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    Mellrichstadt

    Meiningen: Die "Kinder der Wende" sind die Kinder des Glücks

    "Die Kinder der Wende" bei der Podiumsdiskussion im großen Saal des Kreisarchivs in Meiningen. Im Bild (v. links): Susanne Reum (hauptamtliche Beigeordnete am Landratsamt in Meiningen), Janine Merz (weitere stellvertretende Landrätin), Tom Pleiner (Sachbearbeiter Archiv- und Registraturdienst am Landratsamt in Meiningen) sowie Fabian Giesder, Bürgermeister der Stadt Meiningen. Foto: Hanns Friedrich

    "Wir haben zwar die angepeilte Besucherzahl von 1000 nicht erreicht, sind aber trotzdem zufrieden," sagt Angelika Hoyer vom Kreisarchiv in Meiningen. Am Wochenende hat sie Resümee gezogen zur Ausstellung "Wahnsinn - Wende - Wiedervereinigung". Zu der wird es auch einen Ausstellungskatalog geben.

    Die 16 Ausstellungstafeln können jederzeit für weitere Ausstellungen angefordert werden. Die Podiumsdiskussionen, so Hoyer, hätten einen besseren Besuch verdient, am Ende sei man aber zufrieden. 

    Die Kinder der Wende

    Von besonderem Interesse war der letzte Diskussionsabend mit den beiden stellvertretenden Landrätinnen Susanne Reum und Janine Merz, Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder und Tom Pleiner, dem Sachbearbeiter Archiv- und Registraturdienst am Landratsamt in Meiningen.

    Dieser Abend stand unter dem Thema "Die Kinder der Wende," denn die Podiumsteilnehmer waren damals  sechs, neun und sechs Jahre jung, Tom Pleiner war noch nicht geboren. Letztendlich waren sich alle einig, dass sie "Glückskinder" sind. Susanne Reum hat die DDR im Kindergarten erlebt. Sie erinnerte sich, dass die Kinder zum Appell antreten mussten und die Bilder des jeweiligen Staatsratsvorsitzenden in den Diensträumen zu finden waren.

    Die Bilder der Staatsratsvorsitzenden

    Janine Merz war gerade acht Jahre jung und weiß noch, dass auch an den Samstagen Schulunterricht war. Sie sprach von einem Spaziergang in Berlin mit ihrem Vater, wo sie die Mauer zum ersten Mal sah. Als sie nach dem 9. November wieder zum Unterricht in ihre Schule kam, waren die Bilder der Staatsratsvorsitzenden abgenommen. 

    Bürgermeister Fabian Giesder, damals sechs Jahre jung, sagte schmunzelnd, dass er wegen des plötzlichen Umschwungs in der DDR das blaue Halstuch der Jungsozialisten nicht mehr bekam, auf das er sich eigentlich gefreut hatte. Interessant für die Podiumsteilnehmer war die Performance "Mauersegler trauern nicht"vor der Diskussion.

    Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder stellte klar, dass es eine Zeit war, in der noch Gemeinschaft und Nachbarschaft eine Rolle spielten. Es gab viele soziale Kontakte. Früher wurde zusammen gefeiert und gegrillt. Es gab Partyräume - das war nach der Grenzöffnung plötzlich vorbei.

    Beide Seiten der Medaille

    "Für uns Kinder war es eine Veränderung, die wir nicht mehr verstanden. Tom Pleiner, der Jüngste am Podium, sagte, dass es in den Schule kaum Information über die Teilung Deutschlands gab. Wichtig ist es ihm "beide Seiten der Medaille zu betrachten." Er selbst war schon mal im Stasi-Archiv beschäftigt und konnte in Stasi-Akten blättern. 

    Janine Merz erinnert sich an Religionsunterricht, den es plötzlich gab. "Wir wurden da oft hinein geschubst. Wir waren damals voller Respekt und Erfurcht, was Schule und Lehrer betraf, das vermisse ich heute." Sie selbst bezeichnet sich als ein "Glückskind", und erwähnte die vielen Chancen, die es heute im wiedervereinigten Deutschland gebe. Der Zusammenhalt fehle jedoch vielerorts. Aber jeder sei nach der Wende mit sich selbst beschäftigt gewesen und musste sich zurecht finden.

    Anerkennung für die Lebensleistungen im Osten

    "Wir sind alle Glückskinder," griff Bürgermeister Fabian Giesder  den Faden von Janine Merz auf. "Wir durften dies alles miterleben und hatten letztendlich zu beiden Systemen einen Zugang." Erfreulich sei, dass für die Menschen in der ehemaligen DDR auch die Anerkennung für das kommt, was sie geleistet und geschafft haben. 

    Was die Entwicklung der Stadt Meiningen betrifft, sei er sehr zufrieden. Notwendig sei es, dass wieder mehr die Gemeinschaft in den Mittelpunkt gerückt wird. Die stellvertretende Landrätin Susanne Reum betonte, in welch toller Region man hier lebe.  Das müsse die Jugend vor allem erkennen. Bedauerlich sei, dass nach wie vor sehr viele aus dem Landkreis abwandern. Erfreulich seien aber die Rückkehrer.  

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