoffeln kommen sauber aus dem Boden

    Auf der anderen Seite hat die fehlenden Feuchtigkeit den Vorteil, dass die Kartoffeln sehr sauber aus dem Boden kommen. Mit der Hand gräbt Zwierlein ein kleines Loch und zeigt, dass die fünf Millimeter Regen des Vortags gerade einmal drei bis vier Zentimeter in den Boden eingedrungen sind.

    Die Trockenheit führte in erster Linie dazu, dass sich an den Pflanzen viel weniger Früchte gebildet haben. Und diese sind häufig auch noch kleiner als üblich. Auf dem Schlag, den er gerade bearbeitet, hat er sonst 40 bis 45 Tonnen je Hektar geerntet, „jetzt sind es etwa 27 Tonnen“. Im Schnitt sind es etwa 30 Prozent weniger, wobei der Ertrag stark von den Sorten und Bodenqualität abhängig ist.

    Länger warten, ist zu riskant

    Er konnte mit dem Roden nicht länger warten. Zwierlein ist etwa drei Wochen zu früh dran, „aber weiter auf Regen zu warten, wäre zu riskant geworden“. Im Boden befinden sich Insekten, die mit der Trockenheit recht gut klar kommen. Wenn zu lange keine Feuchtigkeit in den Boden dringt, halten sie sich an die Kartoffeln, die dabei erheblichen Schaden erleiden.

    Den Verlust an Masse erhofft Zwierlein durch einen höheren Preis zumindest zum Teil zu kompensieren. Jedoch orientiere sich das Preisgeschehen nicht unbedingt an den Verhältnissen in Deutschland, sondern am Weltmarkt. Mit Ausgleichszahlungen rechnet er erst gar nicht, „da gibt es landwirtschaftliche Betriebe mit Vieh, die viel schlimmer dran sind und um deren Existenz es tatsächlich geht“.

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