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    WOLLBACH

    Kindergarten: Gute Betreuung kostet Geld

    Interessante und brisante Gesprächsrunde im Wollbacher Rathaus zum Thema Kindergarten. Von links: Trägerbeauftragte Corn... Foto: Klaus-Dieter Hahn

    Das Thema „Kinderkrippe und Kindergarten“ wird derzeit in Wollbach intensiv diskutiert. Während sich Eltern und Kindergartenteam für die bestmögliche Betreuung des Nachwuchses entsprechendes finanzielles Engagement der Gemeinde wünschen, weiß man sich im Gemeinderat zwar dem Wohl der Kinder verpflichtet, sieht aber die Grenzen, die die Gemeindefinanzen setzen.

    Nachdem der Gemeinderat schon in der vorausgegangenen Sitzung mit dem Kindergarten und seinem Träger, die katholische Pfarrgemeinde, über eine Reduzierung des Anstellungsschlüssels diskutiert hatte, stand zu Beginn der jüngsten Zusammenkunft der Mandatsträger ein Informationsgespräch zwischen allen Beteiligten und mit dem Landtagsabgeordneten Steffen Vogel auf der Tagesordnung. Zuvor hatte sich Vogel, der Mitglied im Sozialausschuss des Bayerischen Landtags und Berichterstatter der Kindertageseinrichtungen, aber auch selber Vorsitzender eines Kindergartenträgers ist, vor Ort im Wollbacher Kindergarten Informationen eingeholt.

    Krippenkinder werden Regelkinder

    In der Sitzung brachte er die Herausforderung vor den zahlreichen Besuchern auf den Punkt. Die enorme Nachfrage nach Plätzen in der Kinderkrippe sorgt dafür, dass schon Kinder unter drei Jahren von dort vorzeitig in den Regelkindergarten wechseln, in dem noch Plätze frei sind. Das wiederum führt dort zu mehr Betreuungsbedarf und höherem Personaleinsatz, der ohne finanzielle Unterstützung von Freistaat und Gemeinde nicht finanziert werden kann.

    „Wie kann es sein, dass eine Gemeinde ein Neubaugebiet mit 30 Bauplätzen erschließt und dann keine Kindergartenplätze zur Verfügung stellen kann?“, so ein Einwurf aus den Reihen der Mütter im Zuschauerraum. Diesen Vorwurf wollten Bürgermeister Thomas Bruckmüller und die Gemeinderäte so nicht stehen lassen. Schließlich verfüge der zwar in die Jahre gekommene Kindergarten über ein großes Raumangebot, so dass einer Aufstockung der Zahl der Betreuungsplätze eigentlich nichts im Wege stehen dürfte.

    Betriebserlaubnis erweitern

    Vogel stützte die Ansicht der Ratsmitglieder, dass die Betriebserlaubnis für den Kindergarten von der Aufsichtsbehörde problemlos erweitert werden müsste. Schließlich stehe einem großen Bedarf an Krippenplätzen eine überschaubare Nachfrage nach Regelkinderplätzen gegenüber. „Das ist eine aktuell komische Kinderzahl“, sagte Kindergartenleiterin Tanja Früh, die aber schon in einigen Jahren ganz anders aussehen könne. „Da müsste man einfach flexibler reagieren können“, so eine kritische Stimme aus dem Gemeinderat. Die Einführung der Betreuungszeiten sei der Quell allen Übels.

    Dem hielt Vogel entgegen, dass sich seit Einführung des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes 2006 die Zahl der Mitarbeiterinnen in den Kindertagesstätten und damit die Qualität der Kinderbetreuung deutlich erhöht habe. Allerdings habe man anfangs verkannt, dass so viele Eltern ihre Kinder unter drei Jahren im Kindergarten betreuen lassen wollen, räumte er ein.

    Freistaat zahlt mehr für Personal

    Im Vergleich zu den Jahren vor 2006, als Freistaat und Gemeinde je 40 Prozent der Kindergarten-Personalkosten trugen, schultere der Freistaat nun 54 Prozent des Personalaufwands. Eine komplette Beitragsfreistellung für Eltern lehnt Vogel allerdings ab. Seiner Meinung nach würde darunter die Qualität der Kindergärten leiden. Für Gudrun Hellmuth, stellvertretende Kreisvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft, ist es ein Stück Bildungsgerechtigkeit, wenn jeder den gleichen Zugang zur Kinderbetreuung und - bildung hat und finanziell Schwäche unterstützt werden. Der Bundesgesetzgeber hatte den Anspruch auf einen Kindergartenplatz vor einigen Jahren festgeschrieben.

    „In Wollbach brauchen wir mehr Betreuungsplätze, wobei die pädagogische Betreuungsqualität nicht darunter leiden darf“, lautet die Forderung der Eltern. Dass der Ruf nach mehr Betreuungsplätzen und sehr guter pädagogischer Erziehungsqualität seinen Preis hat, machte Steffen Vogel mit dem Hinweis auf beispielsweise die Preise in einer Großstadt deutlich, wo der Platz für ein Krippenkind über 300 Euro im Monat beträgt und dennoch eine extrem hohe Nachfrage besteht. Die für die Finanzen des Kindergartenträgers verantwortliche Daniela Müller verwies darauf, dass man in Wollbach im Kleinkindbereich etwa zehn bis 15 Euro günstiger liegt als in den umliegenden Gemeinden, so dass eine moderate Erhöhung sinnvoll wäre.

    Sieben Arbeitsverträge

    Am Ende der gut anderthalbstündigen Aussprache äußerte der Bürgermeister die Hoffnung, dass die Eltern Verständnis für die Problematik aufbringen, mit der sich der Gemeinderat beschäftigen müsse. Steffen Vogel gab man mit auf den Weg nach München, dass Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen besonders unter den vielen Änderungen ihrer Arbeitsstundenzahl leiden. „In einem Jahr habe ich aufgrund der wechselnden Buchungszeiten insgesamt sieben Arbeitsverträge unterschreiben müssen“, klagte eine erfahrene Betreuerin. Gudrun Hellmuth machte Mut: Die Anpassung der Betriebserlaubnis sei lösbar, Betreuungsplätze seien eine Qualitätsgarantie für eine Gemeinde.

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