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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Laut sein für ein besseres Leben

    Bei der Buchvorstellung sprang für den erkrankten Autor Pfarrer Burkhard Hose Maria Kuhn vom Haus St. Michael ein, eine verbindende Moderation übernahm Dietmar May aus Junkershausen. Foto: Jutta Gruppe-May

    Völlig anders als geplant verlief die Autorenlesung von Burkhard Hose im Haus St. Michael. Der Studentenpfarrer der katholischen Hochschulgemeinde Würzburg und Träger des Würzburger Friedenspreises erkrankte so kurzfristig, dass die Lesung nicht mehr abgesagt werden konnte.

    Das Haus St. Michael als Veranstalter und die rund 50 Zuhörer wollten aber trotzdem einer Lesung „Seid laut“ – Titel des Buches – folgen und so übernahmen Maria Kuhn, Mitarbeiterin des Hauses, und Dietmar May aus Junkershausen, beide waren als Zuhörer gekommen, kurzerhand die Lesung und begleitende Moderation.

    Maria Kuhn las nach einer telefonischen Rücksprache mit dem Autor das Erste Kapitel „Wer in der Demokratie schläft“. Hier berichtet Burkhard Hose von dem Besuch der Zeitzeugin und Überlebenden des Holocaust, Eva Fahidi, bei einer Vorlesung vor Studenten. Es wurde deutlich, dass Fahidi sich in ihrem Lebensplan nie entschieden hatte, eine Zeitzeugin zu werden und zu sein. „Gleichgültigkeit ist wie Gift“, dieser Satz von ihr schreckte aber auf. Gleichgültigkeit und deren Zustimmung wiederholten sich zum Teil in der heutigen Zeit, dabei gerieten aber Menschenrechte und Demokratie in Gefahr. Gleichgültigkeit kann genauso tiefe Narbe hinterlassen wie Hass, und ihr Gift zerstört die Mitmenschlichkeit.

    Hose sprach für seine Facharbeit mit zahlreichen Zeitzeugen, deren Erlebnisse hätten sein Bewusstsein geschärft. „Ich bin es den Überlebenden gegenüber schuldig, auch denen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, meine Stimme zu erheben“, so Hose. Es sei ein Glück, in einem Land geboren zu sein, in dem nach einem verheerenden Krieg die vorige Generation eine Demokratie aufgebaut habe. Das sei keine Selbstverständlichkeit – auch nicht, dass er jetzt in Frieden leben und sich für andere Menschen einsetzen könne. Er verstehe das laute Getöse derer nicht – der „Spätgeborenen“ – die nie auf etwas verzichten mussten, und die den Zeitzeugen nicht verzeihen wollen, wenn diese sie aus ihrer Gleichgültigkeit weckten. Die Erinnerung wachhalten ist ein Auftrag, um die Gegenwart und Zukunft zu gestalten.

    Es gelte wachsam zu sein, sich zu Wort zu melden, wenn die Würde des Menschen verletzt werde. Wach zu sein, so wie es Samuel erging, der von Gott geweckt wurde. Es ist jetzt eine Zeit nicht einzuschlafen, denn wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.

    Dietmar May bat nach der Lesung um Wortmeldungen im Sinne von „Seid laut“, denn es gäbe sicher manches im Leben, das Menschen veranlasse auf Situationen hinzuweisen, die verbessert werden könnten. Waldemar Bug, Bürgermeister in Burkardroth, gab als erster sein Statement, warum er politisch aktiv und „laut“ geworden sei.

    Gregor, 22 Jahre, und zurzeit Helfer auf dem Bio-Hof May, lebt in einer christlichen Gemeinschaft bei Salzburg mit dem Ziel, christliche Werte im Alltag umzusetzen. „Wenn jeder sein Bestes geben würde, ließe sich viel erreichen“, meinte er. Dominik Sha kennt Pfarrer Hose persönlich und wollte von ihm wissen, wie der Aufruf „Seid laut“ gemeint sei. „Für mich bedeutet er: wo soll ich laut werden? Bestimmt häufiger.“ Die Lehrerin Dagmar Richter wolle für Kinder „laut“ werden, sie sollten Freude am Lernen haben, und sie forderte eine Änderung des Schulsystems.

    Durch die Zuhörerbeiträge war deutlich geworden, dass es viele Lebensbereiche gibt, in denen eine Meinung zu mehr Menschlichkeit, Toleranz und Weitsicht gefordert ist und auch „laut“ geäußert werden sollte. Ein weiteres Kapitel aus dem Buch von Burkhard Hose, das Maria Kuhn vorlas, bekräftigte die Rückmeldungen der Zuhörer. Hierin schreibt Hose über die Stellung der Kirche zum „Laut sein“ und begibt sich gedanklich in die verschiedensten Situationen wie in ein Shopping-Center, ein Altersheim oder zu den ehrenamtlichen Helfern einer Bahnhofsmission. Überall gebe es Gelegenheit, seine Stimme für Menschen und ein christlich, demokratisches Miteinander zu erheben.

    Der Eindruck, den das Buch hinterließ, war so nachhaltig, dass vielfach der Wunsch geäußert wurde, den Autor Burkhard Hose erneut zu einer Lesung und einen anschließenden Dialog einzuladen.

    grm

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