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    Bischofsheim

    Leserforum: Baumfällung - Viele Fragen offen

    Zum Leserbrief von Christiane Bolz "Bäume nicht mehr ernten" vom 5. Dezember erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

    Sehr geehrte Frau Bolz, in Ihrem Brief in der Ausgabe vom 5.12. sehen Sie Wälder „als ‚Waffe’ gegen den Klimawandel“ aufgrund ihrer Funktion als CO2 – Speicher. Die begrüße ich sehr! Allerdings fordern Sie dann: „Öffentlicher Wald sollte ausschließlich nur noch für diese Aufgabe genutzt werden, indem Bäume nicht mehr geerntet werden, sondern stehen bleiben.“ Dies wirft bei mir einige Fragen auf:

    Speichert ein ungenutzter Baum, ein ungenutzter Wald tatsächlich mehr CO2? Kann der einzelne, ungenutzte Baum tatsächlich endlos weiter wachsen und CO2 speichern, oder beginnt er nicht vielleicht irgendwann von innen heraus zu faulen, wächst immer langsamer, stirbt irgendwann ganz ab, verrottet wieder; kurz: das zu Lebzeiten gespeicherte CO2 wird wieder freigesetzt? Müssen dann nicht irgendwann von unten neue Bäume nachwachsen, damit überhaupt wieder CO2 gespeichert werden kann?

    Ist nicht die mögliche Summe des Holzes, und damit des gebundenen CO2 auf einer gegebenen Fläche begrenzt, und somit auf einer genügend großen Fläche mehr oder weniger konstant? (am höchsten dort, wo gerade noch gesunde, alte Bäume stehen, am niedrigsten, wo gerade nur ganz kleine oder gar keine Bäume vorhanden sind?) Und ist nicht vielleicht sogar im genutzten Wald der durchschnittliche Holzvorrat höher, weil der Wirtschafter bestrebt sein wird, den Baum zu nutzten, wenn er keinen hohen Zuwachs mehr leisten kann, und weil er keine Lücken ohne Baumbewuchs haben möchte, notfalls durch Pflanzung nachhilft, wo die Natur sich mehr Zeit lassen würde? Hinzu kommt noch: ich kenne Dachstühle, ganze Gebäude aus Holz, die Hunderte von Jahren alt sind. Ist hier nicht CO2 noch gespeichert, das ohne Nutzung längst wieder in der Atmosphäre wäre?

    Wenn wir in allen öffentlichen Wäldern, wie Sie fordern, kein Holz mehr nutzen würden, müssten wir diesen nachwachsenden Rohstoff dann nicht anderweitig ersetzen? Verbrauchen wir nicht schon heute mehr Holz als wir bei uns einschlagen? Hilft es dem Klima wirklich, wenn wir zukünftig noch mehr Holz einführen, mit langen Transportwegen, und vielleicht aus Ländern wie Brasilien, wo anscheinend, zumindest auf Teilflächen, der Wald nicht wie bei uns nachhaltig genutzt, sondern beseitigt wird? Oder sollen wir dann statt Holz lieber Plastik, Beton, Stahl und Aluminium verwenden?

    Matthias Schlund
    97645 Ostheim

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    Bearbeitet von Thomas Pfeuffer

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