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    IRMELSHAUSEN

    Kirchtürme sind als Baustelle echt heraufordernd

    Wer in diesen Tagen in Irmelshausen vorbei kommt, hört Hämmern, Bohren und Klopfen. Es dröhnt aus rund 50 Metern Höhe vom örtlichen Kirchturm herunter. Maurer, Betonsanierer, Zimmerleute, Steinmetze und Schieferdecker sind am Werk.

    Zwei Abschnitte im oberen Turmbereich sind bereits freigelegt. Kugel, Kreuz und Wetterfahne leuchten weithin. Der obere Bereich der Irmelshäuser Kirchturmspitze ist wieder eingedeckt. Derzeit sind Marco Fleischhauer und Daniel Ress aus Römhild dabei, am spitz zulaufenden Dach in der sogenannten Laterne Kupferblech aufzubringen – bei oft plötzlichen Sturmböen nicht einfach. Das wissen auch die Dachdecker Thilo Hamm und Marco Büttner aus Arnstein. „Ein Windstoß und gleich ist alles durcheinander gewirbelt, was wir gerade aufgeräumt hatten.“

    Morsche Balken austauschen

    Ein Stockwerk tiefer sind Alfred Kopp (Breitensee) und Jonas Katzenberger (Eyershausen) dabei teils morsche Balken auszutauschen oder zu ergänzen. „Es ist eine gewaltige Kuppel mit rund 300 Quadratmetern“, so Alfred Koppe. Er hat in den vergangenen 25 Jahren schon eine Vielzahl von Kirchtürmen instandgesetzt. Die Handwerker vor Ort sind sich aber einig, dass der Irmelshausener Kirchturm eine Herausforderung darstellt. Immerhin hat er im unteren Bereich über der Balustrade eine Länge von neun mal neun Metern. „Das gäbe eine wunderbare Türmerstube“, scherzt Alfred Kopp, als er in die Kuppel steigt und dort mit dem Plan die Vorgehensweise erläutert.

    An den neuen Balken zeigt sich, wie dringend notwendig die Sanierung des Irmelshausener Wahrzeichens war. Vor allem im Bereich der Gesimse waren starke Schäden. „Man konnte bis nach unten schauen, es war nichts mehr da.“ Der Turm wird verbrettert und bekommt in der großen Kuppel noch einmal Stahlverstrebungen, die ihn stabilisieren. Da die Balken weit auseinander lagen, wurden weitere eingezogen. Spanten und Gratsparren sind Fachbegriffe, die die beiden Zimmerleute verwenden.

    Blech löten an der Kuppel

    Eine Etage höher passen Marco Fleischhauer und Daniel Ress von der Spenglerei Ress (Bad Königshofen/Römhild) ein Kupferblech in die etwas spitz zulaufende Abdeckung zwischen der Laterne und der oberen Kuppel. Zunächst wird alles vor Ort zurecht geschnitten und angelötet bevor es eingepasst wird. „Wir müssen dabei natürlich aufpassen, dass die Lötstellen kalt sind, nicht dass die Balken Feuer heiß werden und Feuer fangen.“ Verständlich, denn in dieser luftigen Höhe wird ein Funke sehr schnell zu einer Flamme. Noch glänzt das Kupfer in der Morgensonne, aber sehr bald wird das nicht mehr der Fall sein, wissen die beiden Spengler. Beide sind übrigens auch an den Türmen des Schlosses Sternberg beschäftigt und genießen bei ihren Arbeiten auch immer wieder Aussicht.

    „Drei bis vier Nägel halten eine Schieferplatte“, berichten Marco Büttner und André Hartmann von der Dachdeckerfirma Thilo Hammer GmbH aus Arnstein. Über 100 Türme hat die Firma schon restauriert. Geschäftsführer Jürgen Degan spricht von 15 000 Schieferplatten und an die 60 000 Spezial-Schiefernägel. Dass der Kirchturm in Irmelshausen noch in diesen Jahr fertig wird – damit ist nicht zu rechnen. Die beiden Schieferdecker verweisen auf die Laterne über der oberen, kleineren Kuppel. „Erst wenn dort die Installateure fertig sind, können wir die vier Tragbalken noch verschiefern. Zuletzt ist dann die große Kuppel dran. „Aber das schaffen wir in diesem Jahr nicht mehr.“

    Maueranker an der Balustrade

    Viel Kraftaufwand ist unterhalb der Balustrade notwendig, denn dort sind Lukas Schmidt und Fabian Jung von der Firma Stiel-Bau aus Ostheim/Rhön dabei Maueranker einzubringen. Die bringen zwischen vier und sechs Tonnen auf die Wage und dienen zur Stabilisierung des 500 Jahre alten Gemäuers. Dazu wurden Löcher in die Steine gebohrt, in die dann die Eisenstangen geschoben und mit einer Eisenplatte verschraubt werden. Über 1000 Löcher wurden in das Mauerwerk des Turmes zuvor gebohrt und dort mit Kalk und Zement eine sogenannte Vorpressung vorgenommen.

    Vor Ort sind auch schon Steinmetze der Firma Hippold aus Bad Königshofen. Sie bessern zur Zeit noch Bereiche an den steinernen Gesimsen aus oder an den Bögen der Fensternischen. „Da ist noch einiges zu tun,“ sagt Stefan Nieder. Das Steinmännchen, das mit zwei Wappen in der Steinbalustrade des Kirchturms befindet, wird in Fachbüchern als männliche Phantasiegestalt benannt. Es ist auf das Jahr 1575 datiert. Dort ist auch das Wappen der Familie von Bibra zu sehen.

    Die Handwerker haben nicht nur sehr guten Weitblick bei ihren Arbeiten in Irmelshausen, sondern bekommen auch gute Einblicke in die Baugeschichten der verschiedenen Türme – interessante Arbeiten allemal.

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