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    Maria Bildhausen

    Ketten abwerfen und neu werden

    Mit Bischof Dr. Franz Jung standen (von links): Domkapitular Christoph Warmuth, Dekan Stephan Hartmann und Pater Gottfried Scheer am Altar der Kirche Maria Bildhausen. Foto: Hanns Friedrich

    "Ist das der Mann auf dem Foto? Ist das der Bischof?" Die Ministranten der Behinderteneinrichtung Maria Bildhausen konnten es gar nicht glauben, dass Bischof Franz Jung, dessen Bild in der Sakristei hängt, zu ihnen kommt. Schon Tage zuvor hatte man sich auf diesen Augenblick gefreut. Herzlich wurde der Bischof von den Anwesenden rund um Pater Gottfried Scheer begrüßt. Als die Ministranten erfuhren, dass der Bischof ein Fußballfan ist, war das Eis gebrochen.

    Mit Bischof Jung standen Domkapitular Christoph Warmuth, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge in der Diözese Würzburg, Dekan Stephan Hartmann (Bad Kissingen), Pater Gottfried Scheer (Maria Bildhausen) und Diakon Christoph Glaser am Altar. An der Orgel war Regionalkantor Peter Rottmann. In seiner Begrüßung sagte der Bischof, dass er sehr gerne den Abendgottesdienst in der Kirche in Maria Bildhausen mit dem Menschen der Einrichtung feiere. Schon den gesamten Tag sei man hier, um auf  Dekanatsebene über künftige Leitungsmodelle in der Diözese Würzburg zu diskutieren. Der Bischof ging auf das Fest Peter und Paul ein und sagte, dass beide unterschiedliche Menschen gewesen seien, die sich aber gegenseitig ergänzten. Sie seien es, die gemeinsam das Fundament der Kirche gelegt hätten, auf die diese heute noch gegründet ist.

    Kurz streifte der Bischof in seiner Predigt die Lesung, in der davon die Rede war, dass Petrus von Herodes ins Gefängnis geworfen und scharf bewacht wurde. Daran erinnerte in Rom die Kirche "St. Peter in den Ketten" und dort sind in einem goldenen Schrein auch die Ketten zu sehen, mit denen Petrus angeblich in Jerusalem gefangen gehalten wurde. Deshalb berühre ihn persönlich diese Kirche. Immer wieder sei es in den vergangenen Jahrhunderten vorgekommen, dass man die Verkünder des Evangeliums in Ketten lege. Auch heute noch sei dies der Fall. Der Bischof ging auf die Ketten ein, die oftmals die eigene Schuld der Kirche seien, zum Beispiel beim Missbrauchskandal, den man aufarbeiten müsse.

    In den Diskussionen bei der Tagung in Maria Bildhausen sei es auch um Ketten gegangen, um die Frage: "Wo sind wir gebunden an Altes und wo wäre es nötig, die Ketten einmal abzuwerfen, um neu zu werden, neue Kirche zu sein." In der Lesung werde nicht von einem Ausbruchsversuch berichtet, nicht davon, dass die Gemeinde mit Gewalt Petrus befreien wollte. In einer aussichtslosen Situation habe sich die Gemeinde im Gebet zusammen gefunden. "Wo keiner mehr glaubte, dass es Rettung geben könnte, setzten schon die ersten Christen  auf das Gebet", sagte Diözesanbischof Dr. Franz Jung den Gläubigen in der Kirche von Maria Bildhausen.

    In der Lesung werde berichtet, dass Petrus fast schlafwandlerisch dem Engel folgte und plötzlich in Freiheit war. "Beten um Befreiung, beten um innere Freiheit, die von außen selbst auferlegten Ketten abzuwerfen."  Menschen hätten immer wieder gebetet und sich neu ausrichten lassen. Auch heute müsse sich die Kirche fragen: Wo eröffnet der Herr neue Wege. Dazu müssten oft die Ketten der Macht, des Reichtums abgeworfen werden und man müsse zu einem neuen Miteinander finden.

    Die Situation des Petrus, der in Ketten lag, verglich Dr. Franz Jung mit der Kirche heute. Man sei gefangen in den Statistiken, den Vorstellungen, in den Zahlen der Kirchenbesucher, die sich verändern und auch in der Art, wie bisher Seelsorge stattgefunden hat. Die Situation des Petrus und die Worte des Engels "Steh auf und folge mir!" könne auch auf die Neuordndung der Kirche heute angewendet werden. Wichtig sei es aber, den Glauben zu bewahren, sagte Diözesanbischof Dr. Franz Jung.